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Umstätter
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Mit fast 2000 Firmen aus 30 Ländern gehört die Orgatech in Köln (20.-25.10.88) neben der CeBIT und der Systems sicher zu den größten deutschen Messen im Bereich der Informationsverarbeitung. Es kennzeichnet unsere heutige Situation, daß bereits am 25.10.88 in München die Systec begann, die sich bereits zum zweiten Mal speziell um CIM kümmert.
Sowohl vom Angebot als auch vom Interesse der Benutzer her zeigte die Orgatech weniger revolutionäre Neuheiten oder Sensationen als vielmehr praktisch Anwendbares. Büro und Kommunikation ist nicht nur das vorgegebene Thema sondern auch die Einschränkung für die Zielgruppe, an die sich die Messe wendet. Sieht man davon ab, daß es eine Sonderschau "Neue Wege zum Wissen der Welt" von der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Nordrhein-Westfalen mbH gab, in der auch Online ein gewichtiges Thema war, so scheint man im Bürobereich bis heute noch wenig Interesse am Online-Zugriff auf externe Hosts zu zeigen, sicherlich nicht zuletzt aus mangelnder Kenntnis über Angebote z.B. des sog. "Datenbanknetzwerks Nordrhein-Westfalen, aber auch durch die nicht ganz unerheblichen technischen Voraussetzungen bei diesem Zugriff.
Auch CD-ROM und WORM waren im Angebot der Messe vertreten, hatten aber weniger Resonanz als man wohl erwarten könnte. Andere bekannte Trends bestätigten sich dagegen. So machen sich die 32-Biter zunehmend breit. ISDN wirft seine Schatten voraus, auch wenn durch die Verzögerung verbindlicher Standards bei der internationalen Fernmelde-Union sich die Einführung des Breitband-ISDN von 1990 eher auf 1995 verschiebt. Laptops marschieren weiter voran. Neben dem neu vorgestellten Compaq SLT/286 sah man auch den Z88 von Psion, der sich durch sein Leichtgewicht anscheinend wachsender Beliebtheit erfreut. Das Angebot an LC-Displays für die Projektion von Computerdaten wird immer vielfältiger und qualitativ besser. Auch Bildtelefon und Videokonferenz rücken in greifbare Nähe. So sparen sich bereits 30 deutsche Firmen die eine oder andere Dienstreise durch ihre 68 Videokonferenz-Endstellen.
Während Atari schon seit langem, um nicht zu sagen schon zu lange, einen CD-Player für rund tausend Mark angekündigt hat, scheint es nun ernst zu werden. So war ein Vorführgerät mit CD-ROMs von Bertelsmann zu sehen, das in den nächsten Monaten zur Verfügung stehen soll. Interessant war auch die zunehmende Akzeptanz dieses Herstellers im professionellen Bereich, die sich sicher nicht zuletzt aus den Möglichkeiten des DTP heraus entwickelt haben dürften.
Sieht man von der mächtigen Präsenz der Aussteller IBM, Nixdorf, Siemens u.a. ab, so waren auch Apple und interessanterweise Schneider mit einer immer breiter werdenden Produktpalette vertreten. Ashton-Tate stellte seine neue Version dBASE IV vor, die hier ebenso reges Interesse fand, wie beispielsweise eine Vorführung der Einsatzmöglichkeiten von Word Perfect.
Es konnte bei näherer Betrachtung der vertretenen Zielgruppe kaum mehr überraschen, daß die Messeinformation zum Thema "Transputer" nichts zu bieten wußte. Insofern hatte man auch den Eindruck, daß am zukünftigen Betriebssystemstandard UNIX, mit z.Z. 60000 installierten Systemen in Deutschland, kaum zu zweifeln sei, wenn da nicht noch das neue AIX von IBM wäre, dem die International Technology Group für 1992 einen Marktanteil von 32% an allen UNIX-Versionen prophezeit. Die Computerwelt hat sich in die beiden Lager OSF (Open System Foundation) mit IBM an der Spitze und ein UNIX-Lager mit AT&T an seiner Spitze gespalten. Man merkt z.Z. deutlich den Widerstand vieler Computerhersteller gegen den Mikrokanal von IBM. Inzwischen scheint Apple seinen Weg mit dem NuBus fortzusetzen und Atari mit Helios seine Transputer-Box zu realisieren. Für den Orgatech-Besucher war dagegen das Heer herkömmlicher lokaler Netzwerke das einzige, worin er sich verstricken konnte.
Thema der Orgatech '88 war die Telekommunikation und so tauchte auch wiederholt der CCITT-Standard X.400 auf, der auf der 7.Ebene des ISO/OSI Modells angesiedelt ist und das Electronic-Mail-Geschehen bestimmt. Seine Verbreitung greift z.Z. anscheinend rasch um sich.
Der Lorbeer der Orgatech gehört eindeutig dem Telefax. Fernkopierer aller Größen und Qualitäten waren im Angebot, vomPortable Fax bis zum Farb-Fax. Dabei hat sich eindeutig die Gruppe 3 CCITT-Empfehlung T4 von 1980 mit 133500 (Aug. 1988) Geräten in der Bundesrepublik durchgesetzt. Die Zuwachsrate von fast 100% im letzten Jahr macht das große Interesse deutlich. Sieht man die weltweit installierten 3,8 Mio. Fernkopierer als Gesamtheit, von denen allein in Japan 2,2 Mio. stehen, so dürfte klar sein, daß sich hier noch bei weitem keine Sättigung abzeichnet. Die Übertragungszeit einer DIN A4 Seite liegt inzwischen meist bei 20 sec. und erzeugt etwa Kosten in der Höhe eines Briefportos. Nach Japan läßt sich mit einem Gerät, das nur 12 Sekunden Übertragungszeit benötigt, sogar eine Seite für 1,38 DM übermitteln. Die Restriktionen der Post sollen z.T. dazu führen, daß einige Anwender billige Faxgeräte mit FTZ-Nummer kaufen oder mieten, um dann, sobald sie im Verzeichnis stehen, die Faxkarten im Atari oder PC zu betreiben. Faxen und Scannen nimmt zur Zeit einen atemberaubenden Aufschwung. Ob bei Apple, Atari oder Industriestandardproduzenten, sie alle kümmern sich um Scanner und um deren Produkte, die eine möglichst intelligente Software weiterverarbeitet. Auch Siemens schickt sich an, schwerpunktmäßig in diesem Bereich tätig zu werden.
Natürlich hatte auch die Deutsche Bundespost ihren Stand aufgebaut und u.a. für BTX geworben. Obwohl die Zahl dieses Anwenderbereichs inzwischen hinter dem Senkrechtstarter Telefax zurückbleibt und die Kritik des Bundesrechnungshofes unmittelbar vor der Orgatech recht harsch ausfiel, scheint doch alles beim alten zu bleiben. Mein eigener Eindruck ist weiterhin der, daß man meist nicht die Information findet, die man braucht. Wir suchten z.B. mal wieder im Telefonbuch einen Eintrag in oder um Köln und fanden ihn nicht, da die Umgebungssuche schon 20 km außerhalb versagte. Eine Zugverbindung von Köln nach London oder Oostende war ebensowenig auffindbar. Man fragt sich wirklich, ob BTX wichtige Information nicht zur Verfügung stellen kann oder will. Das oft bemühte Beispiel der 3,4 Mio. installierten Minitels in Frankreich lebt nach meiner Erfahrung in Paris doch teilweise auch nur aus dem Mangel an adäquaten Telefonbüchern. Ob nun die Produktion von 300000 angekündigten "Cept-Tels" für (man höre) weniger als tausend Mark den großen Durchbruch bringt, ist zweifelhaft. Die Post hofft im Jahre 1989 auf 150000 neue Teilnehmer. Attraktiver schien mir, zumindest auf dem Stand der Post, das Bildtelefon für alle angehenden TV-Stars, für das Schwarz Schilling 1990 die bundesweite Einführung voraussagte. Was sind schon hundert Mark monatlich für ein solches Vergnügen der Kommunikation.
Sieht man die immer höhere Grafikqualität der neuen Computer mit den hochauflösenden Bildschirmen mit absehbarer Zielrichtung von etwa 1 Mio. Pixel, wie bei Steven Jobs neuer Kreation "NeXT", den leistungsfähigen Laserdruckern und Scannern, so wachsen die Zweifel am herkömmlichen CEPT-Standard. Auch auf der Orgatech war CAD/CAM ein unübersehbarer Schwerpunkt einiger Aussteller. Dabei gewann man den Eindruck, daß der Mikrofilm noch einen durchaus gewichtigen Anteil an der Entwicklung moderner Informationssysteme haben wird.
Die Messe in Köln hatte mit Sicherheit einen stärker regionalen Charakter als z.B. die CeBit, sie ist aber kaum weniger anstrengend von der Laufleistung, kaum weniger informativ und bietet zumindest für erschöpfte Interessenten ergonomisch bequemes Mobiliar, das die Frustration von Computern erträglicher zu machen verspricht.
Es scheint sich immer deutlicher abzuzeichnen, daß bei der breiten Einsatzpalette der Computer, die Messen (wie CeBit, Orgatech, Systems oder INFOBASE) sich immer stärker auf bestimmte Zielgruppen einstellen müssen. Insofern wird es auch für die INFOBASE und die Frühjahrstagung der OLBG immer wichtiger, sich auf den neuen Berufsstand des Information Managers einzustellen. Im Gegensatz zur Orgatech, ist auf der INFOBASE Online noch immer ein zentrales Thema. Es dürfte aber bald nicht mehr ausreichen, um den Namen Online Benutzergruppe zu rechtfertigen. Es geht inzwischen längst um das viel umfassendere Thema der Auffindung, der Handhabung und der Logistik von Information. Die Orgatech steht dieser unserer Thematik sehr nahe, deckt sie aber in keiner Weise ab.