Humboldt Universität zu Berlin Institut für Bibliothekswissenschaft
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Bibliothekarische Visionen und Versionen einer planbaren Zukunft
Ein Bericht zum Beitrag „Bibliotheksplan `69 und Bibliotheksplan `73: Anspruch, Realisierung und Perspektiven“ zur Ringvorlesung am IB

von Matti Stöhr

Am 18.05.2004 wurde nunmehr bereits der dritte Vortrag im Rahmen des Berliner Bibliothekswissenschaftlichen Kolloquiums (BBK) im Sommersemester 2004 bzw. der Ringvorlesung „Die Zukunft der Bibliotheken“ am IB, gehalten. Es referierte der stellvertretende Institutsdirektor Prof. Dr. Konrad Umlauf zum Charakter von Bibliotheksplänen und ihren Auswirkungen.

Dass diese Bibliothekspläne nicht isoliert betrachtet wurden, zeigt folgende Gliederung des Vortrags:

1) „Die Grundlagen der bibliothekarischen Regionalplanung“ von 1966
2) Der Bibliotheksplan von 1969
3) Der Bibliotheksplan von 1973
4) Wirkungen, die Planungen im Kontext
5) Das gewandelte Planungsverständnis

Nachdem Prof. Umlauf die drei Planungspapiere in ihren Eigenschaften, den darin enthaltenen Forderungen und Intentionen eingehend vorstellte, machte er deutlich, dass diese kaum Wirkung hatten und ging dieser Tatsache auf den Grund.

Die zentrale These:
Das Scheitern der Bibliothekspläne ist zum Großteil Folge eines gewandelten Planungsverständnis' und der Unflexibilität der Pläne.

Diese Unflexibilität resultierte laut Prof. Umlauf daraus, dass vor allem in den früheren Papieren der „Bezug zu Gebietskategorien“, die „Anschlussfähigkeit“ an andere Ressourcen“ fehlte und ein gewisser „Schematismus“ in den Plänen historisch gewachsener landespolitischer Strukturen übersehen wurde.

Der anfänglich visionäre Charakter der Forderungen (z.B. gibt das Papier von 1966 die Schaffung von Büchereisystemen für ein Territorium von 500.000 Einwohnern) waren einfach unrealistisch.

Insofern musste ein Wandel von Visionen zur Konkretisierung in Form der stärkeren Berücksichtigung quantitativer Standards und fachlicher Details in den Plänen erfolgen.

Den Erfolg dieses Sinnwandels stellte Prof. Umlauf dann an länderspezifischen Planungspapieren, wie z.B. aus Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg dar.

Dass jedoch gewisse Ziele und Forderungen, die vor über dreißig Jahren formuliert wurden, nicht umgesetzt werden konnten und immer noch Aktualität besitzen, zeigt der Charakter des Bibliotheksplan 2007, welcher im Vortrag und auch in der anschließenden Diskussion angesprochen wurde. So ist beispielsweise die Forderung nach einem Gesamtkonzept für Bibliotheken schon im Bibliotheksplan ´69 verankert worden.

Eine kleine kritische Anmerkung sei erlaubt:
Die angeführten Statistiken und Zahlen veranschaulichten die Ausführungen Prof. Umlaufsin jedem Fall, jedoch ihr Einsatz in dieser Menge meines Erachtens für die Zuhörerschaft etwas zu anstrengend, zumal sie meist nur für wenige Augenblicke an der Wand projiziert wurden und keine eingehende Betrachtung möglich war.

Sehr erfreulich ist, dass sich umso mehr interessierte ZuhörerInnen zu den Vorträgen einfinden je länger die Vorlesungsreihe dauert.

Wenn dies so weitergeht, wird spätestens bei der übernächsten Veranstaltung die Saur-Bibliothek sprichwörtlich aus allen Nähten platzen.

Dies bzw. ein stetig wachsendes Interesse an der Vorlesungsreihe ist wünschenswert, zeigt sich doch daran, dass das Konzept der Ringvorlesung funktioniert und in zukünftigen Semestern unbedingt fortgeführt werden sollte.

(23. Mai 2004)

 

Prof. Umlauf im BBK
Prof. Konrad Umlauf - Bibliothekspläne und Bibliotheksplanung (be)greifbar machen