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Umstätter
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Published in: Nachr. f. Dok. 41 (3) S.197-198 (1990)
Zentrales Thema dieses Buches soll die Online-Informationsbeschaffung sein. Da auf diesem Gebiet Bücher rasch veralten, ist der Bedarf an zeitgemäßen, verlegerisch gut aufbereiteten und preiswerten Büchern sicher groß. Wenn der Eindruck nicht täuscht, hat also hier jemand seine Einstiegsversuche im Sommer und Herbst 1988 in preiswerte bis kostenlose Datenbanken frisch und erfreulich rasch, mit vielen Beispielen, zu Papier gebracht.
Damit wendet sich das Buch in erster Linie an diejenigen, die es vielleicht auch einmal probieren wollen, über BTX in die Welt des Online hineinzuschnuppern. Ob es hier allerdings nicht für viele Leute Frustrationen vorprogrammiert, und damit mehr schadet als fördert, muß man sich fragen. Irritierend sind schon die Versuche, Grundlagen zu vermitteln, für die es sicher besser gewesen wäre, einen erfahrenen Onliner, Dokumentar oder Informationswissenschaftler als Co-Autor heranzuziehen oder entsprechend publiziertes Material zu integrieren. Aber Information gleich im ersten Satz mit Wissen zu verwechseln (S.20 dito) ist auch für den Anfänger nicht förderlich. Spätestens, wenn er mit dem Unterschied zwischen Datenbank und Wissensbank konfrontiert wird, bricht seine Begriffswelt zusammen.
Das der Autor mit dieser Begriffswelt dann auf Seite sieben auch selbst in Schwierigkeiten gerät, ist nicht verwunderlich. Denn den DIANEGUIDE und EABS als typische Referenzdatenbanken vorzustellen, erzeugt Verwunderung. Bei den Quellendatenbanken werden dann Volltextdatenbanken, Numerische Datenbanken und Faktendatenbanken unterschieden und dafür zwei Beispiele genannt, die schwerlich zugeordnet werden können. Die Anwendung einer Pseudoretrievalsprache, die zeitweilig an dBASE erinnert, und den didaktischen Versuch einer Übung mit "Papier und Bleistift" unternimmt, wäre wohl besser gestrichen worden.
Diese Seiten 13 bis 16 sind nicht nur fehlerhaft, sie sind auch irritierend. Da wird Lösung 16 angegeben und 17 gemeint, Freitextsuche fett gedruckt, während die Bedeutung eines "Basic Index" erläutert werden müßte und der Unterschied zwischen einer Invertierung von Einzelwörtern und ganzen Feldern anscheinend unbewußt vorausgesetzt oder übersehen.
Im Kapitel 3 "Der Personal Computer als Kommunikationsmittel" werden kurz und knapp Bits und Bytes, ASCII, V24, Akustikkoppler und Modem erklärt, und im Kapitel 4 "Öffentliche Netze und Dienste", neben einigen Grafiken der Bundespost, dem Zugang zu ECHO und BTX, auch der Einstieg in die Mailbox des NCC (Neusser Computer Club), abgehandelt. Interessant ist der Hinweis auf den nun auch schon fast wieder vergessenen Diebold Report mit seinen 960000 BTX-Anschlüssen für 1988. In Kapitel 5 "Die Abfragesprache CCL" werden auf 20 Seiten am Beispiel des BTX ECHO Training Files die wichtigsten Kommandos vorgestellt. Dabei wird nicht ganz einsichtig die Liste der "Erläuterungen der Feldbezeichnungen" von S.8 auf S. 54 als "Feldbeschreibungen" ohne Kommentar in abgewandelter Form wiederholt. Wieweit sich ein didaktischer Sinn dahinter verbirgt, auf S.58 die Suche "f au=meier" zu empfehlen, um auf S.64 festzustellen, daß "f au=smith" zu einer "Fehlermeldung" führt, um auf S.65 zu der richtigen Suche "f au=smith m"zu kommen, ist unklar. Aber bei einer Autorenliste von einem "Thesaurus" zu sprechen ist schlicht falsch.
Die Überraschung des Autors bei "f=energie" im ECHO Training File nur 9 Treffer zu finden, löst bei einem Onliner ihrerseits sicher nicht weniger Überraschung aus. Auf die Idee, "in dieser Richtung sei zu wenig geforscht worden", käme er wohl als letztes. Dann aber den Floatingstem "f $energie$" zu empfehlen, ohne einen Hinweis auf die Größe der Datenbank zu geben, kann teuer zu stehen kommen. Sieben Seiten später kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß der Autor etwas Neues dazu gelernt hat. Er findet das Wort zu seiner erneuten Überraschung nicht im Titel, auch nicht im Abstract, aber neunmal unter "f energie/ct". Und im nächsten Lernschritt kommt die Erkenntnis, die sich für den Leser schon auf den Seiten 8 und 54 leise andeutete, daß die Titel und Abstracts auf englisch verfaßt sind.
In Kapitel 6 "Wo findet man was" wird über BTX auf den DIANEGUIDE zugegriffen. Die erste Empfehlung, im kontrollierten Vokabular z.B. nach Telekommunikation zu suchen, ohne darauf einzugehen, ob alle Dokumente solche CT's enthalten, wie tief erschlossen wird und ob eine Vokabularkontrolle vorliegt, ist sicher nicht professionell. Warum INFODATA nun gerade bei der Thematik Telekommunikation als Beispiel besonders gut paßt, dürfte für den Kenner dieser Datenbank auch nicht gerade einsichtig sein. Hier wird statt des Online-Retrievals das Poking demonstriert. Nicht wesentlich überzeugender ist der Zugriff auf die Datenbank des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg über BTX, wo über das Schlagwort "computer" zwei Treffer erscheinen. Der erste ist wieder INFODATA. Dieses Ergebnis, nicht als äußerst mager, sondern im Fazit als eine klare Benutzerführung zu interpretieren, muß man als sehr wohlwollend bezeichnen.
Es kann hier nicht auf all die Merkwürdigkeiten der Beispiele eingegangen werden, aber auf BTX-Seite *28600# (Bundesstelle für Außenhandel) unter Menüpunkt "1 Ausgewählte" zufälligerweise die gewünschten Daten über Kanada zu erhalten, hat wenig mit gezielter Informationsbeschaffung zu tun. Der gezielte Griff nach dem "Fischer Weltalmanach" im eigenen Bücherregal dürfte da allgemein näher liegen. Es gibt eindeutig bessere Beispiele der Informationsbeschaffung auf dem PC, die auch den Kostenaufwand rechtfertigen.
Noch zu erwähnen sind die Anhänge A - G: A: Ein Glossar mit insgesamt 75 Begriffen und Verweisen, wobei BRS und DSO als Retrievalsprache angezeigt und DIALOG oder GRIPS überhaupt nicht erwähnt sind. B: Abbildungs- und Tabellenverzeichnis. C: Sechs Referenzen, unter denen sich bemerkenswerter Weise drei von McGraw-Hill befinden, die zwar sehr interessant sind, aber wenig mit der Entstehung dieses Buch zu tun gehabt haben dürften. D: Ein Datenbankverzeichnis, das den Eindruck vermittelt, es gäbe 7 Datenbanken bei ECHO und 2 bei BTX. E: 22 Europäische Datenbankanbieter mit I.P. Sharp, aber ohne Telesystemes/Questel. F: Datex-P Datengebührenübersicht. G: Index mit 120 Begriffen, bei denen z.B. "THESAURUS" lediglich auf den Satz "(T)hesaurus (L)anguage=Germ bestätigt die korrekte Ausführung." verweist.
Wenn man den Markt für die elektronische Informationsbeschaffung nicht absichtlich schädigen will, sollte man dem autodidaktischen Anfänger dieses Buch nicht empfehlen. Trotzdem kann man es all denen anraten, die ihr Wissen prüfen wollen. Es ist eine Fundgrube für typische Fehler des Einsteigers. Sie sind Schritt für Schritt aufgezeichnet. Ausbildungsstellen, mit ihren Studenten und Fortzubildenden, sind die ideale Zielgruppe für dieses Buch. Sie haben mit öffentlichen Passwords Zugang zu Datex-P und damit zu ECHO, oft auch zu BTX. Es wäre zu wünschen, daß das Buch in diesem Sinne eine weite Verbreitung findet und von erfahrenen Onlinern begleitet wird.