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Die Beatles sangen „With a little help from my friends“ – passend für Freundeskreise und Fördervereine für Bibliotheken

Ein Bericht zum BBK vom 08.11. 2005

zusammengestellt von Manuela Schulz und Bastian Zeinert

(15. November 2005)


Der Einstieg in die Veranstaltungsreihe des Bibliothekswissenschaftlichen Kolloquiums (BBK) in diesem Semester mit dem Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Naumann ist mehr als gelungen. Nun stellte sich uns die Frage, ob das mit der nächsten Veranstaltung genauso weitergehen würde. Die Vorraussetzungen dafür waren durchaus gegeben, denn ein fast schon als Tradition zu bezeichnender Veranstaltungsgegenstand am Institut sollte an diesem Dienstag fortgeführt werden: die Vorstellung einer Publikation.


Das Vortragsteam: Christin Mollenhauer, Anke Budig, Matti Stöhr, Petra Hauke, Jessica Euler

Einige Autoren, Mitarbeiter des Instituts, Studierende und externe Interessierte fanden sich aus diesem Anlass in der Saur-Bibliothek ein. An diesem Dienstag wurde das Buch „With a Little Help From My Friends. Freundeskreise und Fördervereine für Bibliotheken. Ein Handbuch“, das als viertes aus der Buchprojektreihe am Institut hervorgeht, von Petra Hauke und vier Studierenden des Instituts vorgestellt.

Es widmet sich umfassend der Problematik von Freundeskreisen und Fördervereinen für Bibliotheken - ein Thema, das in den letzten Jahren mehr und mehr an Bedeutung gewonnen hat, auch wenn es gegenteilige Meinungen gab, wie etwa eine Äußerung in der Liste INETBIB, in der Fördervereine als „geriatrische Institutionen“ bezeichnet wurden.

Dies war, nach Aussage der Herausgeberin, einer der Auslösungsmomente für die im Frühherbst dieses Jahres erschienene Publikation. Die Ankündigung des Deutschen Bibliotheksverbands (DBV) im März dieses Jahres, dass eine Konferenz für Freundeskreise geplant sei, verstärkte die Beschäftigung mit dieser Thematik. Im Vorfeld der Publikation veranstalteten Petra Hauke und Rolf Busch (Leiter des Weiterbildungszentrums der FU) im Mai die Fachtagung „Bibliotheken fördern - Freundeskreise und Fördervereine“, die sich einer regen und interessierten Teilnahme, sowie konstruktiven Diskussionen und die Auseinandersetzung mit verschiedensten Aspekten dieser Thematik erfreute.

Die 16 Vorträge, die dort u.a. von Dagmar Jank (FH Potsdam), Erwin Miedtke (stellv. Dir. der Stadtbibliothek Bremen) und Jill Bepler (Gesellschaft der Freunde der Herzog August Bibliothek) gehalten wurden, bilden die Grundlage des Bandes.

Nach den einleitenden Worten von Petra Hauke stellten Christin Mollenhauer, Anke Budig, Jessica Euler und Matti Stöhr den Inhalt der Publikation vor. Das Thema um die Freundeskreise und Fördervereine für Bibliotheken wird dabei folgendermaßen erschlossen:

- Einleitung
- Grundlagen
- Aus der Praxis (A) – Freundeskreise und Fördervereine Öffentlicher Bibliotheken
- Aus der Praxis (B) – Freundeskreise und Fördervereine wissenschaftlicher
  Bibliotheken
- Aus der Praxis (C) – Freundeskreise und Fördervereine – international
- Perspektiven
- Anhang

Die zahlreichen Facetten der unterstützenden Organisationen für Bibliotheken werden durch die insgesamt 24 Beiträge einmal mehr deutlich: Es geht um bürgerschaftliches Engagement à la „Rückzug des Staates, Rückkehr des Bürgers“ , dem z.T. veralteten Vereinsstrukturen, die verändert werden müssen; es geht um rechtliche und steuerliche Grundlagen bei einer Vereinsgründung und um die verschiedenen Ansätze in der praktischen Umsetzung auf nationaler wie auf internationaler Ebene. Dabei wird immer wieder auch der politische Wille und die Bedeutung der Lobby-Schaffung von den Autoren hervorgehoben.

Im Sommer 2005 wurde dazu auch der Grundstein beim DBV gelegt: der Wunsch nach Vernetzung, Koordinierung und Austausch resultiert in der Gründung der Konferenz für Freundeskreise. Nationale und internationale Partner, Freundeskreise und Fördervereine sowie verschiedene Dokumente werden auf den www-Seiten des Deutschen Bibliotheksverbands aufgeführt (www.bibliotheksverband.de). Insgesamt haben sich über 150 Vereine und Förderkreise registriert. Die Referenten bemängeln, dass die Registrierung beim jeweiligen Verein selbst liegt, was sicherlich noch auf vorhandene Lücken schließen läßt.

Der Anhang besticht durch seinen ungewöhnlichen Umfang: praktische Tipps für die Gestaltung von Webseiten, eine Vereinssatzung oder einen Informationsflyer sowie Auszüge aus dem Vereins- und Stiftungsrecht und eine Übersicht zu den Freundeskreisen und Fördervereinen in Deutschland bieten eine umfassende Informationsgrundlage für die Aktiven, aber besonders für solche, die es werden wollen bzw. müssen.


Matti Stöhr, Petra Hauke und Jessica Euler

Der Band wurde mit Unterstützung des DBV in einer verhältnismäßig hohen Auflagenzahl herausgegeben und an alle interessierten Bibliotheken und Vereine in Deutschland kostenlos verteilt. Der Verlag, Bock + Herchen, will den Band zudem auch in Österreich und der Schweiz vertreiben. Wer zu den Open-Access-Anhängern gehört, darf sich der zur freien Verfügung stehenden Texte im Web unter www.ib.hu-berlin.de/buchidee/index.html erfreuen. Alle Texte sind hier seit Oktober herunterzuladen.

Nach der einstündigen Vorstellung durch die Referenten lud der Institutsdirektor zum berühmt berüchtigten Buffet, bei dem alle offenen Fragen diskutiert werden und die Meinung, Bibliotheksfördervereine seien „geriatrische Institutionen“ relativiert bzw. verneint werden konnten.

Der Bedarf an diesem Thema hat sich seit dem Boom in den 90er Jahren mit dieser Publikation also gezeigt und läßt einige Mitarbeiter des Bandes nach Tallinn blicken, wo vom 30.01.-02.02.2006 das 14. BOBCATSSS symposium (www.bobcatsss.nu/) unter dem Motto Information, Innovation, Responsibility: Information Professional in the Network Society stattfindet.

Wie die Beatles schon wußten, dass “I get by with a little help from my friends,
I get high with a little help from my friends,(…)”, so ist die Überzeugung der nützlichen Unterstützung und dem Gedanken der gegenwärtig modern gewordenen Netzwerkbildung im Bereich des Bibliothekswesens einmal mehr deutlich geworden.

 

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