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Umstätter
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Dr. Harald Millonig hat im Bibliotheksdienst 25 (4) S.487-507 sehr schön auf die unzähligen Fehler bei einigen CD-ROMs hingewiesen und mit vollem Recht eine verbesserte Qualität gefordert. Trotz der beachtlichen analytischen Leistung des Autors müssen zwei Punkte richtig gestellt werden.
1. Hinsichtlich des "Datenbankdenkens" ist zu bemerken, daß die letzten Jahrzehnte Datenverarbeitung gezeigt haben, daß bei Datenmengen dieser Größenordnungen je nach Angebotsform, Umstrukturierung und Aktualität sich immer wieder Fehler einschleichen - beim Drucken, wo man sie kaum merkte, beim Online, wo man sie, um Geld zu sparen, trickreich umging und auf CD-ROM, wo man nun in Muße auch bibliothekarische Mängel erkennen kann. Ganz abgesehen davon, daß Erfahrungswerte von etwa einem Fehler auf 500 eingegebene Worte z.B. bei Chemical Abstracts seit langem bekannt sind (Womit wir uns beim Recall-Ratio-Fehler im Promille Bereich befanden.), galten kontrollierte Vokabularien als Methode der Wahl, um hier teilweise Abhilfe zu schaffen.
Wenn also Millonig mit Akribie nachweist, daß auch kontrollierte Wortlisten nicht absolut fehlerfrei sind, so sollten sich vielleicht die Verfechter der 'clean data' an eine eher statistische Denkweise, als an eine zu stark vereinfachte Alles-oder-Nichts-Denkweise, gewöhnen. Es ist sicher möglich, mit raffinierten Programmen Daten verbessert aufzubereiten, aber es muß davor gewarnt werden, Fehlerlosigkeit ohne tragbares Preis-Leistungs-Verhältnis zu fordern. Millonig hat natürlich Recht, wenn er fordert, daß über Wortvergleichslisten und über Analyseprogramme die Fehler reduziert werden sollten, aber man muß wohl auch an die viel zeitgemäßere Verbesserung der Retrievalmöglichkeiten erinnern, die viele der angesprochenen Probleme von der anderen Seite her lösen, zumal wir bei vielen Anwendungen am Volltextretrieval ohnehin nicht vorbei kommen.
Die meisten CD-ROM-Anbieter haben heute Probleme, weil sie zulange nur auf Papierausgaben fixiert waren. Ihnen dies allerdings indirekt zum Vorwurf zu machen, ist nicht fair, da die Bibliothekare selbst daran nicht unerheblich Mitschuld tragen. Galt man in Deutschland vor 5 Jahren noch als futurologisch inspiriert, wenn man sich um den Erwerb einer CD-ROM bemühte, so verlangt man heute von den Verlagen, daß sie fehlerfreie Datenbanken anbieten, anstatt sie nun zu drängen, die Zeit zu nutzen, um CD-ROMs als Wissensbasen für Expertensysteme zu entwickeln.
Nach Millonig ist es "ein Datenbankskandal!" wenn man "Fließtext mit Strukturfeldern mischt". Andere Leute arbeiten mit solchen Skandalen über weite Strecken ausgesprochen erfolgreich. Auch sein Vorschlag, die Ankündigung noch ungedruckter Bücher zu unterbinden, bedeutet lediglich einen Verlust an Informationen, die mancher dringend benötigt. Dabei dürfte die Fehlerrate bei den Erscheinungsjahrangaben mit weniger als 0,1 Promille, wenn auch verbesserungswürdig, so doch kaum gewichtig sein. Jeder erfahrene Datenbankrechercheur weiß, daß die Fehlergrenzen bei normalen Recherchen um drei Zehnerpotenzen höher liegen. Ob es glücklich war, im Zusammenhang mit der Qualitätskontrolle gerade OCLC zu wählen, ist eher fraglich, auch wenn dort die Bemühungen wegen der Fehlerhaftigkeit besonders gestiegen sind.
Knapp zwanzig Jahre Online haben gezeigt, daß das Ziel der Produzenten nicht die Vereinheitlichung von Datenbanken, von Feldbezeichnungen oder von Erschließungsmitteln sind, sondern die Optimierung von Strukturelementen auf die jeweiligen Benutzer-Zielgruppen hin. Ein CD-ROM-Benutzer, der die Forderung nach Vereinheitlichung stellt, kann weder die Produzenten, die ihre Marktchancen suchen, überzeugen, noch die Nutzer mit ihren diversen Interessen. Die Ähnlichkeit zwischen DB und VLB sollte also nicht dazu verleiten, zu glauben, daß hier identische Ziele verfolgt werden. Es ist eher damit zu rechnen, daß das VLB sich zunehmend für den Verkauf von Büchern profiliert, als daß es die Gemeinsamkeiten zur DB sucht. Fehler, die beim Absatz der Bücher stören, werden dann sicher rasch reduziert. Daß andererseits Ingram von Anfang an die Nähe zur Library of Congress bzw. zu BiblioFile suchte, um damit seine Absatzchancen zu erhöhen zeigt, wie man sich in den USA dieses Mediums bedient.
Ein Teil dessen, was Millonig auf die Sonderzeichen bezogen sagt, versuchen die Amerikaner seit einigen Jahren mit sog. "Intelligent Workstations" wie beim IAIMS-Projekt zu erreichen (s. dazu auch im selben Heft S.561 NeXT "Workstation"). Es ist also weniger der Ruf nach unerreichbarer Vereinheitlichung, der uns bewegen sollte, als vielmehr der Ruf nach adäquatem Einsatz der Informationstechnologie. Weder die viel geforderte und inzwischen altehrwürdige Common Command Language (CCL), noch die keineswegs modernere Standard Query Language (SQL), sind zum Standard des modernen Retrievals geworden. Bei einer so raschen Entwicklung wie der der Informationstechnologie kann man nicht auf Normierungen hoffen. Im Gegenteil, das Bibliothekswesen braucht nicht die Vereinheitlichung von CD-ROM-Benutzeroberflächen zu fordern (um die bemühen sich Verleger und Hosts wie Bertelsmann, Springer, Silverplatter, OCLC, Dialog u.a. bereits im Wettbewerb), es sollte weitere Verbesserungen durch Rechnerintelligenz fordern. Millonigs Vorschläge zielen, ohne daß es deutlich wird, direkt auf den Einsatz von Expertensystemen. Dies sollte aber auch klar gesagt werden.
2. Bezüglich der CD-ROM-Benutzergruppe haben wir in der OLBG bereits 1988 einen ersten Erfahrungsaustausch (s. u.a. Funk, R.: "Wieweit ersetzt die CD-ROM die Online-Datenbank. 10. Frühjahrstagung der Online-Benutzergruppe der DGD) gehabt. In der Diskussion darüber, wo eine CD-ROM-Benutzergruppe anzusiedeln sei, konnte zunächst keine klare Position erreicht werden. Ein erstes Treffen der CD-ROM-Benutzergruppe fand ad-hoc beim Bibliothekartag in Bonn statt. Eine angekündigte Sitzung erfolgte in Bremen beim Dokumentartag, bei dem beschlossen wurde, statt einer neuen zusätzlichen Tagung die CD-ROM-Benutzertreffen möglichst regelmäßig beim Bibliothekartag, Dokumentartag und bei der OLBG-Frühjahrstagung im Rahmen der großen INFOBASE-Ausstellung stattfinden zu lassen. Damit sollten möglichst viele CD-ROM-Benutzer die Chance der Teilnahme haben. Außerdem wurde der raschen Entwicklung Rechnung getragen und die Spaltung in CD-ROM für Bibliothekare bzw. Dokumentare verhindert. Als Ansprechspartner und als Koordinatoren wurden R. Funk, W. Lierz und W. Umstätter gewählt.
Die CD-ROM-Benutzergruppe ist seitdem nicht nur aktiv beim Beantworten von Fragen, beim Knüpfen von Verbindungen oder bei der Suche nach Referenten, sie vergrößert sich so rasch, daß sie bald eine unüberschaubare Größe haben wird. Man denke nur an die neuen Bundesländer, die nach einem Diskussionsbeitrag beim letzten CD-ROM-Benutzertreffen am 25.4.91 (OLBG-Frühjahrstagung. Thema: CD-ROM im Netz) z.Z. weltweit die meisten Server installiert haben sollen. Mit Blick auf die Erasable Disks, die Worms und insbesondere die von Millonig erwähnten Scanner mit Zeichenerkennung, dürfte übrigens inzwischen eher die Option einer CD-PROM-Benutzergruppe auftauchen. Hier haben sich übrigens beim Scannen der FHBD Köln insbesondere die Sachregister von Büchern und Zeitschriftenjahresverzeichnissen als interessant erwiesen. Der Münchner CIP-Pool liegt also sicher im Trend.
(1) Jochum, Uwe: Bibliothek, Buch und Information.
In: Bibliothek in Forschung und Praxis 15 (3) (1991) S.390-392.
(2) Hacker, Rupert: Literaturversorgung, nicht Informationsvermittlung
als
Hauptaufgabe der Bibliotheken.
In: Bibliotheksdiesnst 22 (1988) S.717-728.