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Umstätter
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Published in: Mitteilungsblatt N.F. 43 S.337-339 (1993)
Es ist mehr als eine Rezension, es ist eine Publikation seiner ureigensten Ansichten, die Heinz Marloth im Mitteilungsblatt NRW 43 (1993) 1 S.108-111 unmißverständlich auf über drei Seiten zum Ausdruck bringt. Das erkennt man nicht nur an dem umgewandelten Vor"Wort von Claude Tillier", es wird noch deutlicher in den Sätzen: "Die Datenverarbeitung in Bibliotheken ist in anderen Ländern weiter fortgeschritten als in Deutschland und hat eine fast unübersehbare Fülle von Fachliteratur zu diesbezüglichen Fragen und Problemen hervorgebracht. Sie stammt von BibliothekarInnen und wird von BibliothekarInnen abonniert, gelesen, diskutiert und zitiert - bedauerlicherweise nur nicht von deutschen BibliothekarInnen."
Abgesehen davon, daß der wiederholte Hinweis auf die "BibliothekarInnen" nicht besonders geglückt erscheint, fragt man sich, was diese Erkenntnis mit dem Buch zu tun hat. Die Aufforderung, im deutschen Bibliothekswesen sollte man mehr auf internationale Entwicklungen achten, ist sicher berechtigt. Sie ist aber in dieser Rezension fehl am Platz. Dieses Buch versucht ja gerade der kleinen Spezialbibliothek beim Einstieg in die Grundlagen der Personalcomputer behilflich zu sein, ohne das Studium der zahlreichen ausländischen Zeitschriften. Weil man in einer Zeit der Rezession in diesen Bibliotheken neben der täglichen Routinearbeit, dem Literaturstudium und der Umstellung auf PC-Automatisierung so nebenher ums Überleben kämpft. Viele Stellen hat der Rotstift bereits ereilt, weil die Qualifikation dieser "BibliothekarInnen" u.a. nicht zeitgemäß genug war. In der FAZ hat jedenfalls, nach eigenen Angaben, die Zahl der Stellenausschreibungen für Bibliothekare zwischen 1978 und 1992 von 49 auf 6 pro Jahr abgenommen.
In dieser Situation "deutschen BibliothekarInnen" zum Einstieg in die PC-Welt Zeitschriften wie Library Networks oder Library Software Review zum Studium bzw. als Publikationsorgan zu empfehlen, ist also schlicht abwegig. Eine so spezielle Zeitschrift wie CD-ROM Librarian muß man zum Lesen nicht nur besitzen, man muß auch die Fachsprache beherrschen und die Zeit zum Lesen und insbesondere zum darüber Nachdenken haben. Für diese Fachsprache reicht auch der wiederholt empfohlene "hervorragende DUDEN Informatik" nicht, der in seiner Nomenklatur so wenig hilfreich deutsch ist und z.B. unter einer "On-line-Verbindung", für Bibliothekare etwas praxisfern, ein "Telefongespräch" versteht.
Fachlich qualifizierte Rezensenten werden immer leicht dazu verleitet, anzudeuten, was sie an einem Buch alles besser gemacht hätten und was sie noch in der Lage gewesen wären, mit hineinzuschreiben. Im vorliegenden Fall sind es reihenweise Aufzählungen, was man alles thematisch hätte abhandeln können. Wenn sich dabei allerdings eigenes Halbwissen so deutlich manifestiert, wird es peinlich. Mit Marloths Auflistungen von Themen, die er einerseits für wichtig hält, mitaufgenommen zu werden, und die andererseits, wie er selbst richtig feststellt, in keiner Weise vollständig sind, könnte man gut und gern noch einige Bände füllen. Seine Vorschlagsliste an Themenerweiterung reicht bis hin zum IPSI in Darmstadt, dessen Erwähnung in diesem Zusammenhang nicht zuletzt darin zu finden sein dürfte, daß Herr Marloth hier sein Tätigkeitsfeld hatte.
"Beurteilungskriterien für Betriebssysteme, von denen es mehr als 50 gibt, z.B. ... Genauigkeit, ... Testbarkeit ... Wartungsfreundlichkeit ... etc." zu fordern, macht deutlich, daß diese Problematik dem "Rezensenten" nicht ganz geläufig ist. Es ist nicht nur die Tatsache, daß schon allein in der UNIX-Welt weit über 50 Betriebssysteme mit recht unterschiedlichen Eigenschaften, Oberflächen und Leistungen existieren, es ist ebenso die Frage der CISC-, RISC-, Transputer und Netzwerk-Architekturen, vor deren Hintergrund man diese Problematik nur sinnvoll diskutieren kann. Auch wenn man Großrechner wartet, so hat dies wenig mit den Betriebssystemen und erst recht nichts mit denen von PCs zu tun, und wenn diese auch möglichst genau das tun sollen, was wir von einem Betriebssystem erwarten, so wäre ein ungenaues Betriebssystem wohl am ehesten das, was man fehlertolerant nennt. Es mag veraltet, fehlerhaft, speicherintensiv und vieles mehr sein, aber seine "Testbarkeit" dürfte wohl kaum ein Problem darstellen.
Wenn es im Kapitel 3.22 des Buches heißt, "bei Festplatten (ist) das Format von untergeordneter Bedeutung, da Festplatten nicht ausgetauscht werden" und "Vier Zeilen später" von "Wechselplattensystemen" die Rede ist, so eröffnet sich für Marloth hier ein "Geheimnis der Autoren". Man darf jedoch hoffen, daß den meisten anderen Lesern des Buches klar wird, daß ein "Wechselplattensystem" mit den Platten auch den Austausch der Schreib- und Leseköpfe beinhaltet, und daß damit die gemachte Aussage durchaus richtig ist.
Was Marloth unter Programmieren versteht, steht weder im Einklang mit dem allgemeinen Sprachgebrauch der PC-Welt noch mit dem "DUDEN Informatik". Die Installation und Konfiguration eines PCs, soweit sie nicht bereits beim Kauf erfolgt ist, verläuft heute weitgehend menügeführt und hat mit Programmierung ebensowenig zu tun wie die Benutzung von Betriebssystembefehlen. Daran ändert sich auch nichts, wenn man wie Herr Marloth versucht, mit "Diskopt" komprimierte Dateien mit "Compress" zu bearbeiten. Zum Vergleich, es empfiehlt sich auch nicht, BASIC-Programme unter Pascal compilieren zu lassen. Der Schluß, ein großer Anteil an Computeranwendern könne selbst programmieren, weil Programme wie "COBOL" und "dBase" hohe Verkaufszahlen hätten, ist geradezu abenteuerlich, da COBOL bei PC-Benutzern eher als Exot angesehen werden kann und dBase auch ohne seine Programmiersprache einsetzbar ist. Gerade Herr Marloth dürfte wissen, wie oft in den von der GID geförderten IuD-Stationen dBase II mit ausgeliefert wurde und wie selten es wirklich zum Einsatz kam.
Hübsch sind natürlich seine Experimente im Bereich der Rechtschreibung, wo er "Holbein" eingibt und als Vorschlag eines Rechtschreibefehlers "Holpern" erhält oder aus dem "Walsertal" einen "Wasserball" erzeugen läßt. Sein Fehler ist allerdings, daß in solchen Wortlisten absichtlich und sinnvollerweise Namen nicht aufgenommen werden. Sie würden viel zu häufig Schreibfehler akzeptieren. Wenn man es darüber hinaus "lachhaft" findet, daß "aus dem berühmten 'Honigschlecker' (in der Basilika Birnau)" eine "Honigschleuder" wird, dann liegt die akute Vermutung nahe, daß hier Rechtschreibealternativen mit Synonymen aus dem sog. Thesaurus verwechselt werden. Da hilft es auch nichts, wenn man weiß, daß die Wallfahrtskirche in Birnau eine Basilika minor ist.
Die Feststellung, daß "Allegro, BISMAS, LIDOS und LARS viel zu kurz abgehandelt" wurden, kann eigentlich nur bedeuten, daß die Relation dieser Programme zu vielen anderen Datenbankprogrammen hier völlig überschätzt wird. Auch wenn sie sicherlich die bekanntesten im lokalen deutschen Bibliothekswesen sind, so sollte man sie doch nicht überbewerten.
Bücher wie das besprochene haben immer das große Problem, daß sie bereits veralten, während sie geschrieben werden, und daß es schwierig ist, das richtige Maß für das Wesentliche zu finden. Gerade in dieser Kunst und auch in der Sachkenntnis sind Mönnich und Schwersky ihrem Rezensenten weit überlegen.
Diesem Buch also ein "Armutszeugnis" auszustellen und dem dbi zu raten, solche Manuskripte "zwecks gründlicher inhaltlicher und stilistischer Überarbeitung" den Autoren zurückzugeben, ist geradezu verwegen, wenn man selbst zu "Toughscreens" rät und den ersten PC auf 1954 datiert. Das ist nicht nur geschichtlich irreführend, es ist auch definitorisch unsinnig, bei einem Preis von 50000 $ (multipliziert mit 40 Jahren Inflation) von einem PC zu sprechen. Ebenso irreführend ist es, dieses Buch in dieser Weise zu verreißen. Herr Marloth hätte dieses Buch nicht nur überfliegen dürfen, er hätte es auch lesen müssen. Dies ist nicht geschehen. So behauptet er, daß das Wort Byte im Glossar nicht erwähnt sei. Dies ist unrichtig. Seine Forderung, Datex-J zu berücksichtigen, ist abwegig, da es zum Zeitpunkt der Schriftlegung noch durchaus BTX hieß und Datex-J bis heute zu manchem Kummer Anlaß gibt. Die unvermeidlich und vereinzelt auftretenden wirklichen Fehler hat er nicht erkannt. So darf man z.B. heute Baud und Bit/s nicht mehr so einfach gleichsetzen. Die Frage ist nur, ob die Leser, an die sich das Buch richtet, diese Mängel der "Rezension" erkennen. Insofern hätte hier wohl weniger das dbi die traurige Pflicht gehabt, ein Manuskript zurückzuschicken, als vielmehr der Herausgeber des Mitteilungsblattes NRW.