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Published in: Nachrichten für Dokumentation 31 (4/5) S.172-176 (1980)

Die Universitätsbibliothek als Informationsvermittlungsstelle - Erfahrungen mit DIMDINET

Umstätter, W. und Rehm, M. (Ulm)

Zusammenfassung:

Seit 1976 ist die Universitätsbibliothek Ulm an das Informationsnetz DIMDINET angeschlossen. Damit ist es ihr möglich, problemorientierte biomedizinische Literaturanfragen durch Online-Zugriff auf die Datenverarbeitungsanlage des Deutschen Instituts für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), Köln,und seine Datenbanken zu beantworten. Über einen Zeitraum von vier Jahren wurden die Benutzung dieses Online-Literaturdokumentationsdienstes und seine Auswirkung auf den Bibliotheksbetrieb beobachtet.

Abstract:

Since 1976 the Ulm University Library is participating in the informationnetwork DIMDINET. Subject-oriented literature requests in the field of biomedicine can be satisfied through online access to the computer and the data bases of the German National Institute for Medical Documentation and Information (DIMDI) in Cologne. The use of this online-literature retrievalservice and its effect upon the library operation through four years is reported.


Von der Universitätsbibliothek Ulm vwurden von Januar 1976 bis Dezember 1979 Online-Literaturrecherchen durch Zugriff auf die vom Deutschen Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) angebotenen Datenbanken für ihre Bibliotheksbenutzer kostenlos durchgeführt.

In diesem Zeitraum wurden 5078 Literatursuchen

online bearbeitet. Dabei galt als eine Suche der Zugriff auf eine oder mehrere Datenbanken, die zu ihrem Thema befragt wurden (1).

Zur Erweiterung des Datenbankangebotes wurde seit März 1978 die Nutzung des Literaturrecherchesystems Recon (IRS) der ESA, Frascati, Italien, und seit Februar 1979 des Systems DIALOG der Firma Lockheed, Palo Alto, USA,ermöglicht. Der Anteil der Suchen in den Datenbanken der ESA und von Lockheed machten, da die Kosten an den Endnutzer voll weitergegeben werden mußten, nur 3 % aus und können im folgenden vernachlässigt werden.

Die Benutzung der (DIMDI-) Online-Literaturdokumentation

Erwartungsgemäß hätte bei gezielter Reklame für die neue Dienstleistung der Universitätsbibliothek, wie sie nur zum Teil gemacht worden ist, der Neuzugang ihrer Benutzer 1976 graphisch annähernd eine e-Funktion sein (Abb. 1a) oder bei reiner Flüsterpropaganda logistisch verlaufen müssen (Abb. 1b). Die gestrichelten Kurventeile tragen dem Tatbestand Rechnung, daß im Laufe der Zeit wechselnde Benutzer (Studenten, Gastwissenschaftler, Stellenwechsler)den Neuzugang beeinflussen. Die reale Entwicklung zeigt einen Mischtyp der beiden Funktionen mit einem hohen Anteil an wechselnden Nutzern (Abb. 1c).

Im Zeitraum Juni 1978 bis Dezember 1979 suchten die On-line-Literaturdokumentation der Universitätsbibliothek monatlich im Durchschnitt 80,2 Benutzer auf. Davon waren 25,7 jeweils neue Nutzer und 54,5 Benutzer, welche die neue Dienstleistung bereits mindestens einmal in Anspruch genommen hatten. Diese "alten" Benutzer machten einen Anteil von

Ua = 68,0 ± 4,2 % aller Benutzer aus.

Abb. 1c: Anstieg der monatlich neu hinzukommenden die Nutzer

Der Zugang an neuen Nutzern betrug:

insgesamt 1 245 Personen, von denen seit

noch nicht wiedergekehrt waren.

Die von 1976-1979 bearbeiteten 5078 Literaturanfragen wurden also von 1245 Personen gestellt, womit in vier Jahren auf einen Benutzer 4,08 Suchen entfielen.

Von den 1245 Nutzern erschienen 55 % nur innerhalb eines Monats, 82 % suchten die Informationsvermittlungsstelle wiederholt innerhalb eines Jahres, 16 % wiederholt auch noch nach 2 Jahren und 2 % wiederholt sogar nach 3 Jahren auf .

Im Jahre 1976 verteilten sich die Nutzer der Ulmer-On-line-Literaturdokumentation mit rd. 11 % auf Professoren, rd. 48 % auf Doktoren und rd. 41 % auf Personen ohne Doktor- bzw. Professortitel. Dagegen entfielen auf die Nutzer, die mehr als dreimal wiederkehrten, 22 % Professoren, 59% Doktoren und nur 19 % sonstige Benutzer (ohne Titel). Etwa 87 aller Nutzer standen in einem Arbeitsverhältnis mit der Universität Ulm. Hiermit wird verdeutlicht, einerseits, wie hoch der Anteil fluktuierender Benutzer einer Universitätsbibliothek ist und andererseits, wer die Hauptbenutzer sind.

Eine Untersuchung der wiederkehrenden Benutzer zeigt, daß von ihnen ein fester Prozentsatz immer wieder die Online-Dokumentation in Anspruch nahm: Von den 1976 zum erstenmal erschienenen Nutzern kehrten 35,9 % ein- bis zweimal, von den restlichen 64,1 % 40 % zum 3. oder 4. Mal wieder. Von den hier verbleibenden 38,5 % kamen abermals 40 % zum 5. oder 6. Mal wieder usw.

Demnach läßt sich die Abnahme der Wiederkehr für die Jahre 1976-1979 nach folgendem Schema berechnen:

Abb. 2: Prozentuale Wiederkehrrate der Benutzer; W = Wiederkehrhäufigkeit; Punkte = Beobachtete Werte; Kurve = Berechnete Werte.

Die Werte wurden über eine linearisierte Regressionsgerade ermittelt und zeigen deutlich den Zusammenhang zwischen der Wiederkehrrate und der Zeit der ersten Benutzung.

Die Wahrscheinlichkeit der ersten, zweiten und dritten Wiederkehr folgt interessanterweise jeweils einer Poisson-Verteilung:

1. Wiederkehr: ~ 70 Tage, c02 = 0,3

0,2T

f(T)

= ----------- e- 0,2 x 560
µ = 0,2

T!

2. Wiederkehr: ~ 60 Tage, c02 = 3,4

0,17T

f(T)

= ---------- e - 0,17 x 58
µ = 0,17

T!

3. Wiederkehr: ~ 30 Tage, c02 = 0,01


0,086T

f(T)

= ---------- e - 0,086 x 35
µ = 0,086

T!

(T in Jahren) jeweils gesichert für die Signifikanzzahl alpha = 5 %.

Hieraus ist ersichtlich, wie sich bei Benutzern mit wachsender Wiederkehr der Zeitraum bis zur jeweils nächsten Wiederkehr verkürzt (Abb. 3).

Abb. 3: Die Wahrscheinlichkeit P, nach einer bestimmten Zeit T (in Jahren) wiederzukehren, folgt der Poisson-Verteilung. Punkte = Beobachtete Werte; Kurven = Berechnete Werte.

Aus der Zahl der wiederkehrenden Nutzer, multipliziert mit der Häufigkeit ihrer Wiederkehr, bei gleichbleibender Verteilung über die Jahre 1976-1979, berechnet sich die Zahl der alten Benutzer mit 40 pro Monat. Verfolgt man dazu im Vergleich den Anteil der alten Nutzer pro Monat, wie er von Juni 1978 bis Dezember 1979 tatsächlich beobachtet wurde, so zeigt sich in der Regressionsgeraden ein leichter Anstieg der Form Ua = 0,45 T + 34,6.

Demnach ergäbe sich ein Mittelwert von 45 alten Benutzern/Monat. (Dabei ist die Lineariät eine grobe Vereinfachung, da bei den großen Streuungen ein präziser funktioneller Zusammenhang kaum zu ermitteln ist.)

Um eine genauere Vorstellung über die "Stammkunden" (im Gegensatz zu den wechselnden Nutzern) der Online-Dokumentation zu erhalten, wurden für 1979 von den monatlich erscheinenden Benutzern die neuen und die für 1979 "alten" Nutzer abgezogen, was zur Ableitung einer e-Funktion der Form U = -0,149 T + 3,927 führte. (Abb. 4).

Abb. 4: Die Stammbenutzer (Us) der Informationsvermittlungsstelle im vierten Jahr ihres Bestehens. (Siehe Text). Punkte = Beobachtete Werte; Kurve = Berechnete e-Funktion.

Die Fläche unter dieser Kurve gibt die Zahl der Stammbenutzer an, die mit 327 ermittelt wurde. Sie macht - nach dem Stellenplan des Staatshaushaltsplanes 1978 für die Universität Ulm (einschließlich Drittmitteln) - 77 % der Stellen der im biomedizinischen Bereich der Universität Ulm wissenschaftlich Tätigen aus. Das heißt: Nach vier Jahren des Bestehens einer Online-Literaturdokumentation innerhalb der Universitätsbibliothek Ulm und bei überschaubarer Größe ihrer Universität sowie einem durchaus positiven Echo auf das neue Informationsvermittlungsangebot der Bibliothek sind erst rd. 80 % aller ihrer potentiellen Nutzer Dauerkunden.

Die Zahl der Studenten biomedizinischer Fachbereiche, die 1978 eine Staatsexamensarbeit, eine Diplomarbeit oder eine Dissertation anzufertigen beabsichtigten, lag bei etwa 300. Die Studenten dürften also erwartungsgemäß einen großen Teil der wechselnden Benutzer darstellen.

Diese Ergebnisse könnten Rückschlüsse für größere Universitäten als Ulm zulassen, die hinsichtlich der Informationsvermittlung noch weit hinter dem Bedarf liegen.

Ferner hat sich gezeigt, daß, trotz kostenlosen Angebotes der DIMDI-Dienste, ein Mißbrauch in ihrer Nutzung, wenn überhaupt, geringer war, als Skeptiker bei der Einführung des neuen Informationsdienstes vermuteten, wohl nicht zuletzt in Anbetracht des Druckes "Publish or Perish", dem der Wissenschaftler heute ausgesetzt ist. Vielmehr kann eine leistungsfähige Informationsvermittlungsstelle einen Wissenschaftler durch das Auffinden bisher unbekannter, aber relevanter Zitate sogar daran hindern, selbst zu publizieren und seine praktische Arbeit durch den von ihm aufzubringenden erhöhten Zeitaufwand beim Literaturstudium hemmen. Schließlich ist denkbar, daß bei zunehmender Nutzung von Online-Dokumentationsdiensten auch die Herausgeber von Zeitschriften mehr Vorsicht beim Publizieren walten lassen, was einen Qualitätsanstieg der Veröffentlichungen zur Folge haben könnte. Anzeichen für eine solche Entwicklung sind zu beobachten.

Die Durchführung der Informationsvermittlung

Die Dauer einer online betriebenen Literaturrecherche lag 1979 im Durchschnitt bei 27,9 Minuten. Dabei hatten die online ausgedruckten Literaturzitate mit 16,0 Zitaten/Suche einen hohen Zeitanteil. Durchschnittlich wurden 1,45 Datenbanken pro Suche benutzt, wobei das System Medlars mit 63 % und Biosis Previews mit 17 % beteiligt war.

Für 1980 waren Veränderungen durch die Implementierung neuer Datenbanken und ihre kostenpflichtige Nutzung zu erwarten: Eine Suche wurde weiterhin in durchschnittlich 1,44 Datenbanken durchgeführt; jedoch verteilten sich die Literaturrecherchen auf Medlars nur mit 48 %, Biosis Previews mit 10 % und Embase mit 17 %. Die durchschnittliche Dauer für eine Suche hat sich auf 14,8 Minuten reduziert.

Die Kontakte zwischen Informationsvermittler und Endnutzer sind in Ulm zu 44 % persönlich, 36 % telefonisch und 20 % schriftlich, wobei diese Anteile durch die räumliche Zersplitterung der Universität Ulm mit bestimmt sind, wenngleich die Informationsvermittlungsstelle sich in unmittelbarer Nähe zu einer der größten und am meisten benutzten Bereichsbibliotheken der Universitätsbibliothek befindet.

Auswirkungen der Online-Literaturdokumentation auf den Bibliotheksbetrieb

Als Auswirkung der Online-Literaturdokumentation auf die Bibliothek ist eine Steigerung von (aus DIMDI-Computerrecherchen stammenden) Zeitschriften-(artikel-)anforderungen von ca. 16 % zu verzeichnen. Da bei ihnen, bedingt durch ihre Herkunft aus großen internationalen (Zeitschriften-)Datenbeständen, der Anteil an negativ erledigten Bestellungen zwangsläufig hoch ist, führte die Ulmer Online-Dokumentation auch zu einer Steigerung der Fernleihe um rd. 35 %. Deshalb sieht die Universitätsbibliothek Ulm der sich anbahnenden Entlastungsmöglichkeit des Leihverkehrs durch das "Online-delivery" mit Interesse entgegen.

Trotzdem bewirkte die durch die Einrichtung der Online-Literaturdokumentation verursachte quantitative Veränderung der Informationsversorgung weniger eine Steigerung der Bibliotheksbenutzung, als eine qualitative Änderung in den Informationsgewohnheiten der Benutzer im Hinblick auf die von ihnen benutzten Quellen bei ihren Literaturbestellungen. (2).

Wissenschaftliche Bibliotheken kaufen im allgemeinen die den Datenbanken zugrundeliegenden gedruckten Dienste, z. B. den Index Medicus als Teil der Medlars-Bestände, Scisearch als Science Citation Index, Teile von Biosis Previews als Biological Abstracts bzw. als Bioresearch Index, Excerpta Medica als Teile von Embase. Da immer nur Teile der Datenbanken in gedruckter Form herausgegeben werden, die oft keine Abstracts enthalten und denen zudem die Indexierungstiefen fehlen, stellt sich für eine Bibliothek mit umfangreichem Datenbankangebot wie die Universitätsbibliothek Ulm die Frage, ob der Kauf aller angebotenen gedruckten Dienste noch gerechtfertigt ist. Eine Kosten-Nutzen-Analyse, die u. a. auch einen Kostenvergleich zwischen Computer-und Handsuchen einzuschließen hätte (3), dürfte wahrscheinlich dagegen sprechen.

Diskussion

Nach R. J. Millson (1978) (4) entwickeln sich wissenschaftliche Bibliotheken aus ihrer traditionell vorwiegend als Sammelbibliotheken verstandenen passiven Rolle immer mehr zu an ihren Benutzern orientierten aktiven Informationsvermittlungsstellen. Die Geschwindigkeit, mit welcher die Anpassung an die veränderte Situation abläuft, hängt einerseits von den technischen Möglichkeiten und der Brauchbarkeit der Informationsquellen,andererseits von der Aufgeschlossenheit der Benutzer für die neuen Dienstleistungen ab.

In Ulm hat sich gezeigt, daß trotz kostenlosen Angebotes der Online-Literaturdokumentation noch nach vier Jahren nicht alle potentiellen Nutzer das System kennen und mancher nur sehr zögernd den Literaturdienst in Anspruch nimmt; dagegen haben seine erfahrenen Benutzer in vielen persönlichen Gesprächen mit dem Informationsvermittler die neue Einrichtung als gut, wichtig, sogar als notwendig bezeichnet.

Das positive Echo auf den computerisierten Informationsvermittlungsdienst zeigt sich auch an der Mund-zu-Mund-Propaganda, die nach R. E. Hoover (1976) (5) sowie B. Lawrence und D. Hawkins (zitiert bei P. Atherton; R. W. Christian(1977) (6) die wichtigste Rolle in der Verbreitung spielt, welche allerdings, wie in Ulm mehrfach beobachtet wurde, dadurch gehemmt wird, daßdie Benutzer den erkannten Vorteil der Online-Literaturrecherche oft für sich behalten wollen.

Bereits 1970 empfahl der Bundesrechnungshof der DFG, jedem Antragsteller auf Forschungsförderung die Auflage zu machen, zuvor Informationsvermittlungsstellen in Anspruch zu nehmen, um festzustellen, ob das angestrebte Forschungsvorhaben nicht bereits anderweitig bearbeitet worden ist (7). Würde hiermit zwar nur ein geringer Teil der Wissenschaftler angesprochen, so wäre diese Empfehlung eine Möglichkeit, die Adaptionan die neuen Informationsquellen zu erleichtern.

Daß der Vergleich zwischen Hand- und Computersuche nicht nur ein Kostenkalkül, sondern auch eine Frage des Umfangs und der Qualität an Information ist, zeigte S. M. Johnston (1978) (8). Hinzu kommt der für den im internationalen Wettbewerb stehenden Wissenschaftler wichtige Zeitfaktor.

Der Bibliotheksbenutzer aber befindet sich in einer zwiespältigen Situation: Während ihm die Bibliothek mit ihren traditionellen Einzeldienstleistungen (z. B. der bibliographischen Auskunft) im allgemeinen kostenlos zur Verfügung steht, soll er für die Online-Information zahlen. Die Frage des kostenfreien Angebotes von Computerrecherchen ist noch umstritten: Interessanterweise wurde in der Universität Pittsburgh nach einer kostenpflichtigen Periode zu einem kostenlosen Service übergegangen (9).

M. D. Cooper und N. A. De Wath zeigten 1977 (10), daß eine "kostenlose" Suche im Durchschnitt mit 26,73$ und eine bezahlte mit 28,78 $ zu Buche schlugen, da der Zeitaufwand für die Vorbereitung sich erhöhte. Während die Kosten für die Verbindungszeit um 5,75 $ fielen, stiegen sie fürdie Off-line-Ausdrucke um 2,00 $.

1978 wiesen O. Firschein, R. K. Summit und C. K. Mick (11) darauf hin,daß die Bibliotheken auf Wunsch ihrer Benutzer die von den sogenannten Information Brokers erstellten Bibliographien möglicherweise kaufen müssen, die sie aber bei ausreichender Nachfrage und vorhandenen Haushaltsmitteln auch selbst kostenlos anbieten könnten und sollten.

Der durch die Einführung der kostenpflichtigen Nutzung von DIMDI erwartete und auch eingetretene Rückgang an Literatursuchen ist, in Anbetracht der erzielten Ersparnis, sicherlich positiv zu werten, vom Standpunkt der Wissenschaft aus aber als sehr zweifelhaft anzusehen, da mit der gleichen Logik Wissenschaft "eingespart" werden könnte.

Nach P. D. Gillespie, P. Katzenberger und J. Page (1978) (12) werden in der Industrie pro Benutzer 2 Suchen/Jahr (auch für den Endnutzer meist kostenlos) durchgeführt. In Ulm entfiel, wahrscheinlich bedingt durch die hohe Fluktuation an einer Universität, auf einen Nutzer nur 1 Suche/Jahr. Mit einem merkbaren Anstieg der Suchen pro Jahr war auch kaum zu rechnen, weil die Ulmer Informationsvermittlungsstelle bereits am Anfang ihrer Einrichtung nahezu an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gestanden hat. In Zukunft können bei einem zusätzlichen Aufwand an Vorbereitungszeit (10), Zeit für Kostenberechnung, Benutzerberatung über Kosten und Möglichkeiten der Online- bzw. Handsuche sowie der für Handsuchen aufzubringenden Zeit ohnehin nicht mehr so viele Recherchen wie bisher durchgeführt werden. Hier scheinen Größenordnungen von 600 Suchen/Jahr für einen Informationsvermittler nicht unrealistisch zu sein (13). Bei Einführung der Kostenpflicht tritt also ein wesentlich verminderter Service ein.

DIMDINET ermöglichte seinen Teilnehmern einen "kostenlosen" Literaturdienst, der rege benutzt, aber nicht ausgenutzt wurde, was die Ansicht Crawfords (1979) unterstützen dürfte, in Bibliotheken die Online-Recherchen kostenfrei durchzuführen (14).

Allein in den 19 Daten- und Faktenbanken der National Library of Medicine,Bethesda, Md., werden heute weltweit rd. 1,5 Millionen Suchen pro Jahr bearbeitet, wobei insbesondere die Nutzung der Faktenbanken noch erheblich ansteigen wird (15). Dabei wächst die Schwierigkeit, von den über 1000 angebotenen Datenbanken die jeweils "richtigen" zu kennen. Somit ist die Frage des Mißbrauchs mehr eine Frage der Qualität und Möglichkeiten einer Informationsvermittlungsstelle, da ohnehin der Informationsvermittler entscheidet, ob eine Suche per Hand, on-line oder überhaupt in der gegebenen Situation durchgeführt werden kann. Wer die Kosten trägt, ist, von diesem Standpunkt her gesehen, zweitrangig.

Anschrift der Autoren:

Dr. Walther Umstätter. Leiter der Online-Literaturdokumentation der Universitätsbibliothek Ulm, Oberer Eselsberg, M 25, Postfach 4066, 7900 Ulm und Dr. Margarete Rehm. Leitende Bibliotheksdirektorin.Universitätsbibliothek Ulm, Schloßbau 38, Postfach 4066, 7900 Ulm-Wiblingen

Anmerkungen

1) In diesem Zusammenhang wird auf die von der Universitätsbibliothek Ulm ermittelte Relation zwischen ihren "intensiven" Bibliotheksbenutzern und DIMDI-Nutzern hingewiesen. (2).

2) Zunahme der Benutzung (d. i. Entleihungen, ohne Verlängerungen, und Kopienanforderungen) gegenüber dem Vorjahr (bei weitgehender Freihandaufstellung der Bibliotheksbestände (ca. 60 %)

1970/1969: 11 % 1975/1974: 1,6 %

1971/1970: 72 % 1976/1975: 17,5 %

1972/1971: 44,5 % 1977/1976: 7,98 %

1973/1972: 27 % 1978/1977: 19,61 %

1974/1973: 27 % 1979/1978: 8 %

Die Benutzungssteigerung ist mit bedingt durch:

WS 1969/1970: Aufnahme des Lehrbetriebes in den Fächern Vorklinische Medizin und Physik an der Universität Ulm;
WS 1970/1971: Aufnahme des Lehrbetriebes im Fach Mathematik;
WS 1971/1972: Aufnahme des Lehrbetriebes im Fach Chemie;
SS 1972: Aufnahme des Klinischen Studiums;
WS 1973/1974: Aufnahme des Lehrbetriebes im Fach Biologie.

Literatur

(1) Hawkins, D. T.; Brown, C. P.: What is an online search?
Online 4 (1),12-18 (1980).

(2) Rehm M.; Umstätter, W.: Auswirkungen einer On-line Literaturdokumentation auf eine Hochschulbibliothek. Ein Erfahrungsbericht aus der Universitätsbibliothek Ulm.
DFW. Dokumentation, Information 27 (2),43-46 (1979).

(3) Elman, St. A.: Cost comparison of manual and on-line computerized literature searching.
Spec. Libr. 66 (1), 12-18 (1975).
Cooper, M. D.; De Wath, N. A.: The cost of on-line bibliographic searching.
J. Libr. Autom. 9 (3), 195-209 (1976).
Cost and time for manual searching.
In: Hall, J. L.: Online information retrieval sourcebook. S. 44. Lon don: Aslib (1977).

(4) Millson, R. J.: Zitiert in: Planung eines nationalen Informationssystems für Großbritannien? 51. Jahreskonferenz von Aslib, 20.-23. September 1977, Lancaster.
Nachr. f. Dokum. 29 (1), 32 (1978).

(5) Hoover, R. E.: Patron appraisal of computer-aided on-line bibliographic retrieval systems.
J. Libr. Autom. 9 (4),335-350 (1976).

(6) Atherton P.; Christian R. W.: Librarians and online services.
White Plains, New York: Knowledge Industry Publications, Inc. (1977).

(7) Lindner, H.: Erfahrungen der DFG mit der Inanspruchnahme von Informationsdiensten im Fachgebiet Chemie.
Nachr. f. Dokum. 29 (1), 34 - 37 (1978).

(8) Johnston S. M.: Choosing between manual and on-line searching-practical experience in the Ministery of Agriculture, Fisheries and Food.
Aslib Proc. 30 (10/ 11), 383 - 393 (1978).

(9) Kent, A.; Galvin, T. J. (Eds.): The on-line revolution in libraries.
New York, Basel: Dekker (1978).

(10) Cooper, M. D.; De Wath, N. A.: The effect of user fees on the cost of online searching in libraries.
J. Libr. Autom. 10 (4),304-319 (1977).

(11) Firschein O.; Summit, R. K.; Mick, C. K.: Use of on-line bibliographic search in public libraries: a retrospective evaluation.
Online Review 2 (1),41-55 (1978).

(12) Gillespie, P. D.; Katzenberger, P.; Page, J.: Problems of document delivery for the Euronet user.
München: Franklin Institute GmbH (1978).

(13) Wetzel, E. L.: Kostenmodell für eine Informationsvermittlungsstelle.
Nachr. f. Dokum. 31 (2),77-82 (1980).

(14) Crawford, P. J.; Thompson, J. A.: Free online searches are feasible.
Libr. J. 104 (7), 793 - 795 (1979).


Last update: 23. June 1997 © by Walther Umstaetter