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Exkursion 'Polen - Litauen 2004'
29. April - 06. Mai 2004

02. Mai

Bialystok
(Ben)

Bialystok – die Stadt in der mein Vater in den 1960er Jahren einmal eine Woche festsaß, weil der Zug vor lauter Schnee nicht durchkam und in der er ein Mädchen kannte, das er beinahe heiratete, was mich und diesen Bericht verhindert hätte... Bialystok - eine Stadt, die in gewisser Weise schicksalhaft für mich war...und nun, auf dieser Exkursion, sollte es zum Erstkontakt kommen.
Erwartungen gab es nicht und der winzige Erinnerungs-
splitter an die einstige väterliche Verbindung zum Ort war schon weitaus spektakulärer als die Stunden, die wir dort verbrachten.

Die Stadt an sich ist auf den ersten Blick nicht sonderlich schön, auch nicht sonderlich unschön. Sie ist einfach. Sie ist einfach und schlicht.
Das Hotel Trio – beheimatet in einem Gewerbegebiet - wirkte so einfach und schlicht wie die Stadt und wer sich an (deutsche) Jugendherbergen erinnert fühlte, kam in seiner Erinnerung der Realität sicher sehr nah. Die Balkontür: erst nach dem Verrücken des Zustellbetts zu öffnen, der Blick vom Balkon: auf eine Lager- oder Produktionshalle, der Blick aus dem Flurfenster: auf eine Markthalle, nur wenige Schritte zu einer Tankstelle, das Frühstück am Morgen zum Fernsehbild des polnischen MTV und nach dem im Warschau erfahrenen eher mager oder „mäßig“ zu nennen – das bleibt vom Hotel im Rückblick. Vielleicht auch noch die Handtücher, die die in der DDR groß gewordenen an ihre Kindheit erinnerten.

Die Innenstadt von Bialystok lässt nichts von immerhin 42000 Studenten erahnen und ist sehr schnell erkundet: die „Lipowa“ ist die Hauptstraße, es gibt ein paar Banken, ein paar Wechselstuben, ein Kino, einen Lebensmittel-
laden der auch am Sonntag geöffnet ist, an beiden Enden je eine Kirche - da Sonntag war, jeweils überfüllt.
Nach Einbruch der Dunkelheit wirkte die Hauptstraße erstaunlicherweise – durch die für polnischen Städten so typische verschwenderische Verwendung von Leuchtreklame – lebendiger.

Hervorzuheben ist das Restaurant „Sphinx“, das eindeutig beste Restaurant von allen, die wir auf unserer gesamten Rundreise besucht haben, mit mehrsprachigen Karten, mehr oder weniger mehrsprachigen Kellner, einer uneingeschränkt attraktiven jungen Dame, die die mehr oder weniger mehrsprachige Bedienung lange aufhält und uneingeschränkt gutem Essen.

Hervorzuheben ist auch die weiße Kirche, deren Namen ich leider nicht weiß, die architektonisch sehr eindrucksvoll wirkte und bei deren Besichtigung wir von einer „Aufsichtsperson“ sehr auffällig unauffällig verfolgt wurden.

Es gibt einige Parkanlagen, in einer findet sich ein Freilufttheater, dass vermutlich auch schon glorreichere Zeiten gesehen hat, das ehemalige Schloss mit Gartenanlagen, die vermutlich sehr schön sind, für uns aber in der Dämmerung weitgehend verborgen blieben.
Von einer Brücke aus füttern die jungen Männer mit ihrer Liebsten Karpfen, auf den Bänken, trinken die jungen Männer ohne Liebste Alkohol und schauen trist oder böse. Oder beides.

Ich glaube, man tut Bialystok Unrecht, es nach diesem ersten Urteil als spröde oder gar abweisend zu beurteilen: ein zweiter Blick blieb uns auf dieser Reise leider verwehrt.

So ist letztendlich hervorzuheben, dass der Abend in Bialystok der einzige war, an dem die Gruppe geschlossen – und zwar schon um 21:00 Uhr - ins Hotel zurückfuhr und sich niemand auf die Suche nach einem Nachterlebnis begab.

Informationen im Internet: http://www.city.bialystok.pl/ger/index.html

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