Studentenprofile am Institut für Bibliothekswissenschaft

Stefan Katharina


Stefan Duhr und Katharina Koehn-Mahlke

befragt von Maxi Kindling

Vor einem Vierteljahrhundert im katholischen Krankenhaus „Maria Heimsuchung“ in Berlin Pankow: Zwei unserer Kommilitonen erblicken im Abstand von einem Jahr im gleichen Kreissaal das Licht der Welt. Viel mehr verband sie in den darauf folgenden Lebensjahren nicht, doch nun haben sie sich im Projektseminar Benutzungsforschung bei Herrn Havemann endlich kennen gelernt. Auf meine Frage, wie sie sich das erklären, antworten sie zugleich:„Wir haben uns früher nie gesehen.“ In keinem Kurs, seit 8 Semestern? „Nicht, dass wir wüssten.“
Und nun ist es an mir, euch den Weg, den Katharina und Stefan gegangen sind, und mögliche Verknüpfungspunkte aufzubereiten.

Offenheit…

ist eine Eigenschaft, die ich beiden uneingeschränkt zuschreiben muss, das Gespräch hat sich zunehmend selbst entwickelt und mir viel Spaß gemacht.

Aufgewachsen…

ist Katharina in Prenzlauer Berg, Stefan hat die frühe Kindheit in Pankow verbracht und ist später mit seinen Eltern nach Marzahn gezogen.

Studium…

Beworben haben sich beide zunächst an der Fachhochschule in Potsdam, Katharina hat dort ein Semester studiert.
Beide haben sich schließlich für ein zweites Hauptfach, in diesem Fall Geschichte, und die Humboldt-Universität entschieden. Katharina studiert im 8. und Stefan im 11. Semester.

Für Katharina funktioniert entspanntes Studieren durch motivierte Dozenten und entsprechenden Arbeitsaufwand ihrerseits, momentan könne sie den noch etwas erhöhen.

Für Stefan war das Studium bisher zum Teil etwas „planlos“, er hat mehr studiert als vorgeschrieben. Durch die Arbeit in der Fachschaftsinitiative, aus der er sich nach dem Streiksemester zurückgezogen hat, fand er einen guten Ausgleich zum Studienalltag. Im Moment investiert er mehr Zeit in die Arbeit als Tutor von Herrn Funk, als in sein Studium.


Partner…

Katharina ist seit dem vergangenen Sommer verheirat. Große Augen, Erstaunen und eine längere Gesprächspause auf Stefans Seite. Er selbst hat eine Freundin, die gleich in seiner Nähe wohnt, die beiden sind aber nicht verheiratet. Sein Kommentar: „Das trifft man aber nicht häufig an der Uni…, ich frage sie jetzt mal lieber nicht nach ihrem Alter“.

Überrascht stellt Stefan daraufhin fest, dass er mit seinen 25 Lenzen ein geschlagenes Jahr älter ist als Katharina und ihr Mann. Die beiden heirateten nach vier Jahren Beziehung und führen eine Wochenend-Ehe. Ihr Mann ist Zeitsoldat bei der Bundeswehr, daher können sie sich nur alle zwei Wochen sehen. Durch die Entfernung hat man viel Zeit für sich, mitunter aber große Sehnsucht – dann ist es sehr anstrengend auf das Wochenende warten zu müssen.

Katharina, würdest du Stefan empfehlen zu heiraten?
Katharina: Ja, schon wegen der Steuer...

Habt ihr schon Kinder?
Katharina: Ne, um Gottes willen.
Stefan: Ich hätte gern zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen.

Willst du Kinder?

Katharina: Nicht unbedingt. Höchstens eines.

Reisen…

Katharina: Ich reise nicht gern in warme Länder. Möglicherweise werde ich mit meinem Mann drei Jahre in den USA verbringen.

Stefan: Für mich interessant wären Polen, Israel, Griechenland, Rom und je nach den finanziellen Möglichkeiten würden mir da noch einige andere Reiseziele einfallen…

Abseits der Uni…

Katharina, was macht Stefan am Wochenende?
Katharina: (kurz Stille) Lesen.

Und abends?
Katharina: Er ist voll der Partyhengst.

Was macht ihr neben der Uni? So mit Mann, Freundin oder Freunden?
Katharina: Ich gehe alle paar Monate ins Kino, gehe gern mal essen, lese und mag Spaziergänge.
Stefan: Ich arbeite in der Woche als Tutor für Herrn Funk, samstags gehe ich zum Sabbat-Gottesdienst, in der Woche abends zum christlichen Hauskreis – Partys gar nicht.

Katharina arbeitet seit fast vier Jahren an den Wochenenden in einem Drogeriediscounter in einem Bahnhof, d.h. gearbeitet wird auch sonntags.

Im „klassischen“ Sinn ist Katharina eine ideale Frau: Kochen, Sticken, Backen sind alles Dinge, die ihr Spaß bereiten. Stefan kocht mitunter auch mal gern, Sticken liegt ihm eher nicht so, dafür probiert er auch schon gern mal „was Neues aus“.

Religion?

Katharina: Ich habe keine Religion.

Stefan: Ich bin Christ, aber aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Also konfessionslos. Im Moment bin ich noch auf der Suche, prüfe gerade und erwäge, mich dem Adventismus zu zuwenden. Meine Freundin ist Adventistin. Ich habe 1997 das erste Mal eine Kirche betreten, aufgewachsen bin ich atheistisch. 2000 habe ich mich taufen lassen und zweieinhalb Jahre später meine Freundin kennen gelernt. Erst dann habe erkannt, dass ich ein sündiger Mensch bin, der aus eigener Kraft vor Gott nicht bestehen kann. So wurde mir bewusst, dass ich das Opfer brauche, das Jesus Christus am Kreuz erbracht hat. Vor knapp drei Monaten bin ich aus der Kirche ausgetreten.

Katharina: Stefan, warum hast du nicht Theologie studiert?

Stefan: Ich habe theologische Lehrveranstaltungen besucht, wollte das aber nicht studieren, weil es mir zu theoretisch war und heute würde ich es nicht mehr studieren, weil es mir zu liberal ist, zu wenig bibelfundiert.

Katharina: Also bist du mehr konservativ?

Stefan: Ja.

 

Katharina, was liest Stefan gerade?
Katharina: Da er noch prüft welcher Religion er sich zuwendet, würde ich sagen christliche Erbauungsliteratur.

Stefan: Das stimmt. Ich lese kontinuierlich die Bibel und ansonsten christliche Literatur.

Und was liest Katharina?
Stefan: Liebesromane.

Katharina: Nein, gerade lese ich „Die Sanfte“ von Dostojewski.

Welche Musik hört Stefan?

Katharina: Entweder christliche Gesänge oder er ist auch ein Klassikfreund oder Heavy Metal, manchmal brauchen so sehr ruhige Typen diese Art von Musik als Ventil.

Stefan: Ich höre gern beruhigenden Jazz und Swing, Klezmer und christliche Lobpreismusik.

Und Katharina?
Stefan: Klassische Musik. Stimmt das?

Katharina: Die gängige Popmusik höre ich mir mal zum Putzen gern an, aber sonst höre ich klassische Musik, vor allem wenn ich am Schreibtisch sitze und arbeite.

Stefan: Es ist ungewöhnlich für mich, dass ich junge Menschen treffe, die klassische Musik hören.

Katharina: Wir treffen uns sogar fast auf derselben Frequenz: Klassikradio auf 101,3 neben Jazzradio auf 101,9.

Ein Lottogewinn…

Katharina, du knackst den Lotto-Jackpot, was machst du mit dem Geld?
Katharina: Anlegen und erstmal richtig doll einkaufen, alles was eine Frau so braucht. Dann ein Beauty-Wochenende mit meiner besten Freundin und Verreisen mit meinen Omis.

Und Stefan?

Stefan: Ich würde wahrscheinlich kein Lotto spielen und wenn, dann würde ich es sinnvoll anlegen, dass es nicht nur mir nutzt.

Pläne…

Raus aus Berlin wollen beide. Katharina möchte in anderthalb Jahren mit ihrem Studium fertig sein. Sie kann sich vorstellen in einer kleinen öffentlichen Bibliothek auf dem „platten“ Land ihre Karriere zu starten, „dort läuft alles etwas gemäßigter ab“.
Für die Zukunft hat sie keine weiteren Wünsche: „Ich bin momentan rundum zufrieden.“

Als junger Mensch hatte Stefan den Traum, Zugführer zu werden. In diesem Semester macht er nun seinen letzten Schein, danach will er ein dreimonatiges Praktikum in der Bibliothek der Theologischen Hochschule Friedensau absolvieren und plant anschließend seine Magisterarbeit über diese Bibliothek zu schreiben. Den Abschluss plant er für Ende 2005/Anfang 2006. Er kann sich vorstellen in einer Kirchenbibliothek zu arbeiten. Sein Vorsatz für das Jahr 2005 ist außerdem, das Alte Testament durchzulesen.

Stefans erstes Mal…

… im Via Nova, einem in Insiderkreisen bereits als „IB-Mensa“ bekannten Restaurant, war der Nachmittag mit Katharina, mir, Milchkaffee, Malztrunk und ein paar Fragen.

Stefan und Katharina
Stefan und Katharina im nahe liegenden Lokal

Ich danke euch beiden für diesen aufschlussreichen Nachmittag.

P.S.

Mehr über Stefan kann man übrigens auf seiner Homepage erfahren.

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