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Exkursion 'Polen - Litauen 2004'
29. April - 06. Mai 2004

30. April bis 01. Mai - 2 Tage in Warschau und der EU-Beitritt Polens

Stadtrundgang in Warschau
(Manuela)

Da wartete also die polnische Hauptstadt, von uns entdeckt zu werden. Zunächst mußten wir feststellen, dass es sehr ruhig in Warschau war - kaum Menschen auf den Straßen zu sehen, autoleere Straßen, geschlossene, zum großen Teil verbarrikadierte Geschäfte und Cafés, kaum Geräusche, Absperrungen in der Innenstadt, Polizeiaufgebot...der Grund: Zum Weltwirtschaftskongreß, der seit dem 28.04.04 tagte, wurden zahlreiche Globalisierungsgegner erwartet und entsprechende Maßnahmen eingeleitet...Unsere Gruppe (Marina, Jana, Elke, Boris, Jule, Julia, Kath, Stefan, Jessi, Andreas, Manuela) ließ sich aber trotzdem nicht entmutigen, die vor Widersprüchen trotzende Stadt zu durchforschen.
Bevor wir uns der Altstadt näherten, machten wir erst mal eine Rast in einem gemütlichen Park. Vorbei am Platz, auf dem abends die Feierlichkeiten zum EU-Beitritt stattfinden sollten, ging es dann Richtung Marktplatz. Die eindrucksvollen Bürgerhäuser mit den Barockfassaden rund um den Platz, die Gassen und Kirchen wurden gleich auf zahlreichen Fotos festgehalten. Übrigens wurde die Altstadt, durch den Krieg völlig zerstört, zwischen 1949 und 1953 wieder neu aufgebaut. Gassen, Nischen und Geschäfte wurden von uns erkundet. Entlang der Stadtmauer, von der man auch einen schönen Blick auf einen Teil der Stadt hat, gingen wir dann allmählich auf die Suche nach etwas Eß- bzw. Trinkbarem.
Von da an trennte sich unsere Gruppe. Da ich Kaffeedurst hatte bin ich mit Gleichgesinnten (Jana und Andreas) in ein griechisches Restaurant gegangen (ein polnisches Kaffee war leider nicht auszumachen...). Nach dieser Stärkung wollten wir zur Weichsel runter und nur mal ein wenig die Flußluft schnuppern. Daraus wurden zwei Stunden Dauermarsch, vorbei am Zoo, am Stadion, an der UB Warschau (was wir noch nicht wußten) bis zur errettenden Straßenbahnstation, von der aus wir wieder Richtung Stadt tingelten. Nach einer kleinen Rundfahrt fanden wir uns in der Altstadt wieder und „genossen“ jeder auf seine Art das traditionelle polnische Gericht Bigos. Gegen 19 Uhr kamen wir im Hotel an. Danach ging es dann gleich wieder Richtung Innenstadt, um an der Feier zum EU-Beitritt teilzunehmen.


Warschau...ein modernes Kunstwerk, das die Beteiligung des Betrachters sucht. Die Gegensätze der architektonischen Gepflogenheiten lassen den neuen Besucher eine Willkür des Bauens vermuten. Der Kulturpalast, Zentrum der Stadt, überragt mit seinen 232 m die Stadt mit einem selbstgefälligen Lächeln. Vom 30. Stockwerk des im Stalin-Stil erbauten Gebäudes kann man den Blick über die Mixtur an verschiedenen Baustilen schweifen lassen. Es ist schwierig, den Blick von diesem Wust abzuwenden: Altstadt, klassizistische Gebäude, Wolkenkratzer, Warenhäuser, Plattenbauten, und zwischendurch schlängeln sich breite Straßen mit gelb-roten Bussen und Trams vorbei an Parkanlagen. Die Weichsel mit ihren runden Bewegungen und ihren zahlreichen Brücken (die ebenfalls die Spanne von alter und moderner Architektur aufweisen) fügt sich in das Stadtgefüge ein und trennt die Innenstadt, das neue Warschau vom alten Warschau, Praga. Beide „Stadtteile“ haben ihre Reize – sei es in der Lebendigkeit, Ausstrahlungskraft, Melancholie oder in der Vergänglichkeit.


„Urlop na warszawa“ – es gibt noch mehr zu sehen…
(Maxi)

Nachdem wir die erste Nacht in unserem Quartier, dem Hotel Felix im Distrikt Praga – Poludnie, verbracht hatten, genossen wir dort am nächsten Morgen zunächst das reichliche Frühstücksbuffet.
Ursprünglich angesehen waren für diesen Tag die Besichtigungen der National- und der Universitätsbibliothek Warschau. Aufgrund der bereits erwähnten Maßnahmen zur Sicherung der Warschauer Innenstadt blieben die Tore der Bibliotheken in den ersten zwei Tagen unseres Aufenthalts verschlossen. Es war uns nicht einmal möglich den Kulturpalast zu besuchen.
Aus diesem Grund haben wir (Tanni, Ben, Maxi) uns entschlossen den traumhaft sonnigen Tag in den Grünanlagen der Stadt zu verbringen und den Warschauer Zoo (Ogród Zoologiczny) im Stadtteil Praga Polnoc zu besuchen, den wir nach einem längeren Fußmarsch und der Überquerung der „Most Slasko- Dabrowski“ (eine der zahlreichen Brücken, die über die Weichsel führen) erreichten.
Der in unserem Reiseführer für die 1980er Jahre beschriebene Zustand „einer einzigen Katastrophe“ hat sich enorm gewandelt. Wir können von einer wunderschönen Anlage mit überwiegend artgerechter Tierhaltung und vor allem vielen Freianlagen berichten, diesen Wandel hat der Zoo vorrangig zahlreichen Sponsoren zu verdanken. Wir haben dort einige wunderschöne Stunden verbracht und sind zu dem Schluss gekommen, dass sich der Warschauer Zoo durchaus einem Vergleich mit dem Berliner Tierpark messen kann und absolut sehenswert ist, wenn auch die unzähligen Imbissstände an beinahe jedem Gehege unangenehm auffielen.
Anschließend sind wir durch die dem Zoo gegenüberliegende Grünanlage zur Weichsel gelaufen und haben uns dort für eine Stunde einen Platz in der Sonne gesucht.
Nun galt es den Rückweg zum Hotel anzutreten, dieser führte uns über ein paar Irrwege am Stadion Dziesieciolecia (Stadion des Jahrzehnts) vorbei, welches seit 30 Jahren unbenutzt steht und heute bekannt für sein mehr oder weniger „gefährliches“ Markttreiben.
Nach einer gemütlichen Mahlzeit im Restaurant des Hotels haben wir uns gegen 22 Uhr auf den Weg zum Schauplatz der Feierlichkeiten (Pl. Pilsudskiego) gemacht.


Den nächsten Tag begannen wir mit einer Besichtigung der Kaufhäuser in der „Marszalkowska“ in unmittelbarer Nähe des Kulturpalastes, den wir anschließend besichtigten. Auf dem 234m hohen Turm des „Palac Kultury i Nasuki“ befindet sich in der 30. Etage der zweithöchste Aussichtspunkt Warschaus von welchem wir uns an einem Rundblick über die Stadt erfreuten.
Anschließend sind wir per Metro zum „Lazienki-Park“ Park gefahren und haben zunächst den an diesem Tag erstmals in diesem Jahr geöffneten Botanischen Garten besichtigt, die bunte Vielfalt der über 6000 verschiedenen Pflanzenarten bestaunt und uns ein sonniges Plätzchen zum Genießen und Postkartenschreiben gesucht. Die Parkanlagen nebst dem Schloss Belvedere und dem „Palais auf dem Wasser“ (Palac na wodzie) standen anschließend auf unsere Wunschliste.
Bevor wir ins Hotel zurückfuhren haben wir den „Ausflugstag“ mit einer etwas abenteuerlichen (Ziel zunächst unbekannt) Busfahrt zurück ins Zentrum und einem Rundgang durch die weniger „populäre“ Innenstadt abgeschlossen.


Blick von Praga gen Zentrum

 

Zeremonie des EU-Beitritts
(Michael)

Am Abend des 30. April trafen wir auf dem Pilsudski-Platz ein, die Einladung eines Herrn Kwasniewski in Händen. (Vermutlich weiß er bis heute nichts davon.) Entblößt von allen metallischen Gegenständen durchschritten wir die Detektoren und drängten uns an das Geländer. Am Horizont konnten wir eine Tribüne für die Honoratioren und einen rot-weiß gestreiften Fahnenmast erkennen, rechts von uns befanden sich weitere Tribünen, auf deren einer ich eine gewisse Anzahl von Bischöfen oder Kardinälen zu erkennen glaubte. Es handelte sich aber um einen Chor in Nationaltracht.
Die Zeremonie begann mit dem Einmarsch der Ehrenkompanie; an dieser flanierten dann ranghohe Politiker vorbei, um zur Tribüne zu gelangen. Es folgten die Nationalhymne und Ansprachen des Präsidenten der Republik sowie des Parlamentspräsidenten. Ausgerechnet Letzterer (ein Ex-Kommunist) pries in seiner Rede Freiheit und Demokratie, als habe er diese erfunden, was ein höhnisches Gelächter der Zuschauermenge nach sich zog. Da wir nichts verstanden, hielten wir das Pfeifkonzert für eine europafeindliche Demonstration.
Kurz nach Mitternacht erfolgte schließlich die Hissung des blau-gelben Sternenbanners zu den Klängen der auf polnisch gesungenen "Ode an die Freude". Es folgte ein kurzes aber bombastisches Feuerwerk.
Schließlich setzte sich Rafaela Blechaza an den Flügel auf einer der Tribünen und spielte Chopin, während auf einer Videoleinwand historische Filmaufnahmen Warschaus gezeigt wurden. Es war schwierig etwas zu erkennen, da direkt neben der Leinwand ein Scheinwerfer installiert war, der die Zuschauer blendete. Zu diesem Zeitpunkt löste sich die Versammlung allmählich auf. Die Prominenten verließen die Bühne. Ein General, der achtlos an der Ehrenkompanie vorbeigelatscht war, wurde von zwei Ordonanzen auf diesen Fauxpas aufmerksam gemacht, kehrte schwungvoll um und bedankte sich mit herzlichen Worten bei seinen Jungs, die dabei fast noch aufrechter standen als während des ganzen Abends.
Einige Damen aus unserer Gruppe standen vor mir am Geländer und schüttelten dem Präsidenten die Hand, während einer seiner Begleiter uns fröhlich etwas zurief, das wir nicht verstanden. Ein Bodyguard stand dabei und griff irritiert unter seine Jacke, was ihm aber nach einigen Sekunden peinlich war. Also nahm er die Hand wieder heraus.
Für uns gab es nichts mehr zu tun; so stürzten wir uns ins Warschauer Nachtleben. Am nächsten Morgen erwachten wir irgendwie in unserem Hotel.




Der Kulturpalast

Boah...

Monumentalkunst aus vergangenen Zeiten

Blick vom Kulturpalast...

... von der anderen Seite

die Löwen sind los

kreative Pause

Most Syreny

im Park

Marina, Elke, Jana

Poland meets Europe

der "Freude schöner Götterfunken"
 
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