WEITBLICK Nr. 2 (1995)
TIEFBLICK

MITTEILUNGEN AUS DEM DBV-VORSTAND BRANDENBURG

Pflichtexemplarregelung in Brandenburg

Die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam ist empfangsberechtigte Bibliothek der Pflichtexemplare des Landes Brandenburg. Gesetzliche Grundlage ist das am 13.5.1993 vom Landtag erlassene Pressegesetz des Landes Brandenburg (GVBl. Teil I 1993 Nr. 10, S. 162ff.). Somit wird die Pflichtexemplarsammlung in Potsdam seit Mitte der 50er Jahre lückenlos durch die Stadt- und Landesbibliothek und ihre Vorgänger, Brandenburgische Landes- und Hochschulbibliothek und Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek, wahrgenommen.

Der Tendenz von Fachgremien und dem Wunsch der Bibliothekspraktiker nach Neuregelung der Pflicht in einem eigenständigen Gesetz konnte zu diesem Zeitpunkt nicht entsprochen werden.

Sowohl für Ablieferungspflichtige als auch Bibliotheken sind präzise Aussagen zu einzelnen Modalitäten notwendig, um eine möglichst lückenlose Erfassung zu erreichen. In weiteren Verhandlungen mit Vertretern des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur und der Abteilung Landesbibliothek diesbezüglich, konnten durch entsprechende Rechtsverordnungen Ergänzungen zum Pressegesetz eingebracht werden.

Die Definition des Begriffes Druckwerk umfaßt "alle mittels eines zur Massenherstellung geeigneten Vervielfältigungsverfahrens hergestellten und zur Verbreitung bestimmten Schriften, besprochenen Tonträger, bildliche Darstellungen mit und ohne Schrift, Bildträger und Musikalien mit Text oder Erläuterungen" (BbgPG 7, Abs.1). Ausgenommen von der Ablieferungspflicht sind "die nur zu Zwecken des Gewerbes und Verkehrs, des häuslichen und geselligen Lebens dienenden Druckwerke wie Formulare, Preislisten, Werbedrucksachen, Familiennachrichten, Geschäfts-, Jahres- und Verwaltungsberichte und dergleichen" (BbgPG 7, Abs.3). Die Bibliothek kann aufatmen.

Die Ablieferungspflicht erstreckt sich auf Verleger und Drucker. Das regionalkundliche Sammelgebiet Brandenburgica hätte sich darüber hinaus die Einbeziehung der Herausgeber gewünscht.

Brandenburg ist relativ arm an Verlagen und viele Herausgeber wählen aus Kostengründen einen Druckort außerhalb des Landes. Obwohl der Unterschied von "aus dem Land" und "über das Land" immer wieder zu betonen ist, profitiert die Brandenburgica von der Pflichtablieferung. Auf diesem Wege gelangt wichtiges regionalkundliches Schrifttum quasi von selbst in die Bibliothek, das oftmals schwer bibliographisch zu ermitteln ist.

Die Verzeichnung der Bestände und relevanter Inhalte erfolgt insbesondere im Sonderkatalog Brandenburgica und in der seit 1962 in Potsdam erstellten Brandenburgischen Bibliographie, die das regionalkundliche Schrifttum ab 1945 erfaßt.

In der "Pflichtexemplarverordnung" des Ministers für Wissenschaft, Forschung und Kultur vom 29.9.94 (GVBl. Teil II 1994 Nr. 71, S. 911ff.) werden Anbietungspflicht und Ausstattung der Druckwerke definiert. Demnach sind sie frei von Versendungskosten zur Ansicht zuzusenden und zum unentgeltlichen Erwerb anzubieten. Die Frage einer eventuellen finanziellen Entschädigung des Ablieferungspflichtigen regelt die Richtlinie des MWFK vom 29.9.94 (Amtsblatt für Brandenburg 1994 Nr. 78, S. 1602). Seitens der Stadt- und Landesbibliothek wird die Einrichtung eines entsprechenden Haushaltstitels angestrebt.

Für die Abgabe amtlicher Druckschriften ist ein Erlaß der Landesregierung vom 30.11.93 (Amtsblatt für Brandenburg 1993 Nr. 97, S. 1742) maßgebend. Demnach haben alle Behörden des Landes der SLB alle durch sie herausgegebenen oder in ihrem Auftrag erscheinenden Drucksachen in einem Exemplar zuzusenden.

Die gesetzliche Basis ist somit geschaffen. Die praktische Umsetzung ist erfahrungsgemäß mit Schwierigkeiten verbunden. Nicht jeder Ablieferungspflichtige ist informiert, und die Flut des Kleinschrifttums verursacht der Bibliothek innerhalb ihres Geschäftsganges und bei der sachgemäßen Archivierung erheblichen Arbeitsaufwand.

Die Eingangskontrolle und Inventarisierung der Pflichtmedien wird von einer Assistentin der Abteilung Erwerbung/Erschließung vorgenommen. Die inhaltliche Betreuung erfolgt vorrangig durch das Fachreferat Brandenburgica. Bei der sachlichen Erschließung sind die Fachreferenten und -lektoren der SLB beteiligt.

Demnächst werden Rundschreiben an alle Ämter, Institutionen, Verlage und Drucker in Brandenburg versandt, die auf die 4 zu beachtenden Rechtsverordnungen verweisen und an die Ablieferungspflicht erinnern. Ein weiteres Schreiben wird sich an Herausgeber regionalkundlicher Schriften wenden, die im Interesse der Profilierung des Sammelgebietes Brandenburgica um die Zusendung eines Exemplars ihrer Veröffentlichung gebeten werden.

Marlies Bornemann