you are here: home - Digital Textbook - Semiotischer Thesaurus - about

Über den semiotischen Thesaurus der Bibliothekswissenschaft


Dies ist die Diskussionsgrundlage für einen Semiotischen Thesaurus der Bibliothekswissenschaft.

Sie soll als Basis für eine Terminologie der modernen Bibliothekswissenschaft dienen. Außerdem bietet ein solcher Semiotischer Thesaurus die Voraussetzung für eine Zusammenarbeit am Digitalen Lehr- und Handbuch (DHB) der Bibliothekswissenschaft, da die Polyhierarchie eines solchen Thesaurus gleichzeitig als Gliederung des DHB dienen kann. Verschiedene Autorinnen und Autoren können sich gleichzeitig am Bau dieser selbstorganisierenden Architektur beteiligen, so wie eine jedes Lebewesen ein aufeinander abgestimmtes Größen- und Differenzierungswachstum an allen Organen gleichzeitig (allometrisches Wachstum) aufweist. Die gemeinsame Produktion von Wissen, bzw. das Wachstum an Wissen, setzt damit voraus, dass jeder Beitrag das bereits vorhandene Fundament berücksichtigt. Widersprüchlichkeiten können so rasch erkannt und diskutiert werden.

An dem vorliegenden einfachen Entwurf eines Semiotischen Thesaurus wird schon deutlich, dass die Bibliothekswissenschaft ein Teilgebiet des Dokumentationswesens und dieses wiederum ein Teilgebiet des Informationswesens ist, weil die Definition der Bibliothek:
Sie ist eine Einrichtung, die unter archivarischen, ökonomischen und synoptischen Gesichtspunkten publizierte Information für ihre Benutzer sammelt, ordnet und verfügbar macht.dies impliziert. Die so definierte Bibliothek ist zeitlos. Sie schließt die Alexandrinische Bibliothek der Antike ebenso ein, wie die Virtuelle Bibliothek von morgen, und konzentriert sich nicht mehr nur auf Bücher. Diese Bibliothek ist Gegenstand der wissenschaftlichen Betrachtung in der Bibliothekswissenschaft.

Wenn Information hier als Oberbegriff von Informationstheorie (genauer: Informations- und Kommunikationstheorie, da sich die Informationstheorie aus der "Mathematical Theory of Communication" ergab.) erscheint, so ergibt sich dies aus der Tatsache, dass die inhaltliche UND-Verknüpfung von Information und Theorie jeweils eine Teilmenge von Information und Theorie ist. Syntaktisch genau genommen dürfte die Informationstheorie nur unter Theorie erscheinen. Da sich die Theorie aber auf die Information bezieht, ist sie in der Hierarchie auch unter der Benennung Information aufzuführen.

Die Definition der Bibliothek ist, soweit sie Information sammelt, ordnet und verfügbar macht, direkt aus der Definition des Dokumentationswesens abgeleitet, somit ist der Begriff Bibliothek heute eine Untermenge des Dokumentationswesens, das sich ursprünglich (bei den Bibliografien) vorwiegend mit unselbständiger publizierter Information beschäftigte, sich aber im letzten Jahrhundert auf die nicht-publizierte Information in Archiven geheimen Dokumentationen und auch auf die Dokumentation von Museumsstücken, Bücher und anderen Objekten ausweitete.

Bibliothekswissenschaft war aus ihrer archivarischen Funktion heraus lange eine Geschichtswissenschaft. In dieser Funktion betrieb sie hauptsächlich eine historische Wissenschaftsforschung. Mit zunehmender Größe des Bibliothekswesens wurde sie am Beginn des letzten Jahrhunderts zu einer Verwaltungswissenschaft, die sich durch die Entstehung der Dokumentation und des daraus hervorgehenden Information Managements neuen Wirtschaftlichkeitsüberlegungen zugewandt hat, so dass es eine Zeit lang auch Überlegungen gab, sie im informationswirtschaftlichen Bereich der Wirtschaftswissenschaft anzusiedeln. Gleichzeitig hat aber die Digitalisierung in den Bibliotheken soweit Platz gegriffen, dass es entsprechende Tendenzen gab, sie eher im Bereich der Informationswissenschaft bzw. der Informatik anzusiedeln. Insbesondere durch den Anteil an Öffentlichen Bibliotheken kommt über die Wissenschaft hinaus eine Einbettung in die Kulturwissenschaft ebenso in Betracht, wie die Zuordnung zur neu entstehenden Medienwissenschaft, im Sinne einer Erweiterung der alten Buchwissenschaft.

In jedem Fall ist die Bibliothekswissenschaft ein hochgradig interdisziplinärer, aber auch eigenständiger Wissenschaftsbereich, der mit den modernen multimedialen Möglichkeiten Lehre, Forschung und Kulturmanagement rationalisiert, in dem überflüssige Doppelarbeiten in der Wissenschaft verhindert, Anstrengungen zur geistigen Zusammenarbeit unterstützt, Begabte gefördert und die allgemeine Aufklärung der Bevölkerung erhöht wird, um den Übergang von der Industriegesellschaft zur Wissenschaftsgesellschaft evolutionär und nicht revolutionär gestalten zu helfen.

Die kursiv geschriebenen Wörter im Thesaurus sind noch nicht definiert. Doppelstellen können problemlos verlinkt werden.
W. Umstätter


html dieses Textes: 06.11.2001 Ben Kaden (contextur@aol.com)