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zur Erlangung der Doktorwürde, vorgelegt dem Fachbereich Biologie
der Freien Universität Berlin, von Dipl. -Biol.
WALTHER UMSTÄTTER
geboren in Ploesti (Rumänien)
Damit war die Voraussetzung geschaffen, begrenzte Zellverbände aus ihrer räumlichen und korrelativen Hemung herauszunehmen und in Abhängigkeit exakt bestimmbarer Umweltfaktoren, ihre veränderten Potenzen, sowie die entsprechenden Umdifferenzierungen, genau in studieren.
Seit SACHS (1874) verstehen wir unter Differenzierung die von einem Meristen ausgehende Entwicklung in den strukturell und funktionell unterschiedlichen Dauergeweben. D geht nach JOST (1923) mit der Arbeitsteilung die physiologische Selbständigkeit der Zellen verloren, wodurch die Lebensfähigkeit nur im Verband des differenzierten Ganzen bestehen bleibt. Auf die damit verbundene "innere Verkettung und wechselseitige Beeinflussung in selbstregulatorischer Weise für das harmonische und zweckentsprechende Zusammenwirken der Organe der Pflanze und der Zellen eines Organes" hat PFEFFER (1904) hingewiesen. PFEFFER vertrat dabei die Ansicht, "daß also die Ontogenese, um mit DRIESCH zu reden, eine epigenetische Evolution vorstellt". In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß ZIMMERMANN (1953) das "Rosasche Differenzierungsgesetz" durch seinen Vergleich der verschiedenen Zell.typen, im Laufe der Phylogenese, präzisiert hat und dabei etwa 70 Zellsorten bei den höheren Pflanzen unterscheidet.
Die Frage, wie weit Differenzierungen reversibel sind, wurde von WEISS (1949) einer näheren Betrachtung unterzogen. Dabei sollten definitionsgemäß im Gegensatz zur Modulation,Differehzierungen permanent bestehen bleiben, also auch bei Verlust des initiierenden Faktors. Eine weitere Unterscheidung trifft HOLTZER (1968) bei biochemisch differenzierten Zellen. Neben der Produktion essentielles Moleküle, die in allen Zellen benötigt werden, sind sogenannte "luxury molecules" die Bausteine, welche die Differenzen der Zellen deutlich zeigen sollen. HOLTZER konnte 1973 an tierischem Material nachweisen, daß eine molekulare Information, die von der Mutterzelle nicht aufgenommen werden konnte, in der Tochterzelle zu entsprechenden Veränderungen führte. Er kommt zu dem Schluß, daß als Voraussetzung für die Differenzierung die Zell- bzw. Kernteilung anzusehen ist.
Diese Erscheinung ist auch bei niederen Pflanzen zu beobachten, bei denen durch differentielle Zellteilung Unterschiede, z.B. im Generationswechsel, entstehen. Bei höheren Pflanzen entscheidet dagegen meist das "Gesetz der Lage", die sogenannte modifikatorische Differenzierung. Es werden dabei nach MOHR (1971) zwei Phasen unterschieden: Die primäre Differenzierung, sie entspricht in etwa der Determinationsphase, und die sekundäre Differenzierung, sie entspricht in etwa der Aktivierungsphase.
Betrachtet man die, in der "Biogenetischen Grundregel" (HAECKEL 1866)
enthaltene Erkenntnis MÜLLER'S (1864), so spiegelt sich in ihr die
Tatsache wieder, daß in der Ontogenese wie in der Phylogenese jede
Phase der Entwicklung von der Einzelzelle bis zum erwachsenen Organismus
lebensfähig sein muß. Somit ist das System also stabil und steht
trotz veränderlicher Umwelt und epigenetischer Entwicklung, jederzeit
korrelativ unter Kontrolle. Die höhere Pflanze, ist ein sich
ständig in physiologischen Grenzen variierendes, und sich optimierendes
System, deren differenzierte Gewebe sich gut isolieren, kultivieren und
analysieren lassen.
Die gezielte Veränderung der Umwelt, im Rahmen der physiologisch möglichen Grenzen der Zellverbände, ist für die Klärung dieses Problemkreises eine wesentliche Voraussetzung.
Durch die Explantation von Geweben gewünschter Größe,
auf genau bestimmte synthetische Nährmedien, soll hier die Frage nach
der Abhängigkeit der Differenzierungs-und Wachstumsvorgänge untersucht
werden. Dies war auch das Ziel HABERLANDTIS, der bereits 1902 versucht
hatte, Aufschlüsse "über die Wechselbeziehungen und gegenseitigem
Beeinflussungen, denen die Zellen innerhalb des vielzelligen Organismus
ausgesetzt sind", zu gewinnen Die vorliegende Untersuchung ve rfolgt dieses
Ziel an dem Objekt Daucus carota L.
Zur Oberflächensterilisierung sind die geschälten Rüben
für 45 min in Kalziumhypochloridlösung, etwa 2%ig an Chlor (JAMES
1915), getaucht worden. Die Explantation erfolgte unter aseptischen Bedingungen
(GAUTHERET 1959), auf 10 ml 0,8%igen Schrägagar in Kulturröhrchen
mit Aluminiumfolie, bzw. in Anumbra Petrischalen (5 cm0) mit Parafilm verschlossen.
Bei Suspensionskulturen dienten Erlenmeyerkolben, mit 50 U/min geschüttelt,
als Behälter. Die Kulturen wurden in einer Phytokammer bei 28 1 loC,
80%iger relativer Feuchte und Dunkelheit gehalten und in 4-wöchigem
Rhythmus übertragen.
Als Medien kamen daevon WHITE (1954) und das von MURASHIGE und
SKOOG (1962) mit den "plant organics" nach WHITE zur Verwendung. Nähere
Angaben hierzu bei REINERT, BACKS und KROSING (1966). Neben 2% Saccharose
enthielten die Medien 5 . 10-8 g/ml 2,4-Dichlorphenoxiessigsäure (254-D);
bei Kultivierung von Monokotylen betrug der 2,4-D Gehalt das zwanzigfache.
Der pH Wert wurde mit Natronlauge auf 5,8 eingestellt. Durch 20 min Autoklavierung
bei 1 Atü konnten Infektionen im Medium ausgeschlossen werden.
Die Explantate, zumeist der Kambiumregion entnommen, ließen sich leicht mit einem Korkbohrer ausstechen und je nach Ausgangsgröße mit keimfreien Rasierklinge oder Skalpell zurechtschneideri. Dies gelang bis zu Geweben von weniger als zwanzig Zellen.
Kulturen, deren Frischgewicht bestimmt werden sollte, wurden rasch mit
aqua dest. von den anhaftenden Agar-Resten befreit, sofort mit "Kleenex"
abgetupft und auf einer Feinwaage auf Milligramm genau gewogen. Dabei wurden
auf einen gleichmäßigen und raschen Ablauf der Versuchsbedingungen
geachtet. Zur Trockengewichtsbestimmung wurden die Gewebe lyophilisiert.
Veränderungen der Zellgröße, die meist mit Formänderungen
einhergehen, sind quer zur optischen Achse des Mikroskops, mit Hilfe eines
Okularmikrometers, im Längs-, Quer- und Tangentialschnitt gemessen
worden. Ähnlich wurde bei der Bestimmung der Zellzahl verfahren. Hier
war es wichtig auf eine möglichst geringe Tiefenschärfe zu achten,
um nicht Zellen aus unterschiedlichen optischen Ebenen mit zu berücksichtigen.
Die Bestimmung der Mitosen erfolgte nach Behandlung der Kulturen mit
frisch angesetzter 0,01%iger Colchicin-Lösung. Dazu kamen die Kulturen
für 8h in ein entsprechendes Kulturmedium mit dem Metaphasegift. Anschließend
wurden dünne Handschnitte angelegt, die über Nacht in 3 Teilen
Carnoy und 1 Teil Orcein - Essigsäüre (Ig Orcein in 100 ml 50%iger
Essigsäure) lagen. Die Schnitte mußten anschließend in
1 ml reine Orcein - Essigsäurelösung überführt, und
3 x im Reagenzglas erhitzt werden. Auf einem Objekträger gespreitet,
sind Quetschpräparate angefertigt worden, die sofort zur Untersuchung
gelangten.
Bei den grenzplasmolytischen Bestimmungen kamen Handschnitte zur Anwendung, die für 15 min in die Saccharose-Konzentrationsreihe gelangten (20 0 C). Schnitte, deren Plasmolysegrad schwer zu erkennen war, erhielten einen Zusatz von Neutralrot im Verhältnis von 1 : 10.000 (STRUGGER 1949). Die Saccharc)selösungen wurden mit Leitungswasser angesetzt, wobei die Verschiebung des osmotischen Wertes berücksichtigt wurde.
Die Saugkraft ließ sich in Abwandlung der Methode von PRINGSHEIM
bestimmen; indem möglichst kleine Kuben aus dem Gewebe geschnitten,
kurz mit Leitungswasser abgespült, mit "Kleenex" abgetrocknet und
sofort gewogen wurden. Danach lagen sie 1 h in den entsprechenden, vorher
evakuierten Saccharase-Lösungen und wurden abermals abgetrocknet und
gewogen. Zur Bestimmung des Volumens der Interzellularen ließ sich
eine Vakuuminfiltration in äquimolalen Medium anschließen. Die
dabei aufgenommene Flüssigkeitsmenge entspricht dem vom Glas erfüllten
Raum des Gewebes.
Testansätze:
Alkoholdehydrogenase EC 1.4.1.3
Testansätze:
Testansätze:
Die Glucose-Bestimmung erfolgte nach der HexokinaseMethode (Boehringer Mannheim). Dazu wurde in aqua dest. extrahiert und anschließend abzentrifugiert.
Im Präzipitat enthaltene Stärke ließ sich mit Amylase (3 mg/100 ml Puffer bei pH 5,0) spalten und als Glucose nachweisen.
Durch Titration mit 2,6-Dichlorphenolindophenol (Tillmannsche Methode) konnte die Ascorbinsäure in ihreireduzierten Form nachgewiesen werden (FRANKE 1956).
Zur Fe+++- Bestimmung gelangte 1 ml Extrakt in eine Lösung von 1 ml N HCl und 1 ml 1 N KSCN. Anschließend wurde mit 3 ml ausgeäthert und im Beckmann Spektralphotometer-DK-2A bei 500 nm gemessen.
ß-Carotin Bestimmung: Das Gewebe wurde mit Seesand und Methanol im eisgek'U4hlten Mörser zerrieben und die gefilterte klare Methanollösung im Scheidetrichter mit Petroläther geschüttelt.

Bestimmung des Proteingehaltes in den Zellkernen (MAZIA, BREWER, ALFERT
1953).
Möglichst dünne Gefrierschnitte gelangten für 2 h in
eine Farblösung aus l% HgCl 2' 0,05% Bromphenolblau in 2%iger Essigsäure.
Anschließend wurde für 5 min mit 0,5%iger Essigsäure gespült
und unmittelbar in tertiäreni Butylalkohol entwickelt. Es wurde die
Zweiwellenlängen-Methode nach ORNSTEIN (1952) und PÄTAU (1952),
bei Wellenlängen 600 nm und 637 nm angewandt. (Korrekturtabelle von
MENDELSOHN 1958).
Fe++: Turnbullblau - Methode (MOLISCH 1923) 2%ige Lösung
von K4Fe(CN)6 in S%iger HCl.
Fe+++: Berlinerblau - Methode
Mitochondrien waren in Form und Größe im Phasenkontrast als solche zu erkennen und von den oben genannten Organellen gut abgrenzbar. Zusätzlich konnte bei ausreichender Sauerstoffversorgung mit 0,01%iger Janusgrün-Lösung vitalfluorochromiert werden.
Stärkekörner und Kristalle waren im Polarisationsmikroskop
von den anderen Gruppen klar unterscheidbar.
| mMol/10 ml Medium | MW | MS |
| Kationen: Ca++ | 12,200 | 30,000 |
| Co+ | ------ | 0,001 |
| Cu ++ | ------ | 0,001 |
| Fe++ | ------ | 1,000 |
| Fe+++ | 0,130 | ----- |
| K+ | 16,700 | 200,550 |
| Mg++ | 29,900 | 15,000 |
| Mn++ | 0,296 | 1,000 |
| Na+ | 29,270 | 2,000 |
| NH+ | ------ | 206,000 |
| Zn++ | 0,094 | 0,369 |
| Anionen BO3- - - | 0,24 | 1,00 |
| Cl - | 8,72 | 60,00 |
| J - | 0,05 | 0,05 |
| MoO4- - - - | ------ | 0,01 |
| NO3- | 32,33 | 394,00 |
| PO4- - - | 1,07 | 12,50 |
| SO4- - | 44,29 | 17,37 |
| "Plant organics" mg/10 ml Medium in MW
und MS gleich.
Glycin 30,0; Pyridoxin-HCl 1,0; Nicotinsäure 5,0; Thiamin-HCl
1,0
|
Geht man nun davon aus, daß das neu hinzugekommene Frischgewicht eine Funktion des schon vorhandenen Gewebes ist, so kann man vermuten, daß ein allometrischer Zusammenhang besteht. Nach HUXLEY (1936) läßt sich demzufolge schreiben:
Bei logarithmischer Auftragung muß sich somit eine Lineare ergeben, die sich über eine entsprechende logarithmische Koordinatentransformation als Regressionsgerade berechnen läßt. Das Steigmaß dieser Geraden entspricht dem Exponenten a. der Schnittpunkt mit der Ordinate legt die Konstante b fest.
Für die untersuchten Kulturen ergaben sich damit die Beziehungen:

Bei einem Vergleich der drei Regressionsgeraden wird ersichtlich, daß die Steigmaße vernachlässigbar geringe Unterschiede aufweisen, während die drei benutzten Medien sich auf den Faktor b auswirken (Abb. 3). Die Größe des Faktors a mit etwa 0,69 läßt eine Relation zur Oberfläche vermuten. Da nach BERTALANFFY (1951) die Oberflächenbeziehung
besteht, worin O = Oberfläche, und G = Volumen bedeutet. Im strengen Sinne müßte demnach der Faktor a bei 2/3=0,666 liegen. Es muß jedoch berücksichtigt werden, daß die Explantate ausgestochene Zylinder und im Grenzalle Scheiben darstellen. Der Faktor 0,69 ist daher näherungsweise als recht gut anzusehen. Die Bedeutung von b ist nicht so einfach zu erkennen, da diese Konstante mherere Einflüsse mit unterschiedlicher Wirkung eingehen. Hier kommen alle Umweltfaktoren, wie Hydratur, O2-, CO2- und Äthylengehalt des Gasraumes sowie die Zusammensetzung der Nährmedien in Frage. Ein wesentliches Merkmal der Wachstumsfunktion ist ihre Stetigkeit, die sich in dem Bereich von weniger als einem Milligramm bis hinauf zu hundertfünfzig Milligramm Frischgewicht der Explantate verfolgen ließ. Die hyperbolische Form der Abbildung 1 läßt sich auch durch die Gleichung


Wieweit eine Extrapolation der Regressionsgeraden erlaubt ist, zeigt
sich an sehr kleinen Geweben, die in Petrischalen explantiert, und die
mit einem Inversmikroskop beobachtet wurden. Hier waren würfelförmige
Stücke von 180 x 200 x 150 m (etwa 0,005
mg) technisch noch erreichbar, jedoch bei weitem nicht mehr wachstumsfähig.
Dabei wurde darauf geachtet, daß im Inneren des Explantates noch
Zellen mit Plasmaströmung vorhanden waren. Erst in der Größenordnung
von ungefähr 0,1 mg Frischgewicht ließ sich Streckurigswachstum
und Kallusbildung beobachten. In diesem Größenbereich war, wie
zu erwarten, eine hohe Ausfallquote zu verzeichnen.
Damit hat sich gezeigt, daß bei Zellverbänden der Rübe von Daucus carota L. erst eine Mindestgröße der Explantate von etwa 0,4 mm Kantenlänge zu einer kräftigen Kallusbildung führt, und daß damit die Möglichkeit der Explantation von Einzelzellen, aus dem fest gefügten Verband heraus wohl ausgeschlossen werden muß. Die Wachstumsgeschwindigkeit der Explantate läßt sich als allometrische Funktion der Oberfläche beschreiben.
Für die ausgemessenen Kambiumzellen der Rühe ergab sich im Querschnitt, in tangentialer Richtung, ein Mittelwert von 12 m, mit einem dreifachen mittleren Fehler von 1,3 m. Etwa bei 16 m teilen sich die meisten Zellen in zwei neue von 8 m. Es zeigte sich ein signifikanter Unterschied zwischen Zellen des Markstrahls (17,9 ± 3,5 m) und des Leitgewebes (9,5 ±1,2 m im t-Test für l % Überg,ingswahrscheinlichkeit.
Kambiumzellen strecken sich innerhalb von 11 Tagen (Dies gilt für Explantaite von ungefähr 80 mg) von 12,0 ±1,3 m auf 19,8 ± 2,8 m und weiteren 18 Tagen auf 29,4 ± 3,7 m, wobei die erwähnten Unterschiede verloren gehen. (Leitgewebe-Region 28,5 ± 6,8 m; Markstrahl-Region 31,0 ± 10,5 m). ln dieser Zeit können sich die Zellen nicht, bzw. nur innerhalb der bestimmten Abweichungen, geteilt haben, da die relative Größenzunahme der Zellen, mit der der gesamten Explantate, identisch ist.
In radialer Richtung zeigt sich im Leitstrang der Rübe, in der Mitte des Kambiums, ein Zelldurchmesser von 6,5 ± 1,2 m, der zu den Grenzen des Kambiums hin, auf 12,4 ± 2,4 m ansteigt. Die entsprechenden Werte für die Markstrahlen sind 11,4 ± 2,9 m und 27,2 ± 4,9 m. Nach 11 Tagen sind auch in radialer Richtung keine nachweisbaren Differenzen mehr zu erkennen. In der Leitgewebe-Region wurden zu dieser Zeit 28,9 ± 8,8 m und in der Markstrahl-Region 30,4 ± 9,3 m gemessen. Damit hatten die Zellen Form und Größe des benachbarten Parenchyms. Die Dicke des Kambiums in der Rübe lag etwa bei 140 m während das entsprechende Gewebe nach 11 Tagen etwa 370 m einnahm. Es muß betont werden, daß nur im Inneren größerer Explantate die Kambiumzellen reines Streckungswachstum ohne Teilung zeigen.
Kreisförmig ausgestochene Explantate, deren Durchmesser 5 mm betrug, wurden sowohl entlang des Kambiums, als auch senkrecht dazu vermessen und zeigten eine wachsende elliptische Verformung. Dabei kam es zu starken Gewebespannungen, die sich häufig durch aufreißen der Verbände in der Kambiumregion erkennen ließen. Auch die Schnittkanten wurden in der zweiten und dritten Woche rissig und gaben so den Weg für die Kallusbildung frei (Abb. 4).

Sobald nach einigen Tagen die Zellteilung verstärkt einsetzt,
werden viele der zunächst stark vergrößerten Zellen unterteilt
(Abb.5) und bilden so die Voraussetzung für die sehr kleinzelligen
meristematischen Proembryonen. Dies betrifft, bei Explantanten von cirka
100 mg, vorwiegend im Inneren liegende Zellen der jungen Bastregion. Hier
entstehende Zentren können nur zur Entwicklung kommen, wenn das Gewebe
an den entsprechenden Stellen aufreißt. Der Durchmesser dieser Zentren
beweist, daß sie nicht aus einer, sondern aus mehreren Zellen entstanden
sein müssen. Sie können sich sowohl zu Wurzeln, als auch zu Embryonen
entwickeln. Der Grund für die Entstehung dieser Zentren erhöhter
Teilungsaktivität liegt zweifellos in der Kumulation der Baustoffe.
Durch die bereits erwähnte Gewebespannung, die bei Explantaten dieser
Größe auftritt, scheint der junge Bast besonders prädestiniert
zu sein (Abb.8).

Mit zunehmendem Alter werden die Explantate immer lockerer, die
Zellen immer größer und stärker abgerundet, und die Festigkeit
des Gewebes immer geringer. Unterhalb der Schnittkante läßt
sich meist nach 3 - 4 Tagen eine kambiumartige, morphologisch dem Korkkambium
analoge, Region erkennen. Diese Zellen teilen sich nach der Streckungsphase
fast ausschließlich parallel zur Schnittkante und liegen meist 2
- 3 Zellschichten von den verletzten Zellen entfernt. Die abgestorbenen
Zellen der Oberfläche bilden zunächst eine optisch dichte Schicht
(wahrscheinlich durch die oxidative Wirkung des Luftsauerstoffs entstandene
Phlobaphene), die jedoch bald mechanisch aufgerissen wird. Aus den Zellen,
die direkt an der Oberfläche liegen, ohne selbst verletzt zu sein,
erwächst der Kallus durch Oberwucherung des toten Gewebes (Abb.7).

Das korkkambiumartige Meristem scheint an der Kallusbildung keinen
weiteren Anteil zu haben. Sofern es nicht rhexigen neu induziert wird,
bleibt es meist unveräendert.


Bei Explantaten von mehr als 50 mg fanden sich dann die Mitosen
häufig im jungen Bast und im Kallus, bei kleinereri Explantaten war-en
sie dagegen meist über das ganze Gewebe verteilt. In den untersuchten
Fällen zeigte sich eine leichte Synchronisation (Abb. 8 a-c), die
sich jedoch bald verlor.
Zur Kontrolle wurden auch die Zellzahlen bestimmt, um damit Rückschlüsse darauf ziehen zu können, wieviel Prozerit der Zellen sich in acht Stunden (den Mitosezählungen vergleichbar) in Teilung befinden.
Dabei geht man vorteilhafter weise vom Zinseszinzprinzip aus.

Die sich daraus ergebenden Werte zeigen eine annähernde Obereinstimmung
mit den gezählten Mitosen und erscheinen so recht zuverlässig.
Auf dem gleichen Wege läßt sich auch die Teilungsrate der ersten
10 Tage ermitteln.
| Nährmedium | Ausgangsgewicht | Teilungsrate/10 Taze |
| MS | 6 mg | 7,8 % |
| MS | 60 mg | 3,1 % |
| MS | 115 mg | 2,9 % |
| MW | 2 mg | 4,6 % |
Nach den bei Mitose-Zählungen gemachten Beobachtungen erscheint dies realistisch. Hier wird ebenfalls deutlich, welche Rolle die Oberfläche für die Entwicklung der Explantate spielt.
Es wurden 300 ml flüssiges Medium mit 300 mg Gewebe in Erlenmeyerkolben geschüttelt und in regelmäßigen Abständen untersucht. In fast allen Fällen zeigte sich in den Nährmedien ein leichter Anstieg während der ersten drei Tage und danach ein stetiger Abfall (Abb. 9). Berücksichtigt man eine Verdunstung, die sich durch stetigen Gewichtsverlust der Kulturröhrchen anzeigte, von 6% innerhalb der ersten 10 Tage und 9% innerhalb der ersten 25 Tage, so ergäbe sich, bei Abzug dieser Werte, ein minimal steilerer Abfall der Kurve. Dieser Konzentrationseffekt ist u.a. abhängig vom Abflammen der Röhrchen bei der Explantation und sollte möglichst durch gleiche Handhabung konstant gehalten werden.

Von der Größenordnung des anfänglichen Anstiegs
her, kann es sich hier nicht nur um eine Abgabe von Substanzen aus der
Kultur handeln, (sog. leaching) Fordern wahrscheinlich auch um eine teilweise
Spaltung der Saccharose durch Invertase einerseits, und die bereits erwähnte
Verdunstung andererseits. Darauf weisen auch die Ergebisse bei der Kultivierung
in reiner Saccharoselösung hin.
Der osmotische Wert von Karotten Preßsäften ist jahreszeitlich unterschiedlich. In den hier untersuchten Fällen lagen Rüben der var. Rote Riesen mit 423±13 m0 und var. Lobbericher Futterrüben mit 400 :k 17 m0 vor. Diese Werte sind auf einen Liter Extrakt bezogen. Infolge der Explantation tritt innerhalb von zwei Wochen eine Adaptionsphase ein, in der die Kulturen je nach Medium einen erheblichen Teil ihrer osmotischen Saugkraft verlieren (Abb. 10).

Bezieht man jedoch die osmotischen Werte auf die wachsende Kultur,
so zeigt sich, daß die Verluste in den ersten 10 Tagen lediglich
durch die Frischgewichtszunahme bedingt und damit auf eine Wasseraufnahme
zurückzuführen sind. Danach erhöht sich der absolute osmotische
Wert der Kultur stetig (Abb. 11). Wir finden also auch hier zwei unterschiedliche
Phasen des Kulturwachstums.




Zum Vergleich der erhaltenen Werte ist die Saugkraft der Explantate
bestimmt worden (Abb. 13).

Als Maß wurde die Aufnahme von Wasser aus verschiedenen molalen
Lösungen benutzt. Die dazu notwendige Kraft wirkt der Gewebespannung
entgegen und dehnt bei Lösungen unter 400 mO bzw. 300 mO die Wände
elastisch in allen drei Richtungen des Raumes aus. Nach dem "Hookeschen
Gesetz"

Während das Kambium und das Holz eine etwa gleiche Saugkraft
besaßen, lag der Bast etwas niedriger. Der sigmoide Kurvenverlauf
(Abb. 13) bei hohen Milliosmoi Werten läßt sich durch die zunehmende
Plasmolyse in isotonischen Lösungen erklären. In Abb. 12 waren
aus entsprechendem Grunde Probits verwendet worden.
Auf den Zellwänden der Explantate liegt bei normalem Turgor ein Druck von etwa 2 - 5 Atü. bevor sie auf das Medium gelangen. Dies ergiebt sich aus der osmolalen Differenz zwischen völlig entspannten Zellwänden, und solchen unter normaler Spannung. (Abb. 13). Die Saugkraft beträgt dagegen ungefähr 7 - 10 Atü. Bereits wenige Minuten nach der Explantation steigt das Frischgewicht bei Kulturen auf MW um etwa 5% an, wobei der osmotische Wert entsprechend um ca.20 mO absinkt.

Ähnlich liegen die Verhältnisse für MS
- Kulturen. Die unterschiedliche Wasseraufnahme zwischen Bast einerseits
und den restlichen Geweben andererseits fährt zu einer passiven Dehnung
des jungen Bastes.

Durch Vakuuminfiltration wurde für die Interzellularen der
frisch ausgestochenen Explantate ein durchschnittliches Volumen von etwa
0,82 % ermittelt. Die Messungen wurden in einer Saccharoselsg. von 300
mO durchgeführt, da hier der Interzellularenraum nur unwesentlich
verändert wurde. So bestimmte Interzellularen sind gleichbedeutend
mit dem, für den Luftsauerstoff von außen erreichbaren Raum
der Explantate.

Bei der Kultivierung auf MS erreichen die Explantate
dabei etwa das Dreifache ihres Ausgangswertes (Abb. 15 a und b). Bei Kulturen
auf MW verhält es sich ähnlich (Abb. 16 a und b),
jedoch mit einer zeitlichen Verzögerung.
Die benutzten Explaritate hatten eine Ausgangsgröße von 150 mg Frischgewicht und wurden direkt auf ihrem jeweiligen Nährmedium im Warburg - Apparat gemessen. Sie wurden möglichst in sterilem Zustand in die Warburg Tröge gebracht, um ohne Infektionsgefahr mehrere Stunden die Messungen fortsetzen zu können. Da es sehr wahrscheinlich ist, daß der Gasraum in den Kulturröhrchen auf Grund seiner Hydratur und seiner Gaszusammensetzung nicht nur auf das Wachstum, sondern auch auf die Atmung Einfluß nimmt, sollten durch möglichst lange Inkubationszeiten hier ähnliche Verhältnisse geschaffen werden. Zur Untersuchung auf Bakterienund Pilzbefall blieben die Kulturen noch einen weiteren Tag verschlossen stehen.

Zum besseren Vergleich der Kulturen wurde der O2- Verbrauch
und die CO2 - Entwicklung für jeweils ein Explantat berechnet
(Abb. 17a und b). Dabei wird deutlich, daß die Frischgewichtszunahme
das Kurvenbild wesentlich mitbestimmt. Das Verhältnis von O2
zu CO2 verschiebt sich gleich zu Beginn der Kultivierung hin
zur verstärkten Abgabe von Kohlendioxid.
Zur Deckung des Sauerstoffbedarfes am zehnten Tag sind demnach etwa 11 ml Luft/24 h notwendig. Dies erfordert eine Diffusion der Gase zwischen Kulturröhrcheninhalt und Umgebung.



Während frisch ausgestochene Explantate noch einen RQ von 0,9
aufweisen, liegt der RQ nach zwei Tagen bereits bei über 1. Hier dürfte
in erster Linie die alkoholische Gärung der Grund sein.
Wie sich aus dem Gauß'schen Fehlerfortpflanzungsgesetz für den dreifachen mittleren Fehler ermitteln läßt, sind erst nach einer Woche die RQ-Werte signifikant höher als vor der Kultivierung.
Die Fehler für eine Übergangswahrscheinlichkeit von a = l % sind in Abb. 18 eingezeichnet.
Nach BURTON (1950) ist D für O2 in Luft

Bei 0,82 % Interzellularenanteil der Gewebe ist entsprechend:

Setzt man für Ae die an Explantaten gemessenen Werte ein und errechnet für den Sauerstoffpartialdruck der Luft 0,21, so läßt sich die Versorgung des Gewebes mit O2 an den verschiedenen Orten ermitteln.
Da nach KÜSTER (1955) bei einem O2 -Anteil von weniger als 5% die Atmung in Karottengeweben abfällt, sollte Ap mit 0,16 eingesetzt werden.
Für 250 ml O2/g.h ist

r = 2,3 [cm]
Es muß berücksichtigt werden, daß der Anteil an lnterzellularen im Kambium erheblich geringer ist (etwa 0,4%) und die Sauerstoffversorgung demzufolge örtlich abfällt. Trotzdem kann bei den Explantaten unter den gegebenen Bedingungen noch kein Sauerstoffmangel vorliegen. Nur die Beobachtung, einer im Querschnitt erscheinenden optisch dichteren Schicht auf der Oberfläche, weist darauf hin, daß hier eine Sauerstoffbarriere existiert, die je nach Hydratur im Gasraum unterschiedlich stark ausgebildet sein kann. Auch die mit der Sauerstoffelektrode gemessenen Werte von BESEMER (Diplomarbeit) die an Rüben von Daucus carota vorgenommen wurde, zeigen ebenfalls, daß Stücke mit 1,4 cm Durchmesser noch genügend 02 zur Atmung enthalten (BESEMER und KÜSTER 1965). Mit ansteigendem RQ war eine erhöhte Aktivität der Alkoholdehydrogenase und der Lactatdehydrogenase zu erwarten.

Dies gilt sowohl für MS-Kulturen, als auch für
MW-Kulturen (Abb. 19). Die zu erwartende Aktivitätssteigerung
der ADH im Kambium, im Zusammenhang mit einer erhöhten Gärung,
konnte jedoch hier nicht bestätigt werden. Vielmehr scheint bei der
Kultivierung das gesamte Gewebe die Fähigkeit zur Gärung zu besitzen
(Abb. 20).

Im Vergleich dazu erhält man für die Lactatdehydrogenase
(LDH) EC 1.1.1.27

und die Glutamatdehydrogenase (GDH) EC 1.4.1.2

Im Laufe der Kultivierung verschieben sich jedoch diese Enzymaktivitätsverteilungen
so, daß nur noch an Stellen mit starkem Kalluswachstum die Aktivitäten
besonders deutlich sind. Im KaMbium selbst konnte kein signifikant erhöhter
Umsatz an Pyruvat, beziehungsweise Äthanol beobachtet werden. Wichtig
ist, daß bereits ohne Substrat, die sog. "Nothing-Dehydrogenase",
die nach ARNOLD (1968) vermutlich auf das Vorliegen von reduziertem NAD+
sowie NADP+ zurückzuführen ist, insbesondere an den
Schnittkanten starke Reaktionen zeigt.

Daß die MS-Kulturen dabei einen stärkeren
Aktivitätsanstieg zeigen, ist verständlich, da hier auch die
Proteinsynthese höher liegt, als bei den MW-Kulturen.

Die Lokalisation des Enzyms ließ sich sowohl in den Wänden
von parenchymatischen Zellen (Abb. 24) als auch in denen von Tracheen und
Tracheiden (Abb. 25) nachweisen.

Darüberhinaus sind eine Gruppe von Partikeln unterschiedlicher
Größe deutlich anfärbbar (Abb. 26).

Da insbesondere die Mittellamellen bestimmter Zellen Peroxidaseaktivität
zeigen, dürfte dies eine Rolle beim interzellulären Austausch
von reduzierten bzw. oxidierten Substanzen spielen. Die in den Organellen
enthaltenen Peroxidasen schienen in den größeren Partikeln nicht
homogen verteilt zu sein. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um einen
Wachstumsprozess der Organellen, in denen durch Ablagerung der katalysierten
Produkte sog. "residual bodies" mit Restaktivitäten entstanden. Die
Ergebnisse durch Artefaktbildungen zu erklären scheint auf Grund der
gemachten Beobachtungen als unwahrscheinlich, da sich der gebildete Farbkomplex
nach einer abgeschlossenen Reaktionszeit auch kaum weiter verbreitet.
Die Cytochromoxidasen waren in den Zellen der Rübe vorwiegend im Bast aktiv (Abb.27). Hier sind die Mitochondrien zahlreich vertreten und zum Teil deutlich gefärbt. Besonders starke Färbungen sind in den Sieb- und Geleitzellen zu finden, die dem Kambium benachbart sind. Das Kambium ist trotz vieler Mitochondrien weniger auffällig beim Nachweis auf Cytochromoxidase. Während der Kultur verlieren sich diese Unterscheidungsmerkmale der Gewebe.
Siebzellen haben bei der Explantation ihre ursprüngliche Funktion eingebüßt. Inre Neubildung, und die damit verbundenen Nachweisreaktionen sind erst bei neu eintretender Morphogenese zu beobachten.

Als Substrat für die Phenoloxidasen wurde sowohl Dihydroxyphenylalanin
(DOPA-Oxidase) als auch Brerizcatechin erprobt. Dabei zeigte sieh die DOPA-Oxidase
weder in der Rübe noch im Kallus aktiv. Dagegen konnte bei den Kulturen
ein erheblicher Anstieg an umgesetztem Brenzcatechin, in Polyphenole beobachtet
werden. Die Rüben zeigten nur sehr geringe Aktivität an Brenzcatechin
oxidierender Phenolase. Nach zwei Tagen ließ sich in den Explantaten
ein deutlicher Anstieg nachweisen, der nach etwa sechs Tagen zu einer maximalen
Reaktion führte. Obwohl die Ergebnisse nicht streng quantitativ sind,
zeigt sich doch auch hier deutlich, daß MS-Kulturen um
etwa 60% aktiver sind als MW-Kulturen.


Die Lysosomenfraktionen enthielten neben der "sauren Phosphatase"
(EC 3.1.3.2) auch Ribonuclease (EC 3.1.4.22), die zu den Phosphodiesterasen
gehört. Darüberhinaus waren im Sediment der 500 x g - Fraktion
Aktivitäten der "sauren Phosphatase" auffindbar, die um das vierfache
höher lagen, als die der 30.000 x g- Fraktion. Hier handelte
es sich nach mikroskopischen Untersuchungen vorwiegen um Bruchstücke
der Zellwand. Zur Bestimmung der Lokalisation des Enzyms wurde in dünnen
Schnitten d er würfelförmigen Explantate eine Aktivitätsbestimmung
vorgenommen. Wie Abb. 29 zeigt tritt die Kambiumregion durch eine erhöhte
Aktivität hervor. Das Profil verliert während der ersten 5 Tage
der Kultur weitgehend seine Charakteristik. Daß in den Leitelementen
eine höhere Aktivität zu finden ist, als in den Markstrahlen,
wird in Abb. 30 verdeutlicht.

Sowohl in der Verteilung der "sauren Phosphatase", als auch bei
der der Stärke, zeigt sich vom Kambium nach außen hin eine periodische
Schwankung, die sich wahrscheinlich während der Entwicklung der Rübe
ausgebildet hat. Die Bedeutung der "sauren Phosphatasell für die Wand
wird einerseits deutlich bei der Anlage der Tracheen und Tracheiden (Abb.
31) und anderseits bei der Bildung, beziehungsweise der Funktion von Plasmodesmen
(Abb. 32 und 33.)



Die hydrolitische Reaktion des Enzyms spielt eine erhebliche Rolle
in den Protoplasten der sich entwickelnden Tracheen, in denen während
und nach Ausbildung der Wandinkrusten die Degradation abläuft (Abb.
34.)

Daneben kann des Öfteren auch in Kernen parenchymatischer,
sowie kallöser Zellen, eine starke Spaltung der esterarti-
gen Phosphatbindungen bei pH 5 nachgewiesen werden (Abb. 35.)

Im allgemeinen durfte es sich hier um Auflösungserscheinungen
hand - eln, wie sie auch bei Tracheen und Drüsenzellen zu beobachten
sind. Eine gesteigerte Phosphatabspaltung läßt sich auch
in Sieb- und Geleitzellen erkennen. Die im wandständigen Plasma befindlichen
Organellen sind deutlich erkennbar (Abb. 36). Interessanterweise
ist die geringere Aktivität in den Markstrahlen auch schon im Kambium
erkennbar (Abb. 32 und 34). Daß die "saure Phosphatase" auch beim
Streckungswachstum der Zellwände eine wichtige Funktion hat, ließ
sich an Kalluszellen deutlich zeigen. Das Enzym akkumuliert im äußeren
Teil des Plasmas, an den Stellen intensiven Wandwachstums. Daß die
Wand selbst an diesen Stellen frei von aktivem Enzym ist, ließ sich
durch vorherige Plasmolyse nachweisen. Dabei kann die Aktivität entweder
über einen begrenzten Raum verteilt sein, oder eine größere
Fläche der Zellwand markieren, bei der auch Strfckungswachstum zu
beobachten ist. (Abb 36).
Im ersten Fall bilden die Kalluszellen nur kleine spitze Auswüchse (Abb. 37).


Der Umsatz an gebundenen und freien Phosphaten für die Zellwand
ließ sich verdeutlichen durch den Nachweis, daß auch ATPase
in bzw. an den Wänden nachweisbar ist (Abb. 38).

Wie sensibel die kompartimentierte "saure Phosphatase" auf äußere
Einwirkungen, beispielweise mechanischen Druck, reagiert, zeigt ein Versuch
an Epidermis von Cucurbita pepo L. (Abb. 39).

Weniger der Druck selbst, als vielmehr die Stauchung der tonnenförmig
gewölbten Telloberfläche, scheint dabei die Wirkung in der Zellwand
hervorzurufen, da die Auflagefläche der Präriernadel selbst ohne
entsprechenden histocheiüischen Nachweis blieb. Damit zeigt sich eine
hohe Empfindlichkeit der Zellwände für Zug-, Druck-, bzw.
Knickbeanspruchung. Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch die benutzten
Gewebe von Daucus carota L. in dieser Weise reagieren. Die Epidermiszellen
von Cucurbita pepo zeichneten sich jedoch dadurch aus, daß sie vorher
ohne jede mechanische Belastung von außen zur Untersuchung gelangten.
Der Nachweis mit Fluoresceindiacetat zeigte ebenfalls Zellen im Verband, mit verschwindend geringer Aktivität, d.h. Zellen ohne Fluoreszenz. Durch die starke Strahlenbelastung mit dem erregenden Blaulicht werden die Kompartimente bald zerstört, so daß sich nach wenigen Sekunden das gebildete Fluoreszein über das gesamte Plasma der Zelle verteilt.Dabei können sich auch die Zellen ohne Aktivität mit Fluoreszein anfärben und so zur Artefaktbildung führen.
Abb. 41| Abb. 40. Esteraseaktivität in parenchymatischen Zellen einer 28 Tage alten MW-Kultur. Die Aktivität ist auf sphärosomenartige Partikel beschränkt, die jedoch nicht in allen Zellen zu finden ist. | Abb. 41. "Sphärosomen" mit inhomogen verteilter Esteraseaktivität. Zellen aus einer 4 Wochen alten MW-Kultur. |
Die Stärke ist zunächst deutlich in den Leitstrangregionen akkumuliert. Während das Kambium fast stärkefrei ist, findet sich im jungen Bast der größte Teil dieses Reservestoffs, der mit wachsendem Abstand vom Kambium nach außen an Menge verliert.

Dies zeigten serienmäßige Dünnschnitte, in denen
die Stärke extrahiert und quantitativ nachgewiesen wurde (Abb. 44).
Zum Vergleich illustriert dies auch Abb. 43.


Bereits nach 5 Tagen ist der größte Teil dieser Stärke
abgebaut, als Zucker in der Nähe der Schnittkanten transportiert und
dort wieder zu Stärke polymerisiert worden (Abb. 45).

Bei Rüben mit sehr viel Stärke ist die Translokation undeutlicher
und damit nur schwer zu beobachten. Bei solchen, mit sehr wenig Stärke
und meist höherem Zuckergehalt, wird oft auch der letzte Rest an Stärke
im jungen Bast degradiert. Dieser Verlauf ist für MW- und
MS-Kulturen grundsätzlich gleich, wenn auch MS-Kulturen
in ihrer Entwicklung zeitlich meist vorauseilen.
Wie Abb. 46 zeigt wird die Stärke nicht unmittelbar an der Schnittkante aufgebaut, sondern einige Zellschichten darunter. Unmittelbar über dieser stärkeführenden Schicht befinden sich normalerweise teilungsaktive Zellen, von der Funktion eines Korkkambiums. Die Menge an Stärke verändert sich im Laufe der Kultivierung.


In den meisten Fällen zeigt sich nach der Explantation eine
geringe Abnahme des Stärkegehalts (Abb. 47).


Bei Rüben mit sehr wenig Stärke kann jedoch auch eine
zeitweilige Zuhnahme beobachtet werden. Zum Vergleich mit Abb. 47 sind
auch Kulturen eines Stammes in der Entwicklung näher untersucht worden
(Abb. 50). In diesem Falle kam es zu einer starken Abnahme des Stärkegehaltes,
die bei den MSKulturen ausgeprägter war als bei den MW-Kulturen.
Betrachtet man den absoluten Gehalt an Stärke in den Explantaten,
so geht dieser Unterschied verloren (Abb. 51).

Außerdem zeigt sich, daß der Gehalt an Stärke pro
Explantat in der ersten Woche konstant bleibt und erst nach dieser Adaptionsphase
gleichmäßig mit dem Frischgewicht zunimmt.
Bei der Translokation der Stärke entsteht zwischenzeitlich Zucker. Ein Teil dieses Zuckers liegt als Glucose vor (Abb. 50) und spielt neben einer osmotischen Wirksamkeit eine wesentliche Rolle bei der Atmung und der damit verbundenen Energieversorgung in Form von ATP. Auch hier zeigt sich ein Gipfel in der ersten Kultivierungswoche, der Anpassungsphase. Im vorliegenden Beispiel lag bei Mw-Kulturen am 10. Tag die Glucosekonzentration höher als bei MS-Kulturen.
Bereits am Geschmack der Kulturen läßt sich erkennen, daß die meisten MS-Kulturen ihren Zuckergehalt schneller verlieren als die MS-Kulturen.
Mittelwerte von:
Diese Werte liegen um etwa das Dreifache höher, als die aus
der Rübe erhaltenen. (Abb. 52)

Die zumindest angenäherte Form einer Poisson-Verteilung, dürfte
in erster Linie messtechnische Gründe haben und nur z.T. auf die reale
Verteilung der Proteinmengen in den Kernen zurückzuführert sein.
Damit deutet sich auch an, daß möglicherweise Unterschiede zwischen
Kambium, Holz und Bast mit einer präziseren Methode hätten deutlich
gemacht werden können. Trotzdem läßt sich auch mit der
hier benutzten Zytophotometrie deutlich erkennen, daß erhebliche
Mengen an Material zu den Schnittkanten und zu den Kalluszellen transportiert
wird. Daß der Anteil an Histonen in diesen Kernen hoch ist,
zeigten histochemische Untersuchungen, in denen die "Fast Green" Reaktion
bei basischem pH in der Nähe der Schnittebene und im Kallus deutliche
Färbungen zeigten (Abb. 53).


Eine mögliche Abhängigkeit zwischen dem Proteingehalt
und der Kerngröße war zu überprüfen. Daher wurden
die Durchmesser der sphärischen Kerne ausgemessen.

Zu stark zerklüftete Zellkerne mußten notgedrungen bei
dieser Untersuchung vernachläßigt werden, da wiederholte Messungen
and diesen Kernen zu große Fehler ergaben. Dies dürfte aber
keinen entscheidenen Einfluß auf die Ergebnisse haben, da ihr Anteil
nur sehr gering war. Betrachtet man die erhaltenen Verteilungen (Abb. 54),
so fällt auf, daß sie nicht wie bei Abb. 51 und 52 der Poisson-Verteilung
zuzuordnen sind. Der Grund hierfür liegt im wesentlichen darin , daß
einerseits die Durchmesser gemessen wurden, während bei den Proteinbestimmungen
anderseits die Volumina der Kerne entscheidend sind. Damit werden die Abszissen
relativ zueinander verschoben. Unter der Annahme, daß die Kerne in
erster Nährung sphärisch sind, lassen sich Rückschlüsse
auf die Proteinkonzentrationen ziehen.

Im t-Test läßt sich zeigen, daß die Kerne der Holz-Region
a
= l % signifikant größer sind als die der beiden anderen Regionen.
Dies bedeutet, daß die Kerne im Holzteil etwa das 1,5 fache Volumen
der kambialen Zellkerne haben. Um den gleichen Betrag niedriger liegt damit
die Proteinkonzentration. Für die Kalluszellen der Explantate (Abb.
57) wurde ein Mittelwert von

Dabei ergaben sich durch zu starke Streuung der Werte, Schwierigkeiten
bei der Zuordnung der 2C und 4C Kerne. Nach DANILINA, LUSS und BUTENKO
(1965) sollen saure Proteine die Feulgenreaktion stören. Um dies zu
untersuchen wurden die Kerne mit Papain behandelt, um so die Proteine abzubauen.
Nach einer Behandlung von 30 Min. konnte jedoch noch keine Intensivierung
der Nachweisreaktion beobachtet werden. Die Zellen zeigten weiterhin nur
kleine schlecht meßbare Kerne (Abb. 57). Bei einstündiger Einwirkung
von Papain zerfielen die Kerne in kleine tröpfchenförmige Untereinheiten
und machten so den DNS-Nachweis unmöglich.

Ein erheblicher Vorteil war die Benutzung der fluorometrischen Nachweisreaktion
von RUCH (1966). Wie Abb. 58 zeigt, ließen sich hier deutlich 2C-
und 4C-Kerne unterscheiden. Für die Kerne des Kambiums läßt
sich im Kolmogorof-Smirnow-Test für die Signifikanzzahl a
=
l % eine Normalverteilung nachweisen. Damit kann angenommen werden,

daß die Kambiumzellen von 2-3 Monate gelagerten Rüben
sich vorwiegend in der G1-Phase bzw. G2 -Phase
befinden, und daß es sich hier beim ersten Peak um 2C-Kerne handelt.
Da die Schiefe im vorliegenden Fall g1
= 0,1 beträgt, kann der Anteil an Kernen, die sich in der S-Phase
befinden, nur sehr gering sein. Vergleicht man dazu die Verteilungen im
Bast- und Holz-Parenchym (Abb. 59 und 60), so sind, trotzt zum Teil unterschiedlicher
Kerngrößen, keine nennenswerten Unterschiede in der DNS-Verteilung
zu sehen.


Bereits an den ersten 2 Tagen steigt der Anteil an 4C-Kernen im
Kambium von 19 % auf 32 % (Abb. 61). Im Bast- und Holzparenchym steigt
der Wert sogar von 8 % bzw. 18 % auf 71 % an (Abb.62).
Abb. 61. Kambium einer 2 Tage alten MS-Kultur.
|
Abb. 62. Holz- und Bastparenchym einer 2 Tage alten MS-Kultur.
|
Abb. 63. DNS-Verteilung im Kambium der 3 Tage alten MS-Kultur. (n = 74) x2=12,14 ± 0,68 Schiefe der 2C-Kernverteilung g1 = 0,41. 94,6 % sind 2C-Kerne. |
Abb. 64. DNS-Verteilung im Holz- und Bastparenchym (n = 100) x2 = 10,76 ±1,59 x4 = 19,49 ± 0,89 Schiefe der 4C-Kernverteilung g1 = 0.04. 17,0 % sind 2C-Kerne, 83,0 % sind 4C-Kerne. |
Es ist wichtig in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, daß die Untersuchungen zwangsläufig an inhomogenem Material gemacht werden mußten und somit nur Stichproben aus mehreren möglichen Entwicklungen zeigen. Trotzdem läßt sich deutlich erkennen, daß die Synthesephase im allgemeinen etwa 2 - 4 Tage dauert.

Diese erste Entwicklungsperiode durfte vorwiegend durch die Explantation
hervorgerufen werden, und weniger vom Medium abhängig sein, da sie
sich auf den Nährmedien Mw und Ms weitgehend gleicht (Abb. 65 und
Abb. 66). Sowohl bei den MW-, als auch bei den MS-Kulturen
liegt der 4C-Anteil bei ungefähr 70%. Die damit verbundene Synchronisation
geht hauptsächlich auf die Reizreaktion der Isolierung zurück.



Untersucht man nach 14 Tagen das Kambium im Inneren des Explantates,
so zeigt sich, daß hier die 2C-Kerne weitgehend stabil geblieben
sind (Abb.67 und 68).

Ein Teil von ihnen durfte sogar durch Degradation geringere DNSWerte
aufweisen, da die Verteilung bis in die "IC-Region" hineinreicht und in
dieser Zeit auch schon Kerne mit hoher Aktivität an "saurer Phosphatase"
beobachtet wurden. Das Holzparenchym zeigt einerseits diese Degradation
ebenfalls, während in anderen Zellen dieses Gewebes starke Tendenzen
zur Polyploidisierung zu beobachten sind (Abb. 69). Bis zu 8C-Kernen reichte
die Variationsbreite der Ms-Kulturen, bei denen auch Zellen aus der Nähe
der Schnittkanten berücksichtigt wurden.
Ein noch deutlicheres Bild der Polyploidisierung ergab sich für den Kallus der 14 Tage alten Explantate (Abb.70), hier wurden sogar zu 1,3 % 16C-Kerne gefunden und eine Schiefe von g1 = 1,002 für die 2C-Kerne.

Bei den gesamten hier benutzten Explantaten von etwa 100 mg Ausgangsgewicht
war noch nach 10 Wochen Kultivierung das der Rübe entnommene Gewebe
zu erkennen. In diesen inneren Zellen, die oft leicht bräunlich sind,
ist ein erheblicher Anteil an Kernen, die unterhalb der 2C-Zuordnung liegen
(Abb. 71). Teilungen wurden hier

Abb. 72. Verteilung der Kern-DNS in "Zentren" von 10 Wochen alten MW-Kulturen. (n = 93). x2 = 9,68 ± 0,37; 95,7 % sind 2C-Kerne.
Abb. 73. Verteilung der Kern-DNS in Embryonen aus 10 Wochen alten MS-Kulturen. (n = 120). x2 = 10,00 ± 0,46; 95,8 % sind 2C-Kerne.
fast nie beobachtet. Sogenannte "Zentren", die bei den MW-Kulturen
die Voraussetzung zur Wurzelbildung darstellen, zeigten einheitlichen 2C-Charakter
(Abb. 72). Das gleiche gilt für die Embryonen bzw. Proembryonen der
MS-Kulturen (Abb. 73). Die Polyploidisierung spielte hier keine
Rolle. Der berechnete Exzeß der Verteilung von g2
= 4,22 ist erstaunlich hoch und zwingt zu der Annahme, daß
die Zellen zum untersuchten Zeitpunkt in der G1- Phase akkumuliert gewesen
sein müssen. Möglicherweise befanden sie sich gerade in
einer Kultivierungsphase, die eine weitere Entwicklung behindert,e. Hierbei
kann sowohl der Einfluß von 2,4-D als auch die Übertragung auf
frische Nährmedien eine Rolle spielen. Um zu prüfen, ob zwischen
der Polyploidisierung und der Embryogenese ein sichtbarer Zusammenhang
besteht, wurden auch Zellen untersucht, die bereits seit längerem
ihre Embryogenese eingestellt hatten. In der benutzten Suspensionskultur
waren 13 % der Kerne bereits in einem 32C-Stadium (Abb. 74). Auffällig
war auch der Anteil von etwa 4,5 % zweikerniger Zellen. Nur ungefähr
9 % der Kerne lagen im 2C-Bereich.


Über diese, bei der Zellteilung anscheinend wichtige Rolle
hinaus, sind die Fe+++-Ionen in den entstehenden Tracheen und
Tracheiden nachweisbar. Sie sind in den jungen Gefäßen akkumuliert
und damit auch ein Zeichen für die Differenzierungsvorgänge bei
der Embryogenese. Abb. 76 zeigt in einem'quergeschnittenen Embryo einen
Kranz von Tracheen mit deutlicher Anreicherurig von Eisen-3-Ionen. Bevor
es noch zur Wandverstärkung kommt, sind in den entstehenden Tracheen
häufig Eisen-2-Ionen nachweisbar. Da jedoch das entstehende Turnbull's-Blau
leicht abdiffundierte, war die Erscheinung, daß meist die Zellwände
gefärbt waren, nicht ausreichend für eine genaue Lokalisation.
Im Laufe der Tracheenentwicklung scheinen die Fe++-Ionen früher
oder später zu Fe+++-Ionen oxydiert zu werden.

Abb. 77. Eisen-2-Nachweis in einer jungen Trachee. Das noch vorhandene
Plasma zeigt deutlich die Turnbull's Blau Reaktion.
Durch die 5%ige Salzsäure, in der sich die Schnitte bei der Färbung
befinden, werden die Konturen der Zellen zerstört.
Doch können auch noch die jungen Tracheen mit bereits ausgebildeter
Wandverstärkung noch Eisen-2-Ionen enthalten (Abb. 77). Verfolgt man
den Verbrauch, der in den Medien enthaltenen Eisenionen, so zeigt sich
zunächst, daß das gesamte Eisen2-Sulfat in den MS-Medien
während der Autoklavierung zu Fe+++ oxydiert wird. Die
somit enthaltene Menge von etwa 1 mM Fe+++
/ 10 ml Medium kann anscheinend nur zu 25 % von den Kulturen in 20 Tagen
genutzt werden (Abb. 78). Im Vergleich hierzu ist jedoch das Angebot an
Eisen-3-Ionen in den MW-Medien mit 0,065 mM
/ 10 ml Medium annähernd vernachlässigbar gering. Bereits
das Schneiden mit dem Skalpell bringt die Explantate mit vergleichbaren
Mengen an Eisen-3-Ionen durch Abrieb in Berührung.



Die Rüben der Sorte "Rote Riesen" enthielten im Durchschnitt 8,24 mg Rohkarotin/100 g Frischgewicht.
| Tage
% Abnahme an Rohkarotin
|
0
0
|
MS
5 206
|
MW
11 243
|
MS
16 524
|
MW
21 561
|
MS
30 773
|
c2 = 0,727 (nicht signifikant)
Das bedeutet, daß die Konzentration an Karotinoiden mit dem Zuwachs an Frischgewicht abnimmt.

Dies steht im Einklang mit den Befunden in Abb. 83, daß die
Explantatextrakte im Verlauf der Kultur, je nach dem Medium auf dem sie
wachsen, mehr oder weniger an Pufferkapazität einbüßen,
da mit der Ionenaufnahme einerseits eine erhebliche Wasseraufnahme einhergeht,
und andererseits die Ionen zum Teil in osmotisch- und pH- unwirksam Makromoleküle
eingebaut werden. Da das MS-Medium 60 mM Stickstoff in
Form von Nitrat und Ammonium enthält, haben diese Ionen neben ihrer
Rolle im Proteinstoffwechsel auch eine große Bedeutung für den
pH-Wert. Von Explantaten mit 115 mg Ausgangsgewicht werden etwa 2,0 ng
N in 4 Wochen dem Medium entzogen. Das sind 37 % des gesamten Stickstoffangebotes.
Bei MW-Medien, mit 3,2 mM Stickstoffgehalt, liegt die entsprechende
Ausbeute bei 71 % in 4 Wochen. Wie die Abb. 84 zeigt, werden aus dem Medium
bei Belegung mit einem beziehungsweise 2 Explantaten a 60 mg etwa 21 %
bzw. 39 % des NH4+-Stickstoffs in vier Wochen aufgenommen.
Bei den MS-Kulturen ist die Aufnahme von Stickstoff aus Ammonium
und Nitrat etwa gleich groß. Damit ist eine erhebliche pH-Verschiebung
nicht zu erwarten.



Bei MW-Kulturen, bei denen das Angebot an Stickstoff
auf 0,45 mg pro Röhrchen beschränkt ist, kann nur Nitrat aufgenommen
werden.

Abb. 85c. 17 Tage alte MS-Kultur wie in Abb. 76a. Neben einer regen Zellteilung im ursprünglichen Gewebe zeigt sich nun auch eine ausgeprägte Kallusbildung.
Wie sich durch wiederholtes Ausmessen der Zellen und der gesamten
Explantate berechnen ließ ist im Inneren größerer Explantate
das Kambium nur in der Lage Streckungswachstum durchzufüheren (Abb.
86). Die Zellen verlieren dabei ihre Polarität und runden sich ab,
was zu einer starken Erhöhung des Interzellularraumes führt.

Damit wird der Gasaustausch erheblich erleichtert. Besonders
deutlich wird dies bei den Markstrahlzellen. Die kambialen Zellen
gehen häufig in Tracheiden über, insbesondere kurz unterhalb
der Schnittkante (Abb. 87).

Bei Explantaten mit über 100 mg Frischgewicht kann man die
Neigung zur Tracheidenbildung gut studieren. Hier zeigt sich, daß
insbesondere die Kambiumzellen, die zum Phloem hin abgeteilt werden, besonders
günstige Determinationsvoraussetzungen bieten (Abb. 88).
![]() |
a. Zellen etwa 300 m unterhalb der Schnittkante. Rechts im Bild eine angeschnittene Tracheide, die aus einer Kambiumzelle entstand. b. Zellen etwa 600 m unterhalb. der Schnittkant. c. Zellen etwa 1 mm unterhalb der Schnittkante. d. Zelign etwa 1,5 mm unterhalb der Schnittkante. Hier beginnt die Entwicklung der "lysosomenartigen Partikel". |
Auch die Zentren hoher Teilungsaktivität enthalten bei der Wurzelbildung großlumige Zellen, mit einer erhöhten Zahl an Sphärosomen, die zur Bileung eines zentralen Leitbündels fuhren (Abb. 90).

Explantate, mit über 100 mg Ausgangsgewicht, zeigten auf MS-Medium
neben der Fähigkeit Embryonen zu bilden, auch die Genese von Wurzeln.
Wie aus Abb. 91 ersichtlich ist, können aus solchen Wurzeln auch neue
Proembryonen entstehen. Wurzeln und Embryonen unterscheiden sich unteranderem
histologisch in der Anlage der Leitbündeln und damit wesentlich durch
die Differenzierung der Tracheen.

Alle untersuchten Embryonen zeigten verwachsene Keimblätter,
wie sie auch bei 2,4-D-behandelteh Samen typisch sind. In der Regel ist
der Sproßpol trichterförmig ausgebildet (Abb. 92). Bei der Entwicklung
der Embryoenen

wurden im Gegensatz zur Wurzelbildung zunächst scharf begrenzte
kugelförmige Komplexe teilungsaktiver Zentren beobachtet, die bei
Erreichung des herzförmigen Stadiums am Wurzelpol einen Zentralzylinder
und am Sproßpol eine ringförmige Anlage von Leitsträngen
differenzierten.
Explantate von 150 mg Frischgewicht, in 250 ml fassenden Erlenmeyerkolben mit 50 ml Medium, enthielten noch nach 9 Monaten, ohne Übertragung im Dunkelraum bei 28° C gehalten, etwa 18 % lebende Kalluszelleh mit Plasmaströmung. Die Explantate waren nur die ersten 4 Wochen geschüttelt worden. In diesen Erlenmeyerkolben mit MS-Medium gab es Zellen mit hoher Aktivität an "saurer Phosphatase" und solche, die fast völlig aufgelöst waren. Daneben differenzierten sich noch Zellen in Tracheiden um.
Erster Hinweis dafür sind die charakteristischen Plasmaströmungsmuster, die bereits den Verlauf der späteren Wandverdickungen erkennen lassen.
Reine Suspensionskulturen blieben dagegen bei weitem nicht so lange
ohne Obertragung am Leben, da diese Zellen alle in einem sehr ähnlichen
Zustand sind, und sich z.T. sogar synchron entwickeln. Hier ist die Möglichkeit,
daß sich ein Teil der Zellen am Leben erhält, während ein
anderer Teil abstirbt, unwahrscheinlich - die Zellen sterben etwa zur gleichen
Zeit.
HABERLANDT (1925) vertrat die Ansicht, daß die Zelle als Elementarorgan durch Wechselbeziehungen spezialisiert ist, eine Auffassung, die auch schon VÖCHTING (1868) in ähnlicher Weise zum Ausdruck brachte. VÖCHTING gelangte auf Grund seiner Versuche mit Zweigen von Salix viminalis, Wurzelstücken von Populus pyramidalis und Blattsegmenten von Begonia rex zu dem Schluß: "daß keine vegetative Zelle am Pflanzenkörper eine spezifische und unveränderliche Energie besitzt, sondern daß ihre Funktion bestimmt wird durch das physiologische Individiuum, von dem sie einen Teil bildet. - Und zwar ist es in erster Linie der Ort an der Lebenseinheit, welcher die Funktion der Zelle bestimmt". Dies gilt insbesondere füt, so stabile Systeme wie den Seitensproß zweiter Ordnung bei Araucaria excelsa, der die sog. Topophysis (MOLISCH 1916) zeigt. Interessant ist, daß bei diesen, auch als Steckling plagiotrop wachsenden Seitensprossen, die adventiv gebildeten Wurzeln, wieder die Fähigkeit zum positiv geotropen Wachstum besitzen. Während also die Zellen an sich ihre Totipotenz behalten haben, zeigen sie im Verband eine stabile Determination.
Dieser kurze Rückblick macht deutlich, daß zumindest im pflanzenphysiologischen Bereich seit langem Anhaltspunkte dafür existieren, daß Differenzierung zum einen, an die Arbeitsteilung der Gewebe geknöpft ist, zum anderen an die jeweilige Situation in der sich die Zellen befinden. Von einer permanenten Differenzierung im Sinne von WEISS (1949) kann also nur in extremen Fällen gesprochen werden, wie z.B. bei der Entstehung von Holzfasern und Tracheen, die beispielsweise in einem "programmierten Zelltod" ein Stadium der irreversiblen Differenzierung erreichen. Nach TOPONI (1961) und PAUPARDIN (1964) ist aber diese Entwicklung noch im Stadium der charakteristischen Wandbildung umkehrbar. Nach GAUTHERET (1966) soll jedoch von den lignifizierten Zellen nur das parenchymatische Stadium erreichbar sein. Von den parenchymatischen-, sekretorischen- und Geleitzellen soll jedoch auch das meristematische Stadium erreicht werden können. Demnach müßte eine Trachee allerdings über das parenchymatische, bis zum kambialen Stadium hin dedifferenzierbar sein. Dies stimmt mit eigenen Beobachtungen insoweit überein, als das Zytoplasma und der Zellkern in den Tracheen und Tracheiden erst degradiert werden, nachdem die Akkrustierung abgeschlossen ist. PHILLIPS und TORREY (1974) fanden in Tracheen einen DNS Gehalt, der ihrer Meinung nach "undifferenzierten" Zellen glich. Bis zu diesem Stadium nur von Modifikation zu sprechen, scheint insofern nicht gerechtfertigt , als hier eindeutig eine Spezialisierung vorliegt. Damit kann aber die Stabilität auch kein ausreichendes Kriterium für die Differenzierung sein. Anderseits ist die molekularbiologische Vorstellung von NEUMANN, SCHÄFER und BLASCHKE (1975), unter Differenzierung einen Vorgang zu verstehen, "durch den Zellen identischen genetischen Informationsgehaltes, mit unterschiedlichen Proteinarten und damit Enzymen ausgestattet werden", nicht nur für differenzierte sondern auch für modifizierte Zellen zutreffend.
Folgt man dagegen der Definition, daß Differenzierung immer an Arbeitsteilung gebunden sein muß, so entsteht die grundsätzliche Frage welche Zellen in einem Organismus spezielle Aufgaben übernehmen. Selbstverständlich kann in der Epigenese eine Zelle auch unterschiedliche Spezialisierungen durchlaufen, die aber immer von den zufälligen Modifikationen unterschieden werden müssen. Die epigenetische Entwicklung zeigt sich deutlich am Beispiel der Tracheenentstehung, bei der neben der Funktion als Festigungselement nach SHELDRAKE und NORTHCOTE (1968) auch die Entstehung von Phytohormonen für den Organismus eine Rolle spielt, und die nach dieser Phase für den Wasserhaushalt unentbehrlich werden. Aus dieser Betrachtungsweise heraus ist es einsichtig, daß in der Epigenese bestimmte Stufen durchlaufen werden müssen, die wir auch als Determinationsphasen bezeichnen können.
Bei der Dedifferenzierung ist entscheidend ob es sich einerseits um irreversibel oder reversibel-differenzierte Zellen handelt und anderseits, ob die Zellen eine modifikatorische Differenzierung oder eine differentielle Zellteilung im Sinne HOLTZER'S hinter sich haben. Der Terminus "modifikatorische Differenzierung" ist insofern ungünstig, da Zellen gleicher Funktion, wie z.B. Speicherparenchyme, aber unterschiedlicher Situation, d.h. mit schwankendem Stärkegehalt, als Zellen unterschiedlicher Modifikation, nicht aber als Zellen unterschiedlicher Differenzierung angesprochen werden müssen. Es wäre daher treffender von einer topophysischen Differenzierung zu sprechen. Dieser Begriff soll auf die "Ortsnatur" (MOLISCH 1916) der Zellen hindeuten.
Ein wesentliches Element der Differenzierung ist die Selbstregulation (ROUX 1881 und PFEFFER 1894) der Organismen. Sie muß das System, sofern es stabil ist, an äußere Einflüsse mit einer ausreichend hohen Geschwindigkeit anpassen. Solche Einflüsse extremer Art sind beispielsweise die Transplantationen von Zellverbänden. Ihnen folgen, bis zur e-Funktion hin gedämpfte Schwingungserscheinungen in der physiologischen Rückkoppelung der Systeme. Dies zeigte sich beim Gasaustausch, bei den osmotischen Verhältnissen und bei den enzymätischen Aktivitäten. Entsprechende Anpassungsvorgänge finden sich beim Stärkegehalt und bei der Ascorbinsäurekonzentration, die sich durch unterschiedliche Dämpfung, d.h. durch mehr oder minder straffe Rückkopplung auszeichnen. Es ist naheliegend, daß ungedämpfte Schwingungen nicht zu erwarten sind, da sie zur Eskalation und somit zum Absterben der Gewebe führen würden. Die Dauer der Dämpfung ist allgemein annähernd eine Woche, danach geht das System in einen adaptierten, inetwa linearen Zustand über, solange keine neuen abrupten Veränderungen auftreten. Dies spricht für ein feedback innerhalb der Gewebe, dessen Übertragungsgeschwindigkeit, wahrscheinlich bei einigen bis mehreren Stunden liegt.
Hier deutet sich ein weiteres Problem bei der Differenzierung an: Die Differenzierungen innerhalb einer Zelle und die innerhalb eines Organismus sind klar zu unterscheiden. Sowohl die Diffusionsstrecken als auch die Zeiten für die Informationsübertragung sind im interzellulären System völlig andere als im intrazellulären. Trotzdem wiederholt sich das Prinzip der Arbeitsteilung und damit das der Differenzierung in Organe bzw. Organellen.
Eine der wichtigsten selbstregulatorischen Erscheinungen ist das korrelative Wachstum der Gewebe, das sich formal in der allometrischen Beziehung deutlich macht. Verändert man die Situation eines Zellverbandes durch Explantation abrupt, so zeigt sich im Anstieg des Frischgewichtes eine Volumenzunahme der Zellen, die von der Größe (CAPLIN 1963) bzw. von der Oberfläche der Explantate abhängig ist. Die Gewebe können durch ihren hypertonischen Zustand sofort Wasser aufnehmen und gehen direkt Über die elastische und plastische Dehnung in den Wachstumszustand über. Dies gilt jedoch nur für Medien, die 2,4-D enthalten. Eine lag-Phase kann hier nicht beobachtet werden, und legt den Vergleich mit den Versuchen von NISSL und ZENK (1969) nahe.
Bei dem, durch die Oberfläche limitierten Wachstum, wird das "mechanische Prinzip" HABERLANDTIS deutlich, daß bei der Morphogenese der Gewebe eine Rolle spielen soll. Das Wachstum wird dabei weniger durch die Aufnahme von Nährlösung, als vielmehr durch die begrenzte Oberflächeriausdehnung bestimmt. Solange keine rhexigenen Erscheinungen auftreten, kommt es im inneren der Explantate zu einer erheblichen Beeinflussung der Druckverhältnisse. Daß diese Druck- und Zugbeanspruchungen zu bestimmten Differenzierungen führen können, ist seit langem bekannt (HELGER 1891 und SCHWENDENER 1894) und wiederholt bestätigt worden (BROWN und SAX 1962 sowie SWAMY und SIVARAMAKRISHNA 1975). Ihre Wechselbeziehungen im Zellverband sind jedoch sehr kompliziert und nur in sehr groben Umrissen erkennbar; z.B. dort wo die Gewebe auseinanderreißen. Daß die Zellwände sich nach solchen Belastungen ausrichten, hat in neuerer Zeit LINTILHAC (1974) durch Spannungsdoppelbrechung in einem Modell gezeigt. Dies bedeutet bei der Explantation, daß einige Zellen unter völlig neue Spannungsverhältnisse geraten und somit Translokationen von Wasser und löslichen Substanzen durch das Plasmalemma, den Tonoplasten und die Plasmodesmen erzwungen werden. Weiterhin wird die Druckund Substanzverschiebung durch das hypotonische Nährmedium beeinflußt, das von den Zellen osmotisch aufgenommen wird und zu einer linearen Dehnung der Zellwände führt. Der unterschiedliche Dehnungskoeffizient von Leptom und Hadrom erklärt das zu beobachtende Aufreißen mancher Explantate in der Kambiumregion. Damit ergeben sich für die junge Bastregion und das Kambium die stärksten Spannungen. In dieser Region treten häufig teilungsaktive Zentren auf. Solche Zentren entstehen aus mehreren Zellen, wachsen allerdings nur dann zu Wurzeln bzw. Embryonen aus, wenn sie nahe genug der Oberfläche liegen (MC WILLIAM, SMITH, STREET 1974). Auch im sog. "Contact Pressure Modelllt von ADLER (1974) das bei der Erklärung der Phyllotaxis eine wichtige Rolle spielt und auf Vorstellungen von SCHIMPER und SCHWENDENER zurückgeht, zeigt sich deutlich die Bedeutung der Spannungsverhältnisse für die Differenzierung (WARDLAW 1966, DOLEY und LEYTON 1970).
Daß das Wachstum durch den Gasaustausch von O2 und CO2 limitiert wird, ist unwahrscheinlich, da sich hier keine direkte Korreiation zum Frischgewichtszuwachs erkennen läßt. Sie zeigen vielmehr, daß die Zellen in den Geweben, trotz der Verletzung und des direkten Kontaktes zur Außenluft, einen Anstieg des RQ-Wertes weit über 1 erreichen, und das damit auch die alkoholischeund die Milchsäuregärung an Bedeutung gewinnt. Insbesondere die Kambiumzellen enthalten ein höheres Maß an LDH-Aktivität.
Zwei Faktoren begrenzen in den Explantcqten hauptsächlich den Gasaustausch: einerseits die angeschnittene und damit absterbende Zelllage, die eine abdichtende Schicht bildet und andererseits die Größe der Interzellularen, deren fundamentale Rolle durch die Gleichung S.24 deutlich wird. Wir können also feststellen, daß der Gasaustausch dem Wachstumsmodus folgt, ihn aber nicht ursächlich bestimmt.
Nach JAMES und RITCHIE (1955) vermag die Möhre Glukose quantitativ in Äthanol umzusetzen und nach MARSH und GODDARD (1939) kann der RQ, der bei 5 % O2-Partialdruck einen Wert von 0,8 hat, bei nur 2 % einen Wert von 1,2 - 1,9 erreichen. übereinstimmend mit den Ergebnissen von KOMAMINE und SHIMIZU (1975) zeigt sich, daß die Zellen von Daucus car,ota L. nach der Explantation einen starken Anstieg des O2-Verbrauchs zeigen. Dies führt zwangsläufig zu einer Verarmung der Zellen an Sauerstoff und damit zur Förderung des von KÜSTER (1925) als hyperhydi,isch bezeichneten Zustandes, wie er durch die Arioxieversuche von SCHILLING (1915) erzeugt wurde.
Zusammenfassend läßt sich also feststellen, daß das
Medium, und damit auch der Gasraum, in den Kulturröhrchen festlegt,
mit welcher Geschwindigkeit die Oberfläche der Explantate wachsen;
aber immer ist es die Oberfläche die die Wachstumsgeschwindigkeit
limitiert. In der allometrischen Gleichung bedeutet dies, daß Unterschiede
der Kulturmedien Einfluß nehmen auf die Konstante b, während
der Exponent a. von Streuungen abgesehen unabhängig bleibt. Die in
lockeren Kalluskulturen bzw. Suspensionskulturen zu beobachtende
logarithmische Wachstumsphase folgt möglicherweise auch, dem durch
Teilung potentiellen Anstieg der Oberfläche, nicht dem des Volumens.
Durch die unregelmäßige Form dieser Oberflächen ist es
aber schwierig hier genauere Angaben zu machen.
Diese Beobachtung steht auch im Einklang mit der embryogenetischen
Wirkung des gelösten Sauerstoffs, wie sie von KESSELL und CARR (1972)
und KESSELL und GOODWIN (1974) festgestellt worden ist, bei der eine kritische
Sauerstoffkonzentration mit bestimmend ist, für die Zellgröße.
In den hier untersuchten Explantaten zeigte sich, daß die absolute Zahl der Zellteilungen bei Zellverbänden von 115 mg um etwa das Neunfache höher liegt, als bei solchen von 6 mg (Im Zeitraum der ersten 10 Tage). Dagegen ist die relative Teilungshäufigkeit bei solchen von 6 mg 2,7 mal so hoch, als die von 115 mg Ausgangsgewicht. Die maximale Mitosehäufigkeit am 5. bzw. 9. Tag der Kultivirung ist ein Zeichen für eine partielle Synchronisation der Zellen durch die plötzliche Explantation. Sie spricht für den auslösenden Effekt der Transplantation und ihrer ruckartigen Verschiebung aus dem vorherigen physiologisehen Gleichgewicht.
Die Zusammensetzung des Mediums entscheidet darüber, ob Wurzeln oder Embryonen gebildet werden, während die Wachstumsrate die Häufigkeitsverteilung bestimmt mit der diese Strukturen auftreten. Man vergleiche hierzu die Ergebnisse von REINERT, BACKS-HÜSEMANN und ZERBAN (1970). Nachdem eine Kultur keine Embryonen mehr bildet, kann eine erneute Änderung der Umweltbedingungen, z.B. durch Entzug von 2,4-D als neuer Auslöser wirksam sein (MEYER-TEUTER und REINERT 1973). Eine ähnliche Überlegung hat MEINS (1975) auf Grund der Versuche von REINERT, BACKS-HÜSEMANN und ZERBAN (1970) angestellt, bei der er nachweist, daß der Anteil Embryonenbildender Kulturen den Verlauf einer Poisson Verteilung beschreibt. Die dabei aufgestellte Hypothese, daß die Kulturen mit Embryonenbildenden Zellen, diese im Laufe der Zeit verlieren, scheint jedoch wenig whrscheinlich. Vielmehr scheint die Fähigkeit der Kulturen durch die Adaptation an das Medium nach einem auslösenden Reiz bei der Explantation und dem nachfolgenden Einpendeln auf ein neues Gleichgewicht, einer Poisson-Verteilung folgend verloren zu gehen. Zumal die Anzahl embryogener Zellen beim Zerteilen einer Kultur, durch deren relative Oberflächenvergrößerung ansteigen und keinesfalls abnehmen dürfte (MC WILLIAMS, SMITH und STREET 1972).
Eine der wesentlichsten Änderungen bei der Explantation durfte neben der Verletzung und der Hydraturverschiebung der Kontakt der Zellen mit dem hypotonischen Medium sein. Die zumeist oberhalb von 400 mO liegenden Zellverbände (MOTT und STEWARD 1972), nehmen zunächst osmotisch Wasser auf, das zu einer Konzentrationsabnahme in den Geweben führt, während die darin gelösten Substanzen einen Anstieg des absoluten osmotischen Wertes in der Kultur verursachen. Deutliche osmotische Unterschiede für Holz- und Bastparenchym bzw. Kambium konnten nicht festgestellt werden. Sicherlich kommt es aber zu einem Gradienten zwischen den Medium-nahen und den Medium-fernen Zellen. Demnach ist zu Beginn der Explantation eine erhebliche Druckerhöhung in den Zellen und damit eine Dehnung der Zellwände zu beobachten, die zu den bereits erwähnten Gewebespannungen führt. Wahrscheinlich greifen dabei auch erhebliche Kräfte am Protoplasma und den Plasmodesmen an. Die im Medium gelösten Zucker und Salze, die in den "free space" passiv eingespült werden, haben eine vergleichsweise niedrige Konzentration. Dar,über hinaus muß bei einer Differenzierung von Geweben auch ein Transport von Substanzen zu bestimmten Zentren, sog. "sinks", angenommen werden, die nicht nur über die Leitbahnen erfolgen können, da diese bei der Explantation funktionslos wurden. Hierfür bieten sich in erster Linie die Plasmodesmen an. Sie wurden bereits von TANGL (1885) entdeckt und als "Communicationen" erkannt. Ihr Durchmesser kann zwischen 0,03 und 0,3 )i schwanken (ROBARDS 1975). BURGESS (1972) zeigte an Hand von elektronenmikroskopischen Aufnahmen, daß bei der Periklinalchimäre Cytisus adamii plasmodesmenartige Verbindungen zwischen den Zellen bestehen, die nicht durch Teilung aus einer Mutterzelle entstanden sind. Auch in jedem normalen dreidimensionalen Gewebe, wie es bei allen höheren Pflanzen vorliegt, ist es unmöglich, alle Plasmodesmen als Entstehungen bei der Zellteilung zu erklären. Es muß folglich die Möglichkeit bestehen, daß Plasmodesmen noch nachträglich dort angelegt werden, wo sie für den Symplasten unentbehrlich sind. Um solche Erscheinungen dürfte es sich handeln, bei den Übergängen von punktueller Aktivität "saurer Phosphatase" an der Zellwandoberfläche, bis hin zum Durchbruch der, Zellwand. Die Lokalisation der "sauren Phosphatase" als, hydrolytisches Enzym in der Zeilwand wurde bereits von HALPERIN (1969) bechrieben. Von HALL (1969) wurde in den intakten Plasmodesmen Adenosintriphosphatase nachgewiesen und einem aktiven Transport zugeschrieben.
Daß durch die Plasmodesmen auch größere Substanzdurchtritte möglich sind, zeigte nicht nur MIEHE (1901) spektakulär für ganze Zellkerne, sondern auch ESAU, CRONSHAW und HOEFERT (1967) für Viren. In diesem Zusammenhang ist es interessant, daß bei der Explantation die bestehenden Symplastenstrukturen z.T. funktionslos werden und neue Plasmodesmen entstehen müssen, um den veränderten Aufgaben entsprechen zu können.
Wieweit ein möglicher Transport von Zytoplasma durch die Druckunterschiede zwischen Zellen die in direktem Kontakt mit dem Medium stehen und solchen, die am weitesten entfernt sind, auftreten kann ist schwer zu sagen. Aus Plasmolyseversuchen ist bekannt, daß die Viskosität in erster Linie von den An- bzw. Kationen abhängig ist. Damit kann nicht angenommen werden, daß die Plasmodesmen jederzeit passierbar sind (SCHUMACHER 1967), vielmehr scheinen sie eine entscheidende Rolle in der Regulation des interzellulären Transportes zu spielen. Welche der Substanzen durch die Plasmodesmen, und welche durch den "free space" der Zellwände transportiert werden ist ebenso schwer zu entscheiden. Beobachtbar ist jedoch, daß trotz der vernachlässigbar geringen Transpiration der Gewebeoberfläche dort z.B. Stärke, Proteine, DNS oder Eisenionen akkumuliert werden können.
Am Beispiel der Stärke zeigt sich ein vorüber,gehender Auflösurigsprozess, der sich im Anstieg der Zuckerkonzentration widerspiegelt. Die degradierte Stärke wird unter Mitwirkung von Phosphatasen (HUBER 1956) in Saccharose als Transportform umgewandelt, um so zu den neuen Stärke akkumulierenden Zentren zu gelangen.
Neben diesen Zentren verlieren die meisten Zellen während der Kultur
sowohl an osmotischer Saugkraft als auch ah Pufferkapazität. Ihr ursprünglicher
Zustand gleicht sich damit weitgehend dem Medium an, wodurch der notwendige
aktive Transport und damit der Energieverbr,auch reduziert wird. Wie gering
die benötigte Energie der, Explantate ist, zeigten Erlenmeyerkolben
mit 50 ml Medium, (1g Saccharose) die neun Monate im Dunkelraum bei 28°
C standen, und deren Explantate noch lebende Kalluszellen abgeteilt hatten.
Daneben war an einigen Zellen deutlich zu erkennen, daß sie fast
vollständig degradiert worden sind.
An der Degradation sind insbesondere die "sauren Phosphatasen" beteiligt,
die nach MATILE (1968) hauptsächlich in den Lysosomen lokalisiert
sind. Diese Lysosomenartige Partikel (CAHAN und MAPLE 1965), die auch bei
der Entwicklung von Tracheen eine Rolle spielen, scheinen sich bei Pflanzen
in die seit längerem bekannten Perner'schen Sphärosomen (SEMADENI
1966; HOLCOMB, HILDEBRANDT und EVERT 1967; MATILE und SPICHIGER 1968) und
in Vakuolen (MATILE 1968 und MATILE 1969) umwandeln zu können. Damit
sind die Vakuolen und die Sphärosomen zwei verschiedene Formen von
"residual bodies", die aus den Lysosomen entstehen. Nach PARISH (1976)
sind ihre sauren Hydrolasen an die Membrane gebunden. Für die oben
genannte Vorstellung spricht auch der Nachweis der Esterasen, die in den
anschwellenden Sphärosomen auftreten. Bei starkem Photonenbeschuß
(UV-reiches Licht) können diese Kompartimente leicht zerstört
werden und eine Esterase Aktivität des gesamten Zellplasmas vortäuschen.
Hier zeigt sich ebenso, wie in der Druckempfinglichkeit bei der Epidermis
von Cucurbita die hohe Sensibilität dieser Organellen.
Neben der großen Bedeutung der "sauren Phosphatase" im Protoplasten, scheint es nach den vorliegenden Ergebnissen, nicht weniger wichtig zu sein, weiche Rolle diese Enzyme in der Zellwand spielen. Auf die Funktion bei der Plasmodesmenentstehung wurde bereits hingewiesen. Ebenso wichtig scheint jedoch die Rolle der "sauren Phosphatabe" beim lokalen Zellwandwachstum zu sein. Möglicherweise werden hier zum Einbau von neuen Zellulosefibrillen bestehende Bindungen gelöst und anschließend wieder neu aufgebaut, wobei die Phosphate als Energieträger furigieren. Dieses lokale Wandwachstum ist sicher auch wichtig für die Polarität, in der sich die Zellverbände befinden. Über den Transport von "saurer Phosphatase" aus dem Protoplasten heraus in die Zellwand von Daucus carota L. und ebenso über die Aktivität in Vakuole, Zellkern und Zellwand hat HALPERIN und JENSEN (1966) und HALPERIN (1969) berichtet. Bei der hier erhaltenen Verteilung, in den Dichtegradientenzentrifugationen, waren große Mengen der "sauren Phosphatasell im Präzipitat 500 x g enthalten, ein Ergebnis, das sich gut mit der Beobachtung LAMPORTIS und NORTHCOTEIS (1960) deckt, die 80 % der "sauren Phosphatase" in den Zellwänden von Acer pseudoplatanus Suspensionskulturen vermuten.
Über die Vitalflurochromierung der lysosomenartigen Partikel (DINGLE
und BARRETT 1968; MAHLBERG 1972), war es möglich Beobachtungen auch
an lebenden Zellen durchzuführen. Die Lokalisation der "sauren
Phosphatase" in den Zellwänden wurde auch von DE JONG, OLSON und JANSEN
(1967) bei Suspensionskulturen von Tabakzellen erwähnt. GAHAN
(1969) zeigte, daß Esterasen und "saure Phosphatasen" bei der Siebporenbildung
auftreten.
Damit erscheint die in der vorliegenden Arbeit gemachte Beobachtung,
daß die "saure Phosphatase" bei der Anlage neuer Plasmodesmen beteiligt
sind und so die Kommunikationsbahnen des polyenei,giden Symplasten den
neuen Erfordernissen bei der Explantation anpassen, durchaus wahrscheinlich.
Als Enzym im Plasmalemma wurde die ATPase untersucht, die interessanterweise
nicht gleichmäßig über die gesamte protoplasmatische Oberfläche
verteilt ist. Besonders deutlich wird diese Bevorzugung bestimmter
Areale bei den Tracheiden.
Für den interzellularen Transport von Redoxkörpern scheint die Lokalisation der Peroxidasen wichtig zu sein. Dieses vorwiegend in der Mittellamelle lokalisierte Enzym spielt nach LIPETZ und GARRO (1965) sowie HEPLER, RICE und TERRANOVA (1972) für die Ligninbildung in jungen Tracheen und nach HALL (1972) auch noch für das reife Xylem eine Rolle.
In der Explantation zeigte sich auch, daß bestimmte Orte mit einem erhöhten Redoxpotential, und andere mit stark reduktiver Fähigkeit entstehen. Insbesondere die Zentren hoher Teilungsaktivität, wie auch das Kambium der Rübe zeichnen sich durch eine starke Verminderung des Redoxpotentials aus. Nach BETZ (1958) schafft die Gärung solche Räume niederen Redoxpotentials. Demnach kommt es Überall dort, wo Zellen unter dem Druck des umliegenden Gewebes eine Verringerung der Interzellularen aufweisen, zu einem Sauerstoffmangel und somit zu erhöhter Reduktivität. Dies zeigt sich einerseits daran, daß die Blindreaktionen bei den Dehydrogenasen ohne Zusatz an NADH+H+ sog. "nothing dehydrogenases" aufweisen (ARNOLD 1968). Andererseits lassen z.B. die GDH und die LDH im Kambium und in den Zentren einen zusätzlichen Aktivitätsanstieg erkennen. Durch die zunehmende Teilungsaktivität der Kulturen zeigte sich auch ein Anstieg in der Gesamtaktivität der Dehydrogenasen. Ebenso nimmt der Anteil an zweiwertigen Eisenionen sowie an Ascorbinsäure während der ersten Tage der Kultivierung zeitweilig zu. Die Fe++-Ionen erwiesen sich bei den Explantaten als wichtiges Spurenelement bei der Tracheenbildung. Sie müssen soweit sie aus dem Medium stammen reduziert werden. In den weiter ausdifferenzierten Tracheen fanden sich vorwiegend F+++-Ionen. Beim funktionellen Obergang der Tracheen in reine Leitelemente werden die Degradationsprodukte abtransportiert. Dabei soll nach SHELDRAKE und NORTHCOTE (1968) auch IES entstehen. Das Tracheen die Differenzierung von Embryonen maßgeblich entscheiden, zeigt sich daran, daß die Zentren erhöhter Teilungsaktivität durch die Lokalisation der Tracheenbildungdeterminiert werden, ob ein Wurzelpol, ein Sproßpol oder ein Embryo entsteht. Die Zentren selbst müssen anfangs noch als uniform meristematisch (GUPTA 1972), d.h. als undifferenziert angesehen werden. Das die Tracheen vor den Siebelementen differenziert werden haben BORNMAN, ABBOTT, NOEL und SNIJMAN (1976) beobachtet.
Kambiumzellen können direkt lignifiziert werden. Eine vorhergehende Teilung (FOSKET 1972) ist nicht notwendig. Damit zeigt sich klar die Fähigkeit verschiedene Spezialisierungen ansteuern zu können, ohne eine differentielle Zellteilung zu durchlaufen.
Ein entscheidender Faktor für die ortsabhängige Differenzierung ist das Vorliegen von Gradienten, die den Zustand eines Gewebes bestimmen und seine Entwicklung determinieren. Solche Gradienten können endogen, durch Produktion bestimmter Substanzen an festgelegten Orten, oder exogen, beispielsweise durch eindiffundierenden Sauerstoff, entstehen. Dabei reguliert das Gewebe jedoch auch diese exogen induzierten Gradienten, durch die Beschaffenheit der Oberfläche, die Größe des Interzellularraumes und den Verbrauch der einzelnen Zellen. Orte hohen Sauerstoffverbrauchs sind neben den Mitochondrien mit ihren Cytochromoxidasen, die Zellen mit einem hohen Phenolase Gehalt, bei denen die entsprechenden Substrate zur Verfügung stehen. Dies wird besonders deutlich bei den Pflanzenarten, die bei der Explantation starke Braunfärbung zeigen, wie beispielsweise bei Musa ensetes oder Sinningia hybrida. Daucus carota zeigt diese Bildung von Polyphenolen nicht und erwies sich auch als fast völlig frei von Brerizcatechiri oxidierenden Phenolasen. Während der Kultur steigt die Aktivität der Phenolasen stark an, ohne eine Braunfärbung der stark wachsenden Gewebe zu erzeugen. Überträgt man die Kulturen in Intervallen von mehr als vier Wochen, so werden die melaninartigen Verbindungen sichtbar. Das bedeutet entweder, daß es zu einer erhöhten Bildung von Substrat kommt, oder die Polyphenoloxidasen durch Aufhebung einer vorhandenen Kompartimentierung zu ihren Substraten gelangen. Nach KAUPERT (1958) soll Brenzcatechin für die Verkorkung verletzter Zellen wichtig sein.
Durch den Aktivitätsanstieg der Enzyme kann es einerseits zu einer Verarmung an Substrat und anderseits zu einer Anhäufung des Produktes gekommen sein. So ist es denkbar, daß die verstärkte Bildung von Tracheiden und damit von Lignin, auf den Anstieg der Peroxidaseaktivität zurückzuführen ist. Die Folge wäre, daß bei rasch wachsenden Kulturen die Fähigkeit zur Differenzierung von weiteren Leitelementen langsam absinkt. Nur in einer ausgewogenen Arbeitsteilung, die bei der Explantation empfindlich gestört wurde, kann das Verhältnis von Substrat und Produkt dem Bedarf an morphogenetischer Entwicklung angepaßt werden. Die starke Tendenz zur Tracheidenbildung zeigt sich auch in den Versuchen von KOHLENBACH und SCHMIDT (1975), in denen Mesophyllzellen ohne vorherige Teilung in Tracheiden umdifferenziert wurden.
Substanzen, die nur in Zusammenarbeit verschiedener Gewebe synthetisiert werden, d.h. durch Zulieferung bestimmter Vorstufen, können bei der Kultivierung verloren gehen. Erst eine neue einsetzende Arbeitsteilung kann die Voraussetzung für die Synthese solcher Substanzen bieten. Es ist damit kaum zu erwarten, daß beispielweise eine Suspension weitgehend gleicher einzelner Kalluszellen zu solchen Syntheseleistungen in der Lage sind, die eine Korrelation der Gewebe voraussetzen.
Da bei den Karotinoiden die Konzentration in den Geweben im gleichen Maße abnahm, als das Frischgewicht anstieg, ist hier die absolute Menge pro Kultur konstant geblieben. Die Explantate scheinen also ihre Fähigkeit zur de novo Synthese verloren zu haben, obwohl die Zellen ursprünglich die notwendige Enzymgarnitur, zur Bildung der charakteristischen Karotinoidkristalle besaßen. Es fehlen ihnen nach der Explantation entweder die notwendigen Vorstufen oder entsprechende, für die Korrelation wichtige Auslöser dieser Syntheseleistung.
In einem Zellfaden, in dem nach (DE JONG, JANSEN und OLSON 1967), nur jede dritte Zelle aktive Succinatdehydrogenase zeigte muß eine solche Kommunikation existiert, haben. Bei den endogenen Zuständen spielt die Polyploidisierung eine erhebliche Rolle. Sie verschiebt das Verhältnis von Volumen zur Oberfläche der Zellen zugunsten des Volumens. Nach WINKLER (1916) soll die Polyploidisierung für die Pflanze den Sinn haben, große Zellen zu erreichen. Solche Kalluszellen beinhalten sehr große Vakuolen, so daß ihre Volumenvergrößerung weitgehend einer Aufnahme von Wasser und darin gelösten Nqhrsalzen entspricht. Es erscheint für die Zellen vorteilhaft zu sein, um die notwendigen Nährsalze aufnehmen zu können, große Mengen an Medium zu imbibieren. Dies zeigen auch Versuche von PARTANEN (1965) und von BAYLISS (1975) sowie SINGH und HARVEY (1975), die bei verzögerter Obertragungszeit eine erhöhte Zahl an Polyploidisierungen fanden. Möglicherweise erreicht die Zelle bei stetigem Wachstum nicht das Stadium der Teilungsbereitschaft, so daß es ohne Zelltrennung zu Polyploidisierung kommt. Auch mehrkernige Zellen sind immer wieder aufgetreten. Daß es in einem solchen Zustand der Zellen immer seltener zu Embryogenesen kommt ist von TORREY (1967) beschrieben worden. Polyploide Embryonen bzw. Wurzelbildungen konnten in der vorliegenden Arbeit nicht beobachtet werden. Soweit Kerne gemessen wurden, die unterhalb der 2C-Klasse lagen, dürfte es sich um Degradationserscheinungen handeln (REINERT und KÜSTER 1966). Die von SMITH und STREET (1974) aufgestellte sog. genetische Hypothese, nach der die Polyploidisierung eine Selektion der Zellen darstellt, die ihre embryogenetische Potenz verloren haben, bestätigt, daß polyploide Zellen den diploiden gegenüber im Vorteil sind. Hier liegt vermutlich das günstigere Verhältnis beim allometrischen Wachstum. Trotzdem darf nicht vergessen werden, daß diese polyploiden Zellen immer nur Entwicklungen aus diploiden Zellen darstellen, und daß die Drift zur Polyploidisierung hin, in höheren Pflanzen eine häufige Erscheinung ist.
Die Verteilung von zwei Jahre alten Suspensionskulturen zeigt, daß die 4C-, 8C- und 16C-Kerne etwa die gleiche Häufigkeit von 22-26 % haben, während sich die restlichen 9 % bzw. 13 % auf die 2C- und 32C-Kerne verteilen. In den 4C-, 8C- und 16C-Klassen sind jeweils gemeinsam Kerne der G1- und G2-Phase enthalten, während in den 2C- und 32C-Klassen nur die G1- bzw. G2-Phase auftritt. Die S-Phase wurde, meist in vernachlässigbar kurzer Zeit durchlaufen. Dies zeigt die geringe "Schiefe" der einzelnen peaks. Das konstante Auftreten von 2C-Kernen, neben den polyploiden Kernen zeigt, daß genetisch gesehen die Embryogenese noch möglich sein sollte, obwohl bei den zwei Jahre alten Kulturen die Fähigkeit längst erloschen war. Der Wettbewerb um die verfügbaren Kohlenstoffquellen im Sinne von SMITH und STREET (1974) hat diesen Anteil an 2C-Kernen nicht zu unterdrücken vermocht. Hinzu kommt, daß die Polyploidisierung bereits in den ersten Tagen der Kultivierung einsetzt, zu einer Zeit, in der die Embryogenese erst eingeleitet wird. Die Vorstellung über die Beteiligung von Morphogenen (NARAYANASWAMY 1977) an der Embryogenese erscheinen somit einleuchtender.
Die in der vorliegenden Arbeit dargelegte Interpretation des Differenzierungsgeschehens ist ein Versuch, auch Effekte physikalischer Faktoren auf die Organogenese, zu berücksichtigen. Sie spielen neben den Modellvorstellungen von WARDLAW (1952) und MEINHAADT (1974), der einen langsam diffundierenden Aktivator und eine Inhibition für die Verteilungsmuster von Morphogenen annimmt, und WOLPERT (1970) der die Vorstellung des "french flag models" benutzt, um die Übertragung von Information zu erklären, ein-e wichtige Rolle. BERTALANFFY (1951) hat auf die Bedeutung des allometrischen Wachstums im Sinne von RENSCH (1954), bei der Volumen-Oberflächen-Relation hingewiesen. Sie ist entscheidend beteiligt an den proportionalen Entwicklungen der Organe und damit an der Erklärbarkeit von Bauplanänderungen durch Koordinatentransformation (THOMPSON 1917). Versucht man solche Relationen durch "source-sink-Diffusionsgradienten" von Morphogenen zu beschreiben, so berechnet sich nach CRICK (1970) eine Reichweite von etwa einem Millimeter. Dies erklärt möglicherweise Differenzierungen innerhalb einer oder mehrerer Zellen, kaum aber die von Geweben und Organen. Dagegen wäre die Verstärkung eines Signals, das von einer Zelle abgegeben und jeweils von den Empfängerzellen wieder neu ausgestrahlt wird, eine Erklärung, die auch Informationen über größere Reichweiten in kürzerer Zeit ermöglicht. Dabei kommt es nach GERISCH (19171) bei Dictyostelium discoideum zu Erregungswellen, die das morphogenetische Feld durchlaufen. Nach GERISCH und HESS(1974) kontrolliert Cyclisches-AMP diese Oszillationen, die durch die autokatalytische Abhängigkeit von ATP-Pyrophosphohydrolase und Adenylcyclase erklärbar ist (GOLDBETER 1975).
Ein entscheidender Unterschied zu diesem vergleichsweise einfachen System, liegt bei den Explantaten von Daucus carota in dem Vorhandensein von Plasmodesmen, die durch ihre Kommunikation unter den gegebenen Druckverhältnissen weit kompliziertere Möglichkeiten der Informations- und Substanzübertragung bieten. Trotzdem scheinen auch hier Oszillationen im Transport von Substanzen auftreten zu können, wie sie SHERIFF (1974) für die Sprosse höherer Pflanzen nachgewiesen hat.
Im Zusammenhang mit der Oberfläche stehen Bestimmungen des Gasaustausches, der Atmung und der Gewebespannung. So ließen sich aus der elastischen Dehnung der Gewebe und ihren osmotischen Verhältnissen größere Spannungen erkennen, die unter den Schnittkanten und im Grenzbereich zwischen Phloem und Kambium auftreten. Dort wo sich meist teilungsaktive Zentren bilden, die sich des öfteren zu Embryoiden bzw. wurzelartigen Strukturen entwickeln.
Die zu beobachtende Gärung bringt einen Anstieg an Alkoholdehydrogenase und Laktatdehydrogenase mit sich, der in den gleichen Zellregionen seine höchsten Werte aufweist Zum Vergleich hierzu wurden die Peroxidasen, Cytochromoxidasen und Phenoloxidasen in ihren Aktivitäten bestimmt.
Die "saure Phosphatasell ist vermutlich nicht nur an der Degadation von Protoplasma beteiligt, sondern nimmt wahrscheinlich auch an der partiellen Lösung von Zellwandverknüpfungen teil. Ihre Bedeutung für die Entstehung von interzellulären Kommunikationen bei der neu einsetzenden Differenzierung wird diskutiert.
Wieweit die Differenzierung eine Umverteilung von Substanzen mit sich bringt zeigen Bestimmungen der, Zucker-, Stärke-, Protein- und DNS-Verteilung in den Zellwänden.
Wenige Tage nach der Explantation ergaben zytofluorometrische Messungen bereits eine beginnende Polyploidisierung, die sich im Laufe der weiteren Monate bis zu den 32C-Kernen steigert. Unabhängig davon blieben jedoch die Embryonen stets diploid.
Die Funktion von Eisenionen für die Tracheenentstehung ließ sich histochemisch zeigen. Dabei spielt das Redoxpotential eine Rolle, das seinerseits durch die pH-Situation beeinflußt wird, und somit näher untersucht werden mußte. In diesem Zusammenhang wurde auch ein Anstieg an Ascorbinsäure nachgewiesen.
Daß die Zellen einen Teil ihres ursprünglich spezifischen Stoffwechsels während der Kultur einbüßen, ersieht man aus dem Verlust an Karotinoiden.
In welcher Weise die Zellen zu einer Anpassung an das Medium fähig
sind, und damit die potentielle physiologische Toleranz, zeigt sich in
der Umdifferenzierung des Kambiums. Diese kambialen Zellen, die in der
Rübe zur Bildung von Bast determiniert waren, wurden direkt, d.h.
ohne Teilung, in Tracheiden umgewandelt. Dabei durchlaufen die Kambiumzellen
während der Anpassungsphase an das Medium ein Streckungswachstum,
das sie vorübergehend zu parerichymatischen Zellen werden läßt.
Auch ältere parenchymatische Zellen der Holz- und Bastregion konnten
sich direkt zu Tracheiden umdifferenzieren.
Last update: 21.2.1999 © by Walther Umstaetter