Humboldt Universität zu Berlin Institut für Bibliothekswissenschaft
Institut
Studium
Forschung
Studenten
Linklisten

Das Antlitz der Bibliotheken von Morgen
Ein Bericht zum Beitrag „Bibliotheksbauten für die Zukunft“ zur Ringvorlesung am IB

von Matti Stöhr

Am 05. Mai wurde der zweite Vortrag, im Rahmen des Berliner Bibliothekswissenschaftlichen Kolloquiums (BBK) im Sommersemester 2004 bzw. der Ringvorlesung „Die Zukunft der Bibliotheken“ am IB, gehalten.

Diesmal referierte Prof. Dr. Ulrich Naumann, Direktor der Universitätsbibliothek der FU, zu der Problematik zukünftiger Bibliotheksbauten.

Wer nun eine Abhandlung über architektonische Besonderheiten von Bibliotheken erwartet hatte, wurde enttäuscht.
In Abgrenzung dazu waren nämlich die „inhaltlich-organisatorische Probleme“ von Bibliotheksbauten,
welche sich in diesem Zusammenhang speziell auf wissenschaftliche Bibliotheken beziehen,
zentrales Thema dieser Veranstaltung.

Für dieses konnte Prof. Naumann durch seine frische, humorvolle Vortragsweise das Auditorium, zweifelsohne gewinnen und genoss eine hohe Aufmerksamkeit.
Im Vergleich zur letzten Veranstaltung war dabei sehr erfreulich zu sehen, dass auch einige Erstsemester-Studenten zu dem höchst interessanten Vortrag
erschienen waren.

Prof. Naumann leitete seinen Beitrag mit der Überzeugung ein, „dass es auch in Zukunft Bibliotheken als notwendige Bestandteile der gesellschaftlichen Entwicklung geben muss“.
Somit war die Intention des Referenten eindeutig: Unter Berücksichtigung der Gegenwart sollte der Charakter der „Bibliotheksbauten für die Zukunft“ und die Anforderungen an diese dargestellt sowie ihr Wert herausgehoben werden.

Im Mittelpunkt stand hier die kritische Auseinandersetzung mit den Ausführungen zweier "Experten auf dem Feld des Bibliotheksbaus“: Elmar Mittler (von 1993) und Michael Brawne (von 1970), sowie mit den Empfehlungen des Wissenschaftsrates, um schließlich prägnante Aussagen im Hinblick auf zukünftige Bibliotheksbauten zu treffen.

Es werden in diesem Zusammenhang folgende Aspekte als relevant angesehen:

1) Der wachsende Einfluss technisch-elektronischer Verfahren in Bibliotheken (hier seien folgende Schlagworte nach Mittler genannt: Bearbeitungsrevolution, Informationsrevolution, Benutzungsrevolution);

2) Bibliotheken als Orte der Kommunikation (vornehmlich zwischen Informationsquelle und einem einzigen Leser laut Brawne) und dessen angemessener Ausstattung; inklusive der Arbeitsplätze;

3) Prinzipien des Wissenschaftsrates zum Bibliotheksbau, in denen detailliert Grundsätze und Standards im Hinblick auf z.B. technische Ausstattung, Raumaufteilung, Raumatmosphäre, Ausstattung der Arbeitsplätze, Flexibilität im Betrieb etc. ihren Niederschlag finden (und ihre Konfrontation zu den vorangegangenen Aussagen Mittlers und Brawnes).

Unter der eingangs genannten Grundvorrausetzung und den beim Bibliotheksbau zu berücksichtigenden Aspekte kam Prof. Naumann sinngemäß zu folgender Synthese:

Der Überzeugung folgend, dass das Buch auch in Zukunft, ungeachtet der (notwendigen) Integration elektronischer und digitaler Informationsträger in die Bibliotheksverwaltung, eine wichtige Rolle innehaben wird, müssen sich die Bibliotheken zu Institutionen entwickeln, welche die Vermittlung von Informationen unter der Berücksichtigung aller Speicherformen beherrschen.

Insofern gilt es, diese Funktion von Bibliotheken (für die Zukunft) stärker mit dem Ziel einer breiteren gesellschaftlichen Akzeptanz ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, damit die Zukunft selbiger nicht letztendlich am finanziellen Faktor, welcher im Grunde stets das größte Problem der Bibliotheken darstellt(e), scheitern werden wird. ...

(07.Mai 2004)

 


Bibliotheksbau neu - Universitätsbibliothek in Warschau

Bibliotheksbau alt - Biblioteka Raczynskich in Poznan