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Wie „in“ ist der wissenschaftliche Bibliothekar?

Bericht zum BBK vom 25.01.2005

von Bastian Zeinert

Wie „in“ ist der wissenschaftliche Bibliothekar? Dieser Frage widmete sich das Berliner Bibliothekarische Kolloquium am 25. Januar und lockte damit recht viele interessierte Menschen, darunter auch überdurchschnittliche viele institutsfremde, in unser Institut.
So fand sich eine bunte Runde aus Professoren, Bibliothekaren und Studenten zusammen.

Die Moderation des Abends lag in den Händen von Annette Gerlach, Vorsitzende des VDB-Regionalverbandes Berlin-Brandenburg.
In einer kurzen Einleitung erläuterte sie die Frage des Abends. Anschließend wurde von ihr der Wunsch nach einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Instituten, Bibliotheken und den Verbänden geäußert. Dieses Kolloquium solle gewissermaßen eine Initialzündung sein für eine lange und fruchtbare Diskussion.

Hinter der etwas plakativen Frage, wie „in“ ist der wissenschaftliche Bibliothekar, verbergen sich tiefgehende Probleme des Berufsstandes als solches.
Diese lassen sich in zwei grobe Kategorien/Fragenblöcke aufteilen:
1. Warum ist die Außenwirkung des Bibliothekars eigentlich so schlecht? Wie kann dies geändert werden?
2. Was macht den wissenschaftlichen Bibliothekar eigentlich aus? Oder um es drastischer zu sagen: Wozu ist er eigentlich nütze?

Dem Leser wird nun auffallen das diese beiden Kategorien eng, wenn nicht sogar unzertrennbar miteinander verwoben sind.

Um den Hörer in die Problematik einzuführen, hat Prof. Dr. Walther Umstätter neun kontroverse Thesen vorgestellt, die die Teilnehmer zu einer Diskussion anregen sollten. Die Thesen lauten:

1. Es gibt zu viele Vorschläge für das Berufsbild von Bibliothekar/innen und zu wenig Konsens.

2. Der Mangel an Konsens liegt an der rasanten Entwicklung im Wissenswachstum und dessen neuen Organisationsmöglichkeiten des Wissens.

3. Seit 1921 sollte Bibliothekswissenschaft eine „Nationalökonomie des Geistes“ sein – eine Wissensverwaltung und Bildungsbasis unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten, im Sinne Harnacks.

4. Bibliothekswissenschaft ist seit 1963 (Weinberg Report) eine Informationswissenschaft im Sinne der Informationstheorie.

5. Bibliotheken sind die Garanten für Chancengleichheit und effiziente Begabtenförderung.

6. Wir müssen zunehmend für barrierefreies Lernen sorgen – Acces by everyone regardless of abilities and disabilities.

7. Information und Wissen ist keine Ware wie jede andere, und damit nur schwer herkömmlichen Marktgesetzen zu unterwerfen. Diese nachzuweisen (oder auch zu falsifizieren) ist Aufgabe des/der Wissenschaftlichen Bibliothekars/in.

8. Die sogenannte Informations- oder Wissensgesellschaft lebt nicht von Information oder von dem Wissen, das sie hat, sondern von seiner Produktion.

9. Funktion und Bedeutung der/des wissenschaftlichen Bibliothekarin/s ergibt sich daraus, dass die Bibliothek eine Einrichtung ist, die unter archivarischen, ökonomischen und synoptischen Gesichtspunkten publizierte Information für ihre Nutzer sammelt, ordnet und verfügbar macht.


Anhand von diesen Thesen wurde anschließend unter der Leitung von Frau Gerlach sehr angeregt diskutiert.

Der am Anfang gewünschte Gedankenaustausch zwischen den Institutionen, Bibliotheken und Verbänden erwies sich als drängendes Ziel.

Die einzelnen Positionen der Teilnehmer konnten unterschiedlicher nicht ausfallen:
Es gab einen eklatanten Unterschied in den Ansichten der „Praktiker“ aus den Bibliotheken und den „Theoretikern“ aus dem Institut.

In vielen Fragen zur Ausbildung, Ansehen, Positionierung innerhalb der Wissenschaft etc. wurden sehr unterschiedliche Antworten gegeben.
Die aufgeworfenen Fragen richten sich an die grundlegenden Strukturen unseres Berufsstandes und können deshalb nur von allen Institutionen und Einrichtungen zusammen beantwortet werden.

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