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Published in: Nachrichten für Dokumentation 36 (3) S.157-158 (1985)

7. Frühjahrstagung der Online Benutzergruppe (DGD-OLBG)

W. Umstätter

Man traf sich vom 11. bis 13. März diesen Jahres (1985) wieder im kleinen Kreis von weniger als vierhundert Teilnehmern. Die des "searchens" Mächtigen und die, die nun auch "searchen" möchten. So begann die Gerüchteküche sich wieder zu erwärmen und die Sitzungssäle ebenfalls bei überfülltem "Online für Neulinge". Während hier noch interessierte Fragen gestellt wurden, brachten die Aussteller fieberhaft ihre Gerätschaft in Spotlight und Glanz. Bei der Eröffnung durch den Präsidenten der DGD, Prof. Canisius, war man beim Thema: Das längst überfällige Fachinformationsprogramm '85-'88 verzögert sich noch immer. Dr. Bechtel erinnerte an die Anfänge der OLBG-Tagungen am 27. März 1979 in Köln und vertrat die Ansicht, daß die Bundesrepublik Deutschland durch das Scientific and Technical Network (STN) das internationale Interesse des Fachinformationsmarktes geweckt habe. Ganz allgemein konsolidiert sich der Informationsmarkt und damit die OLBG als Ort der Begegnung. So sah man auch mehr internationale Besucher und 30% mehr Aussteller als in früheren Jahren.

Vier Punkte waren es, die der Hessische Minister für Wissenschaft und Technik Dr. Steger deutlich machte:

  1. Das Fachinformationsprogramm '85-'88 sollte zügig verabschiedet und fortgeschrieben werden.
  2. Die Bundespost sollte weniger Medienpolitik betreiben und sich auf ihre eigentliche Aufgabe des Ausbaues der Kommunikationsinfrastruktur konzentrieren. Besonders kritisierte er die langen Zulassungsfristen bei der Post. Hessen hat die Gesellschaft für Information und Dokumentation mbH (GID) mit der Analyse des Telekommunikationsbedarfs in Hessen beauftragt.
  3. Die Qualifikation sollte nicht nur bei der Anbieter-, sondern auch bei der Nachfrageseite verbessert werden. Damit sprach der Minister die Deutsche Gesellschaft für Dokumentation in ihrer Aus- und Fortbildungsaktivität an.
  4. Bei der Anpassung an neue Gegebenheiten ist bei der Planungssicherheit der Gesetzgeber gefordert.

Für die mittleren Unternehmen sprach Prof. Hackstein (Nukem), der den noch immer bestehenden Mangel an entsprechenden Datenbanken beklagte und die Notwendigkeit betonte, die Informationszentren in den Betrieben von der Leitung her zu organisieren. Die Zusammenarbeit mit den Hochschulen sollte erleichtert werden.

Probleme des Datenschutzes

Mit inzwischen traditionell bissigem Humor stieg Dr. Schumacher "in die Bütt" und kritisierte datenschützerische Aktivitäten, die Informationen in Deutschland verhindern, während sie im Ausland abrufbar sind. Ebenso geriet die freie Fachinformationsmarktwirtschaft, die dem Mittelstand keine ausreichende Chance gibt, auf ausländischen Bildschirmen zu erscheinen, in das Streufeuer des Berichts "zur Lage der Nation". Interessant war eine Umfrage bei wissenschaftlichen Bibliotheken der Bundesrepublik 1981-1984 (Franke), die eine Dominanz der Nutzung der beim Deutschen Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) aufgelegten Datenbanken von 77% erbrachte. Eine Aktion mit 250 Fragebogen (Scheffler) bei Instituten technischer Hochschulen ergab, daß 34 der 81 antwortenden Stellen Online-Ausbildung angaben. Davon waren allein sechs aus der TU-Berlin und 11 aus der Universität Hannover. Durch die zunehmende Beratung, Schulung und Planung in Sachen Online entwickelt sich der Informationsvermittler zum Informationsmanager (von Keitz).

Recht positiv fiel das Bild von Bildschirmtext (Btx) aus, das Erich Danke vom Postministerium zeichnete, und bei dem auf die vielzitierte Diebold Modellstudie hingewiesen wurde, nach der 1990 2,8 Mill. Btx-Anschlüsse zu erwarten sind. Auf die Frage, ob der Mikrocomputerabsatz diesen Markt unterlaufen könnte (1987 wird es entsprechend den Prognosen etwa dreimal soviel Mikrocomputer wie Btx-Anschlüsse geben) vertrat der Referent die Ansicht, daß die Homecomputer weitgehend ungenutzt bleiben. Es war zu erfahren, daß festgeschaltete Leitungen für externe Rechner z.Z. nicht möglich sind. D. Effenberger sprach von einer Zurückhaltung bei den Geräteherstellern und davon, daß der seit Januar 1985 vom Fernmeldetechnischen Zentralamt zugelassene Eurom nur 200,- bis 300,- DM billiger ausfiel, als bisherige Lösungen. Für Btx sind Akustikkoppler weniger geeignet. Nicht ganz unproblematisch sind die großen Bildschirme aus ergonomischer Sicht. Trotzdem glaubte kaum jemand an einen Mißerfolg von Btx, da der bisher geleistete Aufwand dies unglaublich erscheinen läßt. Siemens hat nun auch die Voraussetzungen geschaffen, über Btx-Endgeräte direkt bzw. über Gateways auf ihre Rechner zuzugreifen. So will DIMDI noch 1985 den Btx-Zugang ermöglichen. Außerdem ist die neue Version GOLEM 60 mit CCL ab 1986 zu erwarten.

Vielfalt der Retrievalsprachen

Auf eine Reihe von interessanten Problemen bei verschiedenen Hosts und ihren Volltextdatenbanken wies Gokl hin. "Man liest keine Zeitschriften auf Bildschirmen", heißt eine von mehreren essentiellen Aussagen, was bedeutet, daß die Segmentierung der Volltexte und das Highlighting wesentliche Voraussetzungen sind. Als aufwendig wurde auch die Abspeicherung von Btx-Seiten angesehen. Die zunehmende Vielfalt in den Retrievalsprachen ist auch bei den statistischen Datenbanken zu beobachten (Staudt), bei denen nicht selten mehrere Softwarepakete nebeneinander von einem Host angeboten werden. Diese Diversifikation war auch Gegenstand der Schlußdiskussion unter den Aspekten: Fachinformationspolitik, STN und Endnutzerrecherche.

Bemerkenswert war in diesem Jahr die Zahl neuer und internationaler Aussteller bzw. Product Reviews wie BIOSIS, Datacentralen, Derwent, ECHO, Mead Data oder Telesystemes. Ansonsten hatte man den Eindruck eine neue GENESYS zu erleben. Über zehn RC 750-Partner Mikrocomputer (RC Computer GmbH) waren über die Stände verteilt und dazu der neue Siemens PC-D bzw. IBM mit der entsprechenden Software. Hier, wie auch bei manchen Vorträgen, standen Lob und Tadel, nicht nur aus gesundem Widerspruchsgeist, dicht beieinander, sondern auch aus der alten Erfahrung heraus, daß "Onliner" ein ausgesprochen heterogenes Völkchen sind. So mancher alte Hase wird zum Newcomer, wenn er nicht aufpaßt. Nicht einmal im Dauerlauf war man in der Lage, das komplette Pensum zu bewältigen, das hier angeboten wurde. "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen" war die Devise und so eilte man von den mit ein- bis zweihundert Besuchern frequentierten Vorträgen, die sich zeitweilig kaum von den Product Reviews unterschieden, zu denen, die sich auch so nannten. Nicht selten enthält Reklame die wichtigste Information auf einer solchen Tagung, aber unter die Weste gejubelt, verstimmt sie ungemein. Es ist schwer einzuschätzen, wofür das Auditorium bezahlt hat, trotzdem fragt man sich bei manchem Referenten, ob er bei der Vorbereitung mehr an sich oder an die Zuhörer dachte. Daß Schreibmaschinenschrift auf Overheadfolien das Auge schult, konnte man wieder mehrfach feststellen.

Die OLBG wird in Zukunft beobachten müssen, was die Bertelsmann Datenbankdienste GmbH, die hier erstmals vertreten war, mit der INFOBASE '85, dem "ersten Datenbankenkongreß in Deutschland", unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Forschung und Technologie (BMFT) auslöst.


Last update: 18. May 1998 © by Walther Umstaetter