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Published in: Nachr. f. Dok. 40 (6) S.389-390 (1989)

Heeks, Richard: Computerisation in Academic Departments. A survey of current practice.

144 S. London: Taylor Graham, 1987.

Rezension von Walther Umstätter

Es handelt sich hier um den British Library Research and Development Report 5939, der etwa seit Beginn des Jahres 1988 auch auf zwei Mikrofiches erhältlich ist. Die Arbeit ging aus Überlegungen im Rahmen eines Seminars (1985) hervor. Professor A.J. Meadows war als Projektleiter beteiligt. Ziel des Projektes war zunächst zu untersuchen, wie weit in den wissenschaftlichen Einrichtungen Englands schon Computer im Einsatz sind, wobei eine vorherige Arbeit des Autors, die 1986 im gleichen Verlag erschien, sich mit der Verbreitung bibliografischer Datenbanken bei Wissenschaftlern beschäftigte.

Die Untersuchung beschränkt sich absichtlich auf das Gebiet der Computerisierung im akademischen Bereich und versteht sich so als Ergänzung gegenüber der Vielzahl von Arbeiten, die sich auf den Einsatz in kommerziellen Organisationen konzentrieren. Auch wenn dabei nur Universitäten aus Großbritannien als Forschungseinrichtungen Berücksichtigung fanden, können die Ergebnisse, cum grano salis, auf den großen Bereich des Computereinsatzes in Forschung und Entwicklung übertragen werden. Daß allerdings diese Clientel von Computerbenutzern nur wenig vergleichbar ist mit solchen in Dienstleistungseinrichtungen, wird an mehreren Punkten deutlich, auch wenn damit nicht ausgeschlossen werden darf, daß man hier wie da voneinander lernen kann.

Es geht in diesem Buch eigentlich um drei Untersuchungen.

1. Eine Pilot-Fragebogenaktion, bei der von vierzehn bekanntermaßen gut computerisierten Departments aus Biologie, Chemie, Ingenieurwesen und Physik insgesamt einhundertsieben Fragebögen ausgewertet wurden. Vierundzwanzig Prozent der Fragebögen kamen von Studenten dieser Departments.

2. Eine Hauptuntersuchung mit vierhundertneunundneunzig auswertbaren Fragebögen. Bei dieser Aktion wurden achtundvierzig Departments aus dem Bereich Science (s.o.), dreißig aus Wirtschaft und Soziologie und dreißig Departments aus den Gebieten Geschichtswissenschaft sowie englische und französische Literatur ausgewählt. Hier betrug der studentische Anteil zwanzig Prozent. Die Gruppe derer, die angaben, noch keinen Computer zu nutzen, lag bei sechzehn Prozent.

3. Eine Befragung von dreißig Personen an der Universität von Leicester. Allein dieser Teil füllt fünfzig Seiten.

Auch wenn man leicht ins Feld führen kann, daß fast jeder, der sich in dieser thematischen Landschaft bewegt, schon aus eigener Erfahrung die Ansichten von mehr als nur dreißig Personen in Erfahrung bringt, so wird hier doch mit einer gewissen Systematik einiges aufgearbeitet, was, zwischen den Zeilen gelesen, hilfreich ist.

Bei aller Vorsicht, mit der Statistiken aus Befragungen begegnet werden muß, gibt es recht auffällige Ergebnisse, die es wert sind einer genaueren Betrachtung unterzogen zu werden. So gaben neben 58% der Computerbenutzer, die etwa 1986/87 Textverarbeitung einsetzten, immerhin 28% an, in den letzten Monaten "Online Searching" und 42% "Data Storage" betrieben zu haben. Wobei allerdings der zeitliche Anteil am Online-Recherchieren nur sehr gering gewesen zu sein scheint, was allerdings kaum verwundert. Relativ hoch war zumindest im Bereich der Naturwissenschaften der Anteil derer, die mehrere Computer einsetzten. Dies kann als ein Zeichen dafür gewertet werden, daß das Angebot an Mikrocomputern in den letzten drei Jahren sprunghaft anstieg und die meisten Geräte spezielle Einsatzgebiete haben. Dabei spielten insbesondere die Modelle und Simulationen eine Rolle.

In den Laboratorien ist der Einsatz von sog. non-bibliographic databases interessant. Hier spielen neben den vielfältig gehaltenen Adressenlisten die Speicherung von Wirtschaftsdaten, Protein- und Nukleinsäuresequenzen u.ä. eine Rolle. Für Electronic Mail und Bulletin Boards wurden bevorzugt die Mainframes eingesetzt. So wurde auch JANET beispielsweise (Joint Academic Network) allgemein als sehr nützlich bezeichnet.

Bemerkenswert ist, daß keines der befragten Departments eine in sich konsistente Einkaufspolitik hatte. Vielmehr waren die Computer (BBCs, Apple, IBM, etc.) schrittweise und je nach Bedarf beschafft worden. Empfehlungen änderten sich meist sehr rasch. Der Sturz in eine totale Computerisierung wurde auch als zu gefährlich angesehen. Im allgemeinen erwiesen sich die Kollegen als am besten geeignet, um Hilfe zu bieten. So bildeten sich meist nach kurzer Zeit Kollegen als Spezialisten aus, die zu einer Art DV-Koordinator und Gatekeeper wurden, ohne diese berufliche Position von der Stellenbeschreibung her zu haben. Damit werden einige Fragen aufgeworfen, die den Trend zur Integration, zu mehr und leistungsfähigeren Maschinen und zur Notwendigkeit einer breiten Information aus verschiedenen Quellen vor dem Einkauf begleiten.

Das 7. und letzte Kapitel beschäftigt sich mit Empfehlungen für die Einführung von Informationstechnologie. Auch wenn man nicht immer erkennen kann, daß die Ergebnisse der eigenen Untersuchung voll berücksichtigt wurden, so resümiert der Autor vielmehr auch aus einer Reihe anderer zitierter Quellen.

Dies ist kein umfangreiches Buch, das aber aufgrund seiner statistischen Aussagen, mit sehr viel Sorgfalt auch kritisch zwischen den Zeilen gelesen werden muß.


Last update: 25. June 1997 © by Walther Umstaetter