von
1800-1834
Der britische Physiker Thomas Wedgwood (* 1771, 1805) versuchte um 1800 als erster, wenn auch erfolglos, mit Hilfe von Silbernitratpapier die Abbildungen der Camera obscura zu fixieren. Zwar gelangen ihm Abbildungen von auf Silbernitratpapier gelegten Pflanzenblättern und anderen Naturobjekten in zwei bis drei Minuten im Sonnenlicht, jedoch konnte er diese Kontaktkopien (Lichtpausen) nicht haltbar machen.
Die erste (bedeutende) deutsche zoologische Zeitschrift war das von dem Braunschweiger Anatomen Christian Rudolph Wilhelm Wiedemann (* 1770, 1840) herausgegebene "Archiv für Zoologie und Zootomie", Berlin 1800 - 1806.
Da Chiffrieren und auch befugtes Dechiffrieren mühsam, zeitraubend
sowie
fehleranfällig ist, lag es nahe, die Verschlüsselung und
Entschlüsselung zu mechanisieren.
Erfinder einer der ersten Chiffriermaschinen
war Thomas Jefferson, 3. Präsident der USA (1801 - 1809),(* Shadwell
[Va.] 1743, Monticello [Va.] 1826). Sein um
1800 entstandenes einfaches
Gerät
arbeitete mit 36 gleichen Scheiben, die auf einer Achse drehbar gelagert
waren und von denen jede ein anderes Alphabet enthielt.
Da Jefferson seine Maschine nicht nutzte, geriet sie in Vergessenheit und
wurde 1891 ein zweites Mal von dem Franzosen Etienne Bazéries (*
1846,
1931) erfunden.
Das Jefferson-Chiffriergerät, in der Variante mit 25 Scheiben, wurde
1922 für den amerikanischen Truppendienst eingeführt und war
bis
etwa 1942 weiterhin in Gebrauch, teilweise noch im Koreakrieg. Die
Anordnung
der Scheiben auf der Spindel wurde im Einsatz täglich gewechselt.
Der erste Schritt zur Entzifferung der Keilschrift gelang dem Sprachwissenschaftler und Gymnasiallehrer Georg Friedrich Grotefend (* München 1775, Hannover 1853), der in einer am 4. 9. 1802 der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften vorgelegten Abhandlung ("Praevia de cuneatis quas vocant inscriptionibus Persepolitanis legendis et explicandis relatio") die Königsnamen in den altpersischen Keilinschriften deutete. (Seine Abhandlung fand allerdings keine gebührende Beachtung; sie wurde erst 1893 wiedergefunden und veröffentlicht.)
Die ständige Theaterkritik in der
deutschen
Presse nahm nach mehreren Anläufen ihren Anfang im Jahre
1802.
In ihrer Ausgabe vom 16. Oktober 1802 kündigte die "Spenersche
Zeitung"
(Berlin 1740 - 1874) die künftige regelmäßige
Veröffentlichung von Theaterkritiken an. Hierfür hatte sie den
deutschen Schriftsteller Garlieb Helwig Merkel (* Lodiger [Lettland]
1769,
Depkinshof [bei Riga] 1850) verpflichtet. Dieser Neuerung folgten
nach und nach andere Zeitungen, bis die Theaterkritik, wenn auch nach
hemmenden
Zensurbestimmungen, ab 1848 zu einer ständigen Einrichtung der
deutschen
Presse wurde.
Autographen (von ihren Verfassern
eigenhändig
geschriebene oder handschriftlich ergänzte Schriftstücke)
werden
seit etwa 1800 gehandelt.
Die erste öffentliche Auktion von Autographen fand
1803 in Paris statt.
Die erste australische Zeitung erschien als "Sydney Gazette and New South Wales Advertiser" in Sydney (5. März) 1803 - 1842.
Wenige Erfindungen fanden eine so schnelle Verbreitung in aller Welt wie
die Eisenbahn. Dieses schienengebundene
Verkehrsmittel, fortbewegt durch Pferde- oder Maschinenkraft,
beschleunigte
den Güter-, Personen-und Nachrichtenverkehr (Bahnpost).
Holzschienen für von Pferden gezogene Wagen gab es in den
europäischen
Bergwerken schon im 14. Jh. Die ersten Eisenschienen wurden vermutlich
1728
in der englischen Grafschaft Cumberland verlegt. Bis 1803 waren alle
Bahnen
Werksbahnen.
Am 26. Juli 1803 wurde die erste
öffentliche Pferdeeisenbahnlinie südlich von London zwischen
Wandsworth
und Croydon (15 km) eröffnet. Die von Pferden gezogenen Züge
mit
bis zu 15 Waggons beförderten allgemeines Frachtgut. (Der Verkehr
wurde
am 31. August 1846 eingestellt.)
Die erste funktionsfähige Dampflokomotive
wurde 1803 von dem britischen
Ingenieur
Richard Trevithick (* Illogan [Cornwall] 1771, Dartford 1833)
gebaut.
Sie wurde im Februar 1804 in den Pen-y-Darren-Eisenwerken in
Südwales
eingesetzt. Die Maschine konnte einen Zug von fünf Wagen, der 10 t
wog
und mit 70 Personen besetzt war, mit einer Geschwindigkeit von 8 km/h
ziehen.
Da die 14,5 km lange Gleisstrecke dem Gewicht der 8 t schweren Lokomotive
nicht standhalten konnte, wurde die Maschine nur kurze Zeit verwendet,
war
aber der Ausgangspunkt für die Dampfeisenbahn.
Die erste Staatsdruckerei im deutschen Sprachgebiet (zuständig für den Druck und Vertrieb von Amtsblättern, amtlichen Veröffentlichungen, Banknoten, Briefmarken u.ä.) ist die heutige "Österreichische Staatsdruckerei" in Wien. Sie wurde 1804 als K. K. Hof- und Staatsdruckerei gegründet. 1814 wurde sie neu gegründet und ihr erster Direktor der Buchdrucker und Schriftgießer Josef Vinzenz Degen (* Graz 1761, Wien 1827).
Schon frühzeitig wurde die Verwendbarkeit des elektrischen Stromes
zur
Nachrichtenübermittlung überprüft. Dabei ging man für
die Nutzbarmachung der Elektrizität zu Telegrafiezwecken von zwei
Entdeckungen aus, nämlich, daß einmal Metalldrähte den
Strom
beliebig weit leiten und zum anderen, daß Strom gespeichert werden
kann.
Der spanische Arzt und Naturwissenschaftler Francisco Salva (* 1751,
1828) konstruierte in Barcelona 1804
(einigen Quellen zufolge bereits 1795) einen ersten elektrischen
Telegrafen, der für jeden Buchstaben
eine
eigene Übertragungsleitung besaß. Durch diese Drähte
schickte
er Ströme über eine Entfernung von 1 km zu einem
Empfänger,
bei dem sich eine entsprechende Zahl von Glasröhrchen mit
angesäuertem
Wasser befand. Bei jedem Stromstoß durch eine bestimmte Leitung
wurde
Wasser zersetzt (Elektrolyse); im zugehörigen Röhrchen stiegen
Gasblasen auf und wiesen damit auf den übertragenen Buchstaben
hin.
Mit Hilfe stärkerer Batterien konnte der deutsche Anatom und
Physiologe
Samuel Thomas von (seit 1809) Sömmering (* Thorn 1755,
Frankfurt/M.
1830) 1809 mit dem gleichen System Botschaften 3,5 km weit
übertragen.
Diese Art der elektrischen Telegrafie, bei der hauptsächlich das
Zeichenerkennen langwierig ist, fand weitere Nachahmer bzw. regte andere
zu weiteren Versuchen an.
Der französische Physiker und Chemiker Joseph Louis Gay-Lussac (*
Saint-Léonard-de-Noblat [bei Limoges] 1778, Paris 1850)
unternahm
zusammen mit dem französischen Physiker und Astronomen Jean-Baptiste
Biot (* Paris 1774, ebd. 1862) am 9. September
1804 den ersten
Ballonaufstieg für wissenschaftliche
Zwecke.
Sie stiegen in einem Wasserstoff-Freiballon bis auf 7376 m und nahmen
umfangreiche Untersuchungen (der atmosphärischen Temperatur und
Feuchtigkeit) vor.
Noch heute liegt die Bedeutung des Ballons auf
wissenschaftlich-technischem
Gebiet. Unbemannte Ballons werden vor allem für meteorologische und
physikalische Messungen eingesetzt. In den USA wurde 1960 und 1964
jeweils
ein Ballonsatellit ("Echo 1" und "Echo 2") als passive
Nachrichtensatelliten
gestartet.
Anknüpfend an den von dem Automatenbauer Jacques de Vaucanson (* Grenoble 1709, Paris 1782) 1745 vorgestellten mechanischen, lochkartengesteuerten Webstuhl trat 1805 der französische Seidenweber Joseph-Marie Jacquard (* Lyon 1752, Oullins 1834) mit seinem aufsehenerregenden automatischen Webstuhl mit externer Lochkartensteuerung an die Öffentlichkeit: Die Lochkarten enthielten in 26 Spalten und 8 Zeilen 208 Lochpositionen, die entsprechend dem zu webenden Muster ausgestanzt waren oder nicht. An den Rändern zu einem Band zusammengefügte Lochkarten wurden nacheinander durch eine Abtastvorrichtung geführt und steuerten so über eine Mechanik das unterschiedliche Abheben der einzelnen Kettfäden. Jacquard hat z.B. mit 20.000 solcher Karten sein eigenes Porträt automatisch weben lassen.
Die erste Tageszeitung Mexikos erschien u.d.T. "Diario de México" in Mexiko (Stadt) 1805 - 1817.
1805 erhielt der britische Mechaniker Joseph Bramah (* Stainborough [Yorkshire] 1748, London 1814) ein Patent auf eine sogenannte Rundsieb-Papiermaschine für endloses Papier, bei der sich der Papierbogen auf einem mit Drahtgewebe bespannten, zum Teil im Ganzzeugbehälter rotierenden Zylinder bildete. Bei der Rundsiebmaschine entfällt (im Unterschied zur Langsiebmaschine) das Aufschütten des Papierbreis.
Nicht bekannt ist der Erfinder des Paus- oder
Kopierpapiers, des mit einer farbabgebenden
Schicht behafteten dünnen Papiers, mit dessen Hilfe (als
Zwischenlegepapier)
bei Schreibarbeiten gleichzeitig mit dem Original Kopien angefertigt
werden
können.
Die gewerbliche Herstellung von Paus- oder Kopierpapier nahm ihren
Ausgang
von dem am 7. Oktober 1806 dem
Engländer Ralph Wedgwood in London erteilten Patent für einen
"Apparat
zur Verdoppelung von Schriftstücken" (durch tintengetränkte
Papierblätter). Einige Jahre später richtete Wedgwood einen
Herstellungsbetrieb für Kopierpapier ein.
Mit der Mechanisierung der Papierherstellung
durch die Papiermaschine verbunden war als Voraussetzung für ihre
volle
Wirksamkeit der Ersatz der bisher üblichen tierischen
(Oberflächen-)
Leimung der einzelnen Papierbogen in einem besonderen Arbeitsvorgang
durch
die Harzleimung in der Masse, die vor dem Blattbildungsprozeß in
der
Bütte vorgenommen wird (Büttenleimung).
Sie wurde 1806 von dem deutschen
Papiermachergesellen Moritz Friedrich Illig eingeführt, jedoch erst
nach 1830 industriell genutzt.
Jean-François Le Gonidec (* 1775, 1838) verfaßte die erste wissenschaftliche bretonische Grammatik ("Grammaire celto-bretonne", Paris 1807).
Die erste Pferdeeisenbahn für den Personenverkehr fuhr ab 25. März 1807 auf der 12 km langen Strecke zwischen Swansea und Oystermouth in Wales, die im April 1806 zunächst nur für den Güterverkehr in Betrieb genommen worden war. (Der Passagierbetrieb wurde mit einigen Unterbrechungen und anderen Zugmaschinen bis 1960 fortgesetzt.)
Der amerikanische Ingenieur Robert Fulton (* Little Britain [heute
Fulton,
Pa.] 1765, New York 1815) erbaute das erste voll
einsatzfähige
Dampfschiff, die "Clermont" (Länge 45,7
m, mit einer 20 -PS-Dampfmaschine der Firma Boulton & Watt,
Birmingham),
die am 17. August 1807 ihre erste
Fahrt
auf dem Hudson von New York nach Albany (240 km) in 32 Stunden machte.
Damit war der Grundstein für die nun folgende Zeit der
Dampfschiffahrt
gelegt. Im Januar 1808 nahm die "Clermont" den Liniendienst (zwischen New
York und Albany) auf. Sie war das erste Dampfschiff der Welt, das
über
einen längeren Zeitraum regelmäßig verkehrte.
In Italien arbeitete Pellegrino Turri di Castelnuovo, Erfinder einer Schreibmaschine, ab 1808 schon mit Durchschlägen. Er erzielte sie mit einer Art Pauspapier, das mit Kohlenstaub beschichtet war. Das heutige Kohlepapier (Carbonpapier) geht also auf ihn zurück.
Die erste Schreibmaschine von praktischem Nutzen (und offenbar nur für Blindenschrift bestimmt) stellte in nur einem Exemplar der Italiener Pellegrino Turri di Castelnuovo für die im jugendlichen Alter erblindete Gräfin Carolina Vantoni her. Einige ihrer mit Turris Maschine zwischen 1808 und 1810 geschriebenen Briefe - die ältesten erhaltenen mit Schreibmaschine geschriebenen Briefe - bewahrt das Staatsarchiv in Reggio nell' Emilia.
Das erste Patent auf eine Stahlfeder wurde am 14. März 1808 dem Engländer Bryan Donkin erteilt. Donkins Feder war an der Spitze mit einem Schlitz versehen, wodurch die Tinte besser floß. Da sie, wie ihre Vorläufer, noch im Handbetrieb hergestellt wurde, war sie viel zu teuer, um große Verbreitung zu finden.
Grundlage der "Brockhaus-Lexika" war das von dem Amsterdamer
Buchhändler
Friedrich Arnold Brockhaus (* Dortmund 1772, Leipzig 1823) auf der
Leipziger Buchhändlermesse am 25. Oktober 1808 aufgekaufte von
Renatus
Gotthelf Löbel und Christian Wilhelm Franke 1796 begonnene, aber
unvollendete "Conversationslexikon".
Zu ihm ließ Brockhaus zwei Ergänzungsbände (1809 und
1811)
erscheinen und veranstaltete ebenfalls schon 1809
einen Neudruck der ersten Bände unter dem neuen Titel
"Conversations-Lexicon oder kurz gefaßtes Handwörterbuch
für
die in der gesellschaftlichen Unterhaltung aus den Wissenschaften und
Künsten vorkommenden Gegenstände mit beständiger
Rücksicht
auf die Ereignisse der älteren und neueren Zeit", 6 Bde. und 2
Erg.-Bde.,
Leipzig 1809 - 1811. Dieses erste Brockhaus-Lexikon, das älteste
deutsche
Konversationslexikon, wird bis heute
fortgesetzt.
Mit der 4. Auflage (1814 - 1819) ("Allgemeine Hand-Encyclopädie
für
die gebildeten Stände", 10 Bde.) trat zum ersten Mal die Bezeichnung
"Enzyklopädie" auf. Die 13. Auflage (1882 - 1887) ("Brockhaus'
Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie", 16
Bde.,
1 Erg.-Bd.) war erstmals mit Tafeln versehen; die 14. Auflage (1892 -
1897)
("Brockhaus' Konversations-Lexikon", 16 Bde., 1 Erg.-Bd.) war zum ersten
Mal auch im Text bebildert.
In Deutschland traten neben Brockhaus mit "Meyers Lexika" und den
"Herder-Lexika"
im wesentlichen gleichartige Lexikongründungen hinzu. Meyers Lexika
nahmen ihren Anfang mit dem von Joseph Meyer (* Gotha 1796,
Hildburghausen
1856) verlegten "Großen Conversations-Lexikon für die
gebildeten
Stände", 46 Bde., 6 Suppl.Bde., Hildburghausen 1839 - 1855; den
Grundstein
der bis heute fortwirkenden Lexika des (1801 von Bartholomä Herder[*
1774, 1839]gegründeten) Verlages Herder bildete "Herders
Conversations-Lexikon", 5 Bde., Freiburg/Br. 1854 - 1857.
Albrecht Daniel Thaer (* Celle 1752, Gut Möglin [bei Wriezen/Oder] 1828), Landwirt und Professor für Landwirtschaft an der Universität Berlin (seit 1810), begründete u.a. durch sein Werk "Grundsätze der rationellen Landwirtschaft", 4 Bde., Berlin 1809 - 1812, die wissenschaftliche Landwirtschaft (Agronomie).
Die erste Tageszeitung Portugals, der "Diário Lisbonense", erschien in Lissabon erstmals am 1. Mai 1809.
Schon im 17. Jh. bemühte man sich um die Konstruktion des
Füllfederhalters, eines Federhalters
mit
eingebautem, nachfüllbarem Tintenbehälter.
Das erste Patent auf einen Füllfederhalter wurde
1809 in England Frederick Bartholomew
Fölsch erteilt. Sein Federhalter besaß eine Tintenkammer, die
gegen das anschließende Rohr mit der Schreibfeder durch ein
verstellbares
Ventil abgeschlossen war.
Die von dem Arzt Christian Friedrich Samuel Hahnemann (* Meißen 1755, Paris 1843) 1796 begründete und seit 1807 so von ihm benannte Homöopathie ist erstmals in seinem Werk "Organon der rationellen Heilkunde", Dresden 1810, beschrieben.
Das erste englische Fachbuch über das Buchbinden erschien anonym u.d.T. "Whole art of bookbinding, containing valuable recipes for sprinkling, marbling, colouring & c.", Oswestry (Shropshire) 1811.
Der Buchdrucker Friedrich Koenig (* Eisleben 1774, Oberzell [heute
zu Zell a. Main, Kr. Wuzburg] 1833), der seit 1802 in Suhl
(Thüringen)
und hier seit 1806 an der Erfindung einer verbesserten Druckerpresse
gearbeitet
hatte, konstruierte die erste Druckerpresse
(Tiegeldruckpresse) mit einem Farbwerk, das mit Hilfe von Walzen die
Druckfarbe
verteilte und auf die Druckform auftrug ("Suhl-Presse", 1810
patentiert
und
1811 in London fertiggestellt). (Die Papierbogen mußten allerdings
noch von Hand eingelegt und nach dem Druck aus der Maschine genommen
werden.)
Mit der neuen Maschine wurde als erstes Werk der Bogen "Principal
Occurrences"
des englischen Geschichtskalenders "The Annual Register" für 1810 in
London 1811 gedruckt.
Eine (meist periodisch [laufend] erscheinende)
Nationalbibliographie verzeichnet das
Schrifttum
eines Landes, auch die in der Landessprache verfaßten, aber im
Ausland
erschienenen Schriften.
Im 19. Jh. entstanden in fast allen Kulturstaaten die laufenden
Nationalbibliographien.
Die älteste (laufende) Nationalbibliographie besitzt Frankreich mit
"Bibliographie de la France", Paris
1811 - 1971, Forts.: "Bibliographie
de
la France - Biblio", Paris 1972 ff.
Die älteste bibliophile Gesellschaft (Zusammenschluß von Bücherfreunden) der Erde ist der 1812 in London gegründete Roxburghe Club, benannt nach dem Büchersammler John Ker, Herzog von Roxburghe (* 1740, 1804).
Das erste bekannte Schriftmusterbuch in Amerika gab 1812 die von den Schotten Archibald Binny und James Ronaldson 1796 in Philadelphia (Pa.) gegründete Schriftgießerei heraus.
Der Buchdrucker Friedrich Koenig (* Eisleben 1774, Oberzell [heute zu Zell a. Main, Kr. Würzburg ] 1833) erfand die erste Zylinderdruckpresse ("Einfachmaschine"), die im Gegensatz zu allen früheren Druckerpressen keinen Tiegel mehr besaß, sondern einen rotierenden Zylinder, der den zu bedruckenden Papierbogen auf die Druckform preßte. Diese 1812 in London aufgestellte Maschine druckte als erstes Werk einige Bogen aus Thomas Clarkson' s "Memoirs of the private and public life of William Penn" (das alsdann in zwei Bänden im Londoner Verlag Longman 1813 erschien). (Die Leistung der Zylinderdruckpresse betrug 800 Drucke in der Stunde.)
Die erste Maschine, die passende Holzstäbe mit eingefrästen Rillen für die Aufnahme der Bleistiftmine produzierte, entwickelte der amerikanische Kunsttischler William Monroe 1812 in Concord (Mass.). (Erst durch Monroes Bleistiftmaschine wurde verhindert, daß die Minen in der Holzumhüllung wackelten und deshalb früher oft abbrachen.)
Als Palimpsest (griech.) wird eine
Handschrift
bezeichnet, deren ursprünglicher Text (bei Papyrus durch Abwischen,
bei Pergament durch Radieren mit Bimsstein) getilgt und durch einen neuen
ersetzt wurde. Die Wiederverwendung des kostbaren Schreibmaterials war
schon
bei den Römern üblich und wurde im Mittelalter in den
Schreibstuben
der Klöster geübt.
Die Palimpsestforschung begründete der italienische klassische
Philologe
Angelo Mai (* Schilpario [Prov. Bergamo ] 1782, Castel Gandolfo
1854)
während seiner Tätigkeit an der Biblioteca Ambrosiana in
Mailand
und der Biblioteca Vaticana in Rom in den Jahren
1813 - 1838. Er entdeckte zahlreiche
Klassiker- und Kirchenvätertexte, u.a. die bis dahin unbekannte
Schrift
Ciceros "De re publica".
Da bei der Zylinderdruckpresse (1812) die Rückwärtsbewegung der Druckform ohne Druckvorgang verlief (Leerlauf), baute ihr Erfinder Friedrich Koenig ein zweites Modell mit zwei Zylindern (Doppelzylinderdruckpresse, "Doppelmaschine"), das diesen Mangel behob. 1814 lieferte er dem Verleger der Londoner "Times" John Walter II. zwei Doppelmaschinen mit einer Stundenleistung von 1100 Drucken sowie mit Dampfantrieb. Auf ihnen wurde am Abend des 28. November 1814 als erste Zeitung der Welt binnen weniger Stunden die "Times" in 4000 Exemplaren gedruckt. In einem Leitartikel in der ersten Nummer aus Koenigs Doppelmaschine würdigte John Walter das Ereignis.
Als erste bekannte Büchervermißtenanzeige in einer Zeitung erschien im "Weimarischen Officiellen Wochenblatt" Vom 13. Juni 1815 unter der Rubrik "Gesuchte Stellen oder Sachen" folgender Text: "Vermißt. Da man bei Gelegenheit der Revision der Bibliothek des Herrn Geheimerat von Goethe mehrere Werke vermißt; so werden alle diejenigen, welche aus selbiger Bücher geliehen erhalten, freundlich ersucht, solche bald möglichst in das Goethesche Haus zurück zu liefern."
Die zu Beginn des 19. Jh. in England entstandene
Egyptienne-Schrift (Antiquaschrift mit
gleichmäßiger Linienführung der Buchstaben und mit
Serifen
[kleinen Ansatz- bzw. Begrenzungsstrichen]), die vor 1806 als
Reklameschrift
auf Ladenschildern u.ä. auftauchte, erschien als Druckschrift
erstmals
1815 in einer Probe des Londoner
Schriftgießers Vincent Figgins und fand alsdann allgemeine
Anwendung,
vor allem als Auszeichnungsschrift.
(Die Schrift erhielt ihren Namen aufgrund der damaligen
Ägyptenbegeisterung, hat aber nichts mit dem Formcharakter dieser
Schrift
zu tun.)
1815 erfand der englische Arzt Peter Mark Roget (* 1779, 1869) einen Rechenschieber mit doppellogarithmischer Teilung, die zum Potenzieren und Wurzelziehen geeignet war.
1816 wurde in einer Schriftprobe der Londoner Schriftgießerei Caslon (1720 begründet durch William Caslon [* 1692, 1766]) die erste, im ersten Drittel des 19. Jh. entstandene Grotesk-Schrift (gleichmäßig starke Antiqua-Schrift ohne Serifen [kleine Ansatz- bzw. Begrenzungsstriche]) gezeigt, die sich aber erst nach den dreißiger Jahren durchsetzte, dann jedoch in vielen Varianten bis heute in Gebrauch blieb.
Das erste (vom Typ des "Brockhaus" beeinflußte) dänische Konversationslexikon war das von Hans Ancher Kofod herausgegebene "Dansk Conversations-Lexicon", 20 Bde., Kopenhagen 1816 - 1824 nebst 8 Suppl., 1824 - 1828.
Der Franzose Joseph Nicéphore Niepce (* Chalon-surSaône 1765, Saint-Loup-de-Varennes [bei Chalon-sur-Saône ] 1833), Offizier (seit 1792), Privatgelehrter und einer der Erfinder der Photographie, versuchte ab 1816, mit der Camera obscura und unter Verwendung von Silberchlorid Papierbilder herzustellen. Als Motiv wählte er den Blick aus seinem Arbeitszimmer auf Hof und Garten seines Hauses in der Nähe von Chalon-sur-Saône. Was Niepce erzeugte, waren Negativbilder, aber er konnte sie (wie sein Vorläufer Thomas Wedgwood) nicht fixieren. Doch gelang ihm erstmals, ein Kamerabild aufzuzeichnen.
Die erste Redakteurin (einer Zeitschrift) Deutschlands war die Schriftstellerin Therese Huber (* Göttingen 1764, Augsburg 1829). Sie war ab 1807 Mitarbeiterin und 1816 - 1823 Leiterin des renommierten Cotta'schen "Morgenblatts für gebildete Stände" (Stuttgart 18071865).
Friedrich Koenig (* Eisleben 1774, Oberzell[heute zu Zell a. Main,
Kr. Würzburg ] 1833) baute 1816
die erste Schön- und Widerdruckpresse
("Komplettmaschine"), die in einem Arbeitsgang Vorder- und Rückseite
eines Papierbogens bedruckte. Mit ihr erfolgte auch die
Bogenzuführung
automatisch. Die Komplettmaschine schaffte in der Stunde bis zu 1000
beidseitig
bedruckte Bogen.
Die erste Maschine dieser Art wurde in der Druckerei von Koenigs
Gesellschafter
Thomas Bensley (* 1750, 1835), einem Londoner Drucker und
Verleger,
aufgestellt. 1817 wurde auf ihr das erste Buch gedruckt (Johann Friedrich
Blumenbach: Institutions of physiology [Institutiones physiologicae,
engl.].
2.ed.).
Ab 1818 druckte Bensley auf der Komplettmaschine auch die von ihm
herausgegebene
Zeitschrift "Literary Gazette" (London 1817 - 1858, N.S. 1858 - 1862).
Friedrich Koenig (* Eisleben 1774, Oberzell [heute zu Zell a. Main, Kr. Würzburg ] 1833), der seit 1806 in London gewirkt hatte, ging 1817 nach Deutschland zurück und gründete in demselben Jahr in Oberzell (bei Würzburg) zusammen mit dem aus Stuttgart stammenden Mechaniker Andreas Friedrich Bauer (* 1783, 1860) die erste deutsche Druckmaschinenfabrik ("Koenig & Bauer"). Ihre Maschinen hießen zunächst Buchdruckmaschinen, bis ihnen nach einigen Jahren der Stuttgarter Drucker und Verleger Johann Friedrich Freiherr Cotta von Cottendorf (* Stuttgart 1764, ebd. 1832) den Ehrennamen "Schnellpressen" gab.
Als erste Tageszeitung der Welt führte in England 1817 der "Morning Herald and daily advertiser" (London 1780 - 1785; Forts.; Morning Herald, London 1786 - 1869) eine Sportrubrik ein.
Die Urform des Fahrrads (eines zweirädrigen, einspurigen Fahrzeugs, das mit Muskelkraft durch Tretkurbeln angetrieben wird) war die von dem badischen Forstmeister Karl Friedrich Drais, Freiherr von Sauerbronn (* Karlsruhe 1785, ebd. 1851) 1817 erfundene "Draisine"; ein hölzernes Zweirad mit Lenkstange und gefedertem Sitz (1818 patentiert), auch "Laufmaschine" genannt, weil der rittlings darauf sitzende Fahrer sich mit den Füßen vom Boden abstieß. Die Laufmaschine erreichte Geschwindigkeiten von 10 bis 15 km/h (im Sommer 1817 legte Drais damit die 50 km von Karlsruhe nach Kehl in nur vier Stunden zurück; die Pferdepost brauchte für diese Strecke die vierfache Zeit), aber trotz erwiesener Verwendbarkeit stieß die Draisine in Deutschland nur auf wenig Interesse. Dagegen fand sie in Großbritannien und den USA als "Velocipede" weite Verbreitung; in England wurde sie 1820 sogar versuchsweise im Postdienst eingesetzt.
Die erste Papiermaschine in Deutschland wurde 1819 in der Berliner Patentpapierfabrik aufgestellt, wodurch zugleich die erste Maschinenpapierfabrik auf deutschem Boden gegründet wurde.
"Kurzschrift", die deutsche Bezeichnung für die Stenographie, kam 1819 in Deutschland auf.
Die 35,53 m lange und 7,9 m breite "Savannah" überquerte als erstes Dampfschiff der Welt den Atlantik von Savannah in Georgia, USA, nach Liverpool in der Zeit vom 24. Mai 1819 bis zum 20. Juni 1819. (Das Schiff war allerdings nur 18 Tage unter Dampf und 8 Tage unter Segel, da es nicht genügend Ladeflächen für Kesselwasser und Brennstoff hatte. Passagiere waren nicht an Bord.)
Die älteste bibliophile Gesellschaft in Frankreich wurde 1820 (vermutlich in Paris) mit der "Société des Bibliophiles Français" gegründet.
Der Franzose Nicolas Marie-Charles Barbier (* 1767, 1843), ehemals
Offizier und Landvermesser, entwickelte um
1820 aus einem für die
nächtliche
Verständigung im Krieg gedachten Punktalphabet ("Nachtschrift"
[écriture nocturne]) eine
Zwölfpunkt-Blindenschrift.
Das Alphabet dieser ersten, mit den Fingerspitzen zu ertastenden
(Blinden-)
Punktschrift bestand aus 36 Grundzeichen, von denen jedes sich aus bis zu
zwölf Punkten zusammensetzte, die in zwei Reihen zu je sechs Punkten
angeordnet waren.
Die Barbier-Schrift wurde am Pariser Blindeninstitut erprobt, war aber
sowohl
schwer zu schreiben als auch schwer zu lesen und wurde erst nach
Vereinfachung
durch Louis Braille (1825) praktikabel.
Den Briefumschlag in der heutigen Form soll 1820 der englische Buch- und Papierwarenhändler namens Brewer (Vorname unbekannt) erfunden haben. (Mit der industriellen Fertigung von Briefumschlägen begann erst 1841 der Franzose Maquet [Vorname unbekannt] in Paris.)
Der Stahlstich, ein Tiefdruckverfahren, bei
dem in einer dem Kupferstich entsprechenden Technik statt einer
Kupferplatte
eine Stahlplatte verwendet wird, wurde um
1820 von dem Amerikaner Jacob Perkins
(* 1766, 1849) für die Herstellung von Banknoten und
Landkarten,
seit 1823 von dem Engländer Charles Heath (* 1785, 1848) zur
Reproduktion von Galeriewerken entwickelt; in Deutschland führte der
Kupferstecher Karl Ludwig Frommel (* 1789, 1863) den Stahlstich
(mit
Karlsruhe und Nürnberg als Zentren seiner Herstellung) ein.
Der Stahlstich, mit dem wegen der härteren Stahlplatte weit
höhere
Auflagen als beim Kupferstich erzielt werden können, war in der
ersten
Hälfte des 19. Jh. die bevorzugte Technik für
Buchillustrationen.
Heute dient er nur noch zur Herstellung von Wertpapieren, Banknoten
u.ä.
Der Elsässer Charles Xavier Thomas (* 1785, 1870), Leiter
zweier
Pariser Versicherungsgesellschaften, konstruierte eine
"Arithmométré"
genannte Rechenmaschine. Dieses
1820 patentierte Gerät, mit der
Staffelwalze als konstruktiver Basis, war die erste
serienmäßig
produzierte Rechenmaschine. Damit war eine neue Industrie ins Leben
gerufen
worden.
Als Rechengeschwindigkeit der ersten Modelle nannte Thomas eine Zeit von
18 Sekunden für die Multiplikation von zwei achtstelligen Zahlen und
24 Sekunden für die Division einer sechzehnstelligen Zahl durch eine
achtstellige.
1822 gelang dem französischen
Ägyptologen Jean François Champollion (* Figeac [bei
Aurillac]
1790, Paris 1832) der erste wissenschaftlich abgesicherte Versuch
zur Entzifferung der Hieroglyphen aufgrund
einer
Inschrift in zwei Sprachen (griechisch und ägyptisch) und drei
Schriften
(Hieroglyphen, demotisch, griechisch) des 1799 im Nildelta gefundenen
Steins
von Rosette (aus der Zeit um 196 v.Chr.; heute im Britischen Museum,
London)
(publiziert in "Lettre à M. Dacier" vom 27. 9. 1822).
Einen Abriß des hieroglyphischen Schriftsystems
veröffentlichte
Champollion u.d.T. "Précis du système hieroglyphique des
anciens
Egyptiens", Paris 1824.
Versuche, die seit Gutenbergs Zeiten manuell ausgeführte
Tätigkeit
des Setzens (Herstellung der Druckform durch Zusammensetzung der Lettern
zu Wörtern und Sätzen) zu mechanisieren und damit zu
beschleunigen,
gehen bis in das 17. Jh. zurück, und bis ins 20.Jh.
beschäftigten
sich mehr als 200 Erfinder mit diesem Problem.
Das erste Patent auf eine Setzmaschine
erhielt
1822 William Church aus Birmingham;
die
Maschine blieb jedoch erfolglos.
Joseph Nicéphore Niepce (* Chalon-sur-Saône 1765, Saint-Loup-de-Varennes [bei Chalon-sur-Saône ] 1833), der Schöpfer der ersten Photographie (1826), hatte die Camera obscura durch eine einfache Linse verbessert, sogar die Irisblende eingeführt und hölzerne Kameras aus zwei ineinander schiebbaren Kästen gebaut. Mit solchen (Schiebe-) Kastenkameras machte er in den Jahren 1822 bis 1826 seine photographischen Versuche. Es sind die vermutlich ältesten Photoapparate.
Die erste deutsche homöopathische Zeitschrift war das "Archiv für homöopathische Heilkunst", Leipzig 1822 - 1848.
Der erste bekannte Bibliomanenverbrecher war der Magister und Pfarrer Johann Georg Tinius (* Stanko [Niederlausitz] 1764, Graebensdorf bei Königs Wusterhausen [Kr. Potsdam] 1846). Wegen Unterschlagung von Kirchengeldern und mehrerer Raubmordversuche, die er zur Finanzierung seiner aus Bücherleidenschaft in großem Stil betriebenen Bücherkäufe begangen hatte, wurde er 1823 zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt.
In Deutschland wurde die erste Schnellpresse (Schönund Widerdruckpresse) der Firma Koenig & Bauer 1823 von der Haude & Spenerschen Verlagsbuchhandlung in Berlin (gegr. 1614) aufgestellt. Mit ihr wurde erstmals am 25. Juli 1823 die "Haude & Spenersche Zeitung" (eigtl. "Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen" [gegr. 1740]) gedruckt.
Das wohl früheste Beispiel für eine Miniatur-Tageszeitung ist der "New York Observer" vom 17. Mai 1823 (Vol.1, Nr.1; 4 Seiten mit je 5 Kolumnen) im Format 9 1/4 x 6 1/4 inches.
Die älteste, noch erscheinende deutsche astronomische Zeitschrift sind die "Astronomischen Nachrichten", Altona, später Kiel, heute Berlin 1823 ff.
Der deutsche Erfinder Karl Friedrich Drais, Freiherr von Sauerbronn (*
Karlsruhe
1785, ebd. 1851) entwickelte
1823 die erste
Schreibmaschine mit Typenhebeln.
Diese für eine phonetische Schnellschrift konstruierte,
"Schnellschreibclavier" genannte Maschine, die man als erste
Stenographiermaschine ansehen kann, arbeitete mit 4 Hebeln und 16 Tasten
und gestattete den Abdruck von insgesamt 16 verschiedenen Lettern. Einige
Buchstaben wie b/p, c/k/q/g waren zu einem Zeichen zusammengefaßt.
Um 1829 gab Drais eine mit 25 Tasten (für jeden Buchstaben eine
Taste)
ausgerüstete Schreibmaschine heraus. Diese beiden ersten
Tastenschreibmaschinen fanden allerdings keinen Anklang.
Postdampfer waren früher zur
regelmäßigen Postbeförderung über See eingesetzte
Dampfschiffe.
Der erste Postdampfer wurde in Europa
1824 zwischen Stralsund und Ystad
(aufgrund
eines Vertrages zwischen Preußen und Schweden vom 1. 3. 1821) in
den
Dienst gestellt.
Die erste ornithologische Zeitschrift der Welt gab der lutherische Pfarrer und Ornithologe Christian Ludwig Brehm (* Schönau [bei Gotha] 1787, Renthendorf [bei Gera] 1864), Vater des Zoologen Alfred Brehm (* 1829, 1884), heraus. Sie erschien u.d.T. "Ornis oder Das Neueste und Wichtigste der Vogelkunde" in Jena (in 3 Heften) von 1824 bis 1827.
Die heute gebräuchliche Blindenschrift
(Punktschrift, Brailleschrift), die Blinden und hochgradig
Sehbehinderten
das Lesen und Schreiben ermöglicht, wurde
1825 von Louis Braille (*
Coupvray[Dép.
Seine-et-Marne ] 1809, Paris 1852) geschaffen. Der im Alter von
drei
Jahren erblindete Braille kam als Schüler der Blindenanstalt in
Paris
sowohl mit dem Reliefverfahren von Valentin Haüy (1786) als auch mit
der Zwölfpunkteschrift von Nicolas Marie-Charles Barbier (1820) in
Berührung und entwickelte, auf Barbier aufbauend, knapp
16jährig,
sein Sechspunkte-System der (von den Blinden durch Abtasten mit den
Fingern
zu lesenden) Blindenschrift.
Dabei besteht jeder Buchstabe des Blindenalphabets aus Teilen der
Grundform
von sechs Punkten, die in zwei senkrechten Reihen zu je drei Punkten
angeordnet
sind. Darüber hinaus schuf Braille Abwandlungen, die sich für
das
Festhalten mathematischer Überlegungen, von Musiknoten und
Kurzschrift
eigneten.
1827 erschien als erstes Buch in Braille-Schrift eine Grammatik. Braille
beschrieb sein System in einer Broschüre mit dem Titel
"Procédé
pour écrire les paroles, la musique et le plain-chant au moyen de
points ..." (frz.- Verfahren, um Worte, Musik und Kirchengesang mit
Punkten
schriftlich festzuhalten), Paris: Institution Royale des Jeunes Aveugles
1829.
Am 30. April 1825 wurde der
Börsenverein der Deutschen
Buchhändler
zu Leipzig, der verbandsmäßige Zusammenschluß
selbständiger deutscher Buchhändler, gegründet (benannt
nach
der 1792 in Leipzig gegründeten Buchhändlerbörse). Erster
Vorsteher war (bis 1828) August Friedrich Andreas Campe (* Deensen [bei
Holzminden] 1777, Nürnberg 1846).
Nach 1945 bestand für den ostdeutschen Buchhandel der
Börsenverein
der Deutschen Buchhändler zu Leipzig, entsprechend umgewandelt,
weiter.
Die Buchhändler der westlichen Besatzungszonen schlossen sich zu von
Leipzig unabhängigen Landesverbänden zusammen, seit 1948 mit
Dachorganisation, 1955 abgelöst vom Einzelmitgliedsverband
"Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V." mit Sitz in
Frankfurt/M.
Im Rahmen des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur
Bundesrepublik
Deutschland (3. Oktober 1990) wurden am 1. Januar 1991 beide
Börsenvereine
mit dem Namen "Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V." mit
Hauptsitz
in Frankfurt/M. vereinigt.
(Verbände anderer Länder: Schweiz: Schweizerischer
Buchhändler-Verein [gegr. 1849]; Österreich: Verein der
österreichischen Buchhändler [gegr. 1859]; Frankreich: Cercle
de
la Librairie [gegr. 1841]; Großbritannien: Booksellers'Association
of Great Britain and Ireland [gegr. 1895] und Publishers'Association of
Great
Britain and Ireland [gegr. 1896]; USA: American Booksellers' Association
[gegr. 1900] und American Book Publishers' Council [gegr. 1946, heute:
Association of American Publishers] u.a.)
Der Herder Verlag, Freiburg/Br., veröffentlichte 1825 - 1827 u.d.T. "Systematische Bilder-Gallerie zur Allgemeinen deutschen Real-Encyclopädie" den ersten (rd. 4000 Abbildungen enthaltenden) Bildergänzungsband zu den Konversationslexika der Zeit, sozusagen als Vorstufe zur heute selbstverständichen Bebilderung der Enzyklopädien.
Unter Einsatz der von George Stephenson (* Wylam 1781,
Chesterfield
1848) gebauten Dampflokomotive "Locomotion No. 1" wurde am 27. September
1825 die erste öffentliche
Dampfeisenbahnlinie der Welt in England auf
der Strecke Stockton - Darlington (39 km) eröffnet. Der Zug
erreichte
eine Geschwindigkeit von 15 - 17 km/h.
Diese erste Dampfeisenbahn diente in erster Linie dem Kohletransport,
daneben
aber auch der Personenbeförderung.
In Deutschland führte der Hofrat Simon Kremser die ersten Pferdeomnibusse 1825 in Berlin ein. Die gut gefederten Pferdewagen für 10 bis 20 Personen, bald als "Kremser" bekannt, erfreuten sich als Ausflugsgefährte größerer Beliebtheit als die lärmenden Dampfautos.
Nach langen vergeblichen Versuchen gelang es Joseph Nicéphore
Niepce
(* Chalon-sur-Saône 1765, Saint-Loupde-Varennes [bei
Chalon-sur-Saône] 1833) im Sommer
1826, die erste
Photographie überhaupt herzustellen:
Mit
einer Camera obscura hielt er auf einer mit einer Art Asphalt
beschichteten
(21cm x 16cm großen) Zinnplatte das gleiche Motiv wie 1816 fest,
den
Blick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers. Die Belichtung betrug acht
Stunden.
Alsdann wurde die Platte mit Lavendelöl behandelt, wobei die Teile
der
Asphaltschicht herausgelöst wurden, die nicht durch die
Lichteinwirkung
verhärtet waren.
Das dabei entstandene Bild war ein dauerhaftes Positiv, das als
Photographie
(Photo, Lichtbild) zu bezeichnen war. Diese älteste erhaltene, 1898
verlorengegangene und erst 1952 von den Photohistorikern Helmut und
Alison
Gernsheim wiedergefundene Photographie der Welt (heute in der
Gernsheim-Sammlung
der Universität von Texas in Austin, USA) wurde am 15. April 1952 in
der Londoner "Times" zum erstenmal seit ihrer Entstehung nach 126 Jahren
veröffentlicht. (Niepce arbeitete ab 1829 mit Louis Jacques
Mandé
Daguerre zusammen.)
Gegen den Widerstand der Handpressendrucker führte in Deutschland der Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig, 1826 die erste Schnellpresse der Firma Koenig & Bauer für den Buchdruck ein.
Der Verleger Joseph Meyer (* Gotha 1796, Hildburghausen 1856),
Gründer des Bibliographischen Instituts in Gotha
(1826), eröffnete sein
Verlagsprogramm
mit einer "Miniaturbibliothek deutscher Klassiker", deren Lieferungen, in
Hunderttausenden von Subskriptionsprospekten annonciert, zu je zwei
Groschen,
eine jede mit dem programmatischen Motto "Bildung macht frei" auf dem
Umschlag,
überwiegend unter Einsatz von Kolporteuren verkauft wurden.
Was Meyer mit seinen preiswerten Klassikerausgaben begonnen hatte,
führten
ab 1827 die Brüder Johann Friedrich Franckh (* 1795, 1865)
und
Friedrich Gottlob Franckh (* 1802, 1845) in ihrer 1822 in
Stuttgart
gegründeten Franckh'schen Verlagsbuchhandlung für die
Belletristik
mit gängigen Romanwerken weiter und wurden damit zu den
Schöpfern
der billigen Volksausgaben. Obwohl sich der
Buchhandel gegen diese "Groschenliteratur" wehrte, machten diese
Vorbilder
Schule.
Die älteste, heute noch erscheinende deutsche mathematische Zeitschrift ist das von dem Straßenbauingenieur und Mathematiker August Leopold Crelle (* Eichwerder [bei Wriezen] 1780, Berlin 1855) begründete "Journal für die reine und angewandte Mathematik", Berlin 1826 ff.
Die älteste, heute noch erscheinende Londoner Abendzeitung ist der 1827 gegründete "Evening Standard" (1904 vom "Daily Express" [gegr. 1900] erworben, 1905 mit der "St. James Gazette" [gegr. 1880], 1923 mit der "Pall Mall Gazette and Globe" [gegr. 1865] vereinigt; seit 1924 zugehörig zur Beaverbrook-Zeitungsgruppe).
Der französische Maler und Graphiker Eugène Delacroix (* Saint-Maurice [bei Paris] 1798, Paris 1863) verwendete die Lithographie zum erstenmal für Zwecke der Buchillustration für die französische Ausgabe von Goethes "Faust", Paris 1828.
Karl Benjamin Preusker (* Löbau 1786, * Großenhain [Sachsen] 1781), Rentamtmann in Großenhain und Vorkämpfer des deutschen Volksbildungswesens, gründete 1828 in Großenhain eine Schulbibliothek, die 1833 zur Stadtbibliothek ("Bürgerbibliothek") erklärt wurde. Sie gilt (trotz ihres geringen Umfangs [ca. 150 Bände]) als Vorläufer der späteren Volksbüchereien in Deutschland.
Die erste (große) amerikanische Enzyklopädie war die von dem amerikanischen Staatswissenschaftler deutscher Herkunft Francis (Franz) Lieber (* Berlin 1798, New York 1872) auf der Grundlage der 7. Auflage des Brockhaus Konversationslexikons ("Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände", 12 Bde., Leipzig 1827 - 1829) herausgegebene "The encyclopedia Americana" (Kurztitel: "The Americana"), 13 Bde., Philadelphia (Pa.) 1829 - 1833. (Seitdem mehrere Neuausgaben. Zur laufenden Aktualisierung erscheint seit 1923 "The Americana annual".)
Als einer der führenden Musikverleger Deutschlands gründete Friedrich Hofmeister (* 1782, 1864) in Leipzig 1829 einen "Verein der Musikverleger gegen musikalischen Nachdruck" und schuf mit ihm ein Zentrum bibliographischer Arbeit, aus dem die älteste periodische Musikbibliographie im deutschsprachigen Raum hervorging: "Musikalisch-literarischer Monatsbericht über neue Musikalien, musikalische Schriften und Abbildungen", Leipzig 1.1829 -79.1907; Forts.: "Hofmeisters musikalisch-literarischer Monatsbericht", Leipzig 80.1908114.1942; Forts.: "Deutsche Musikbibliographie" (bearb. von der Deutschen Bücherei, Leipzig), Leipzig 115.1943 ff.
Ein durchschlagender Erfolg der Stereotypie
kam
mit der Erfindung der Papiermatrize, die sich
1829 der Lyoneser Schriftsetzer
Claude
Genoux (* 1811, 1874) patentieren ließ: In besonders
vorgerichtete,
angefeuchtete Papptafeln (Matern) wird vom Satz ein Abdruck geprägt;
die so entstehende Matrize kann bei Bedarf mit Schriftmaterial
ausgegossen
und als Stereotypieplatte für den Druck verwendet werden. (Durch die
auf diese Weise hergestellten Stereotypieplatten wurde es später
überhaupt erst möglich, die für den Druckzylinder der
Rotationspresse benötigten gebogenen Druckformen zu gewinnen.)
Der erste deutsche Verlag, der in großem Umfang von dem
Stereotypiedruck
mit Papiermatern Gebrauch machte, war der Verlag von Bernhard Tauchnitz
(*
1816, 1895) in Leipzig bei seiner Tauchnitz Edition ("Collection
of
British and American Authors", 1841 - 1938). Die "Times" in London
verwendete
während des Krimkrieges (1853 - 1856) erstmalig Papiermatern zum
Druck
der Zeitung.
Eine der frühesten Studentenzeitschriften in Deutschland war die "Allgemeine academische Zeitschrift für das gesammte Leben auf Hochschulen", München (1830: Speyer) 1829 - 1830.
Die erste bedeutende deutsche Fachzeitschrift für Architektur war das von dem Straßenbauingenieur und Mathematiker August Leopold Crelle (* Eichwerder [bei Wriezen ] 1780, Berlin 1855) begründete und herausgegebene "Journal für die Baukunst", Berlin 1829 - 1851.
Die erste chemische Referatezeitschrift der Welt wurde von dem Physiker, Psychologen und Philosophen Gustav Theodor Fechner (* Groß Särchen [bei Hoyerswerda] 1801, Leipzig 1887) 1830 begründet und bis 1850 in Leipzig u.d.T. "Pharmaceutisches Centrallblatt" herausgegeben. (Forts.: Chemisch-pharmaceutisches Centralblatt, Leipzig 1850 - 1855; Forts.: Chemisches C[Z]entralblatt. Repertorium für reine, pharmaceutische, physiologische und technische Chemie, Leipzig u.a. 1856 - 1969.)
Die satirischen Zeitschriften, ein vom
politisch-satirischen Blatt bis zur humoristischen Zeitschrift und zum
Witzblatt
reichender Zeitschriftentypus, wurden vermehrt in der Zeit zwischen
1830 und 1850 gegründet. (Ihre
Vorläufer waren die ausgesprochen humoristischsatirischen
Zeitschriften,
die thematisch noch mit den moralischen Wochenschriften verwandt waren.)
"La Caricature" war der Titel der von dem französischen Zeichner und
Publizisten Charles Philipon (* Lyon 1806, Paris 1862) in Paris
1830
gegründeten und als Wochenblatt herausgegebenen ersten
französischen
satirischen Zeitschrift. Sie erschien bis 1835, wurde 1838 und 1839
neugegründet und ist 1842 erloschen.
1830 erfand der Engländer James Perry in London die Stahlfeder mit einem runden Mittelloch, das mit dem Schreibspalt an der Federspitze in Verbindung stand. Mit der "Perrian Pen" waren Elastizität und Tintehaltevermögen gegenüber ihren Vorläufern bedeutend verbessert worden. Zwei Jahre später ergänzte Perry seine Feder durch seitlich eingeschnittene Schlitze.
Mit Eröffnung der Linie Liverpool - Manchester am 15. September 1830, der ersten Dampfeisenbahnlinie für den Personenverkehr, begann das Zeitalter des Eisenbahnverkehrs.
Das erste vom Brockhaus Konversationslexikon beeinflußte ungarische Lexikon (Közhasznu Ismeretek Tára") erschien zwölfbändig in Budapest (?) 1831 - 1834.
Die erste niederländische Tageszeitung erschien ab 1831 mit der täglichen Ausgabe von "Algemeen Handelsblad" (gegr. in Amsterdam 1828). Nach Fusion mit der Tageszeitung "Nieuwe Rotterdamse Courant" (Abk.: NRC) (gegr. in Rotterdam 1844) im Jahre 1964 erscheint sie seit 1. 10. 1970 als "NRC Handelsblad" noch heute in Rotterdam.
Die erste türkische Zeitung ("Takvim-i Vekayi" [Chronik der Ereignisse]) erschien in Istanbul 1831 - 1908.
1831 wurde Joseph Gillot aus Birmingham das erste Verfahren für die maschinelle Herstellung von Stahlfedern patentiert. Gillots Fabrik verarbeitete schon 1840 über 1000 Zentner Stahl zu Schreibfedern. Diesen Aufschwung verdankte sie vor allem der "Perrian Pen" (1830).
Der erste Dampfomnibus war ein von dem
Briten
Walter Hancock gebauter zehnsitziger Wagen, der
1831 auf einer Versuchsstrecke
zwischen
Stratford und London fuhr.
Der erste fahrplanmäßige Liniendienst wurde von der London
&
Paddington Dampfgesellschaft am 22. April 1833 mit Hancocks
vierzehnsitzigen
dampfbetriebenen Omnibussen auf der Strecke Paddington - London
eingeführt.
Das Feuilleton (literarischer, kultureller oder unterhaltender Teil einer Zeitung) findet sich nach einigen Vorstufen in den Zeitungen des 18. Jh. in Deutschland erstmals in ausgeprägter Form, d.h. durch einen fetten Strich vom übrigen Inhalt getrennt, 1832 im "Nürnberger Correspondenten" (1832 - 1885).
Physiologische Grundlage für den Film
und
die Filmtechnik ist der schon seit Jahrhunderten bekannte Tatbestand,
daß
für das menschliche Auge, infolge seiner Trägheit, schnell
aufeinanderfolgende Bewegungsphasenbilder zu einem flimmerfreien
Bewegungsablauf
verschmelzen, wenn die Zahl der Bildwechsel je Zeiteinheit hinreichend
hoch
ist.
Am Anfang der heutigen Filmtechnik stand die Kinematographie. Sie
bezeichnet
die Gesamtheit der Verfahren zur Aufnahme und Wiedergabe von bewegten
Bildern,
bei denen man in rascher Folge Bildreihen photographisch aufnimmt und
dann
zur Betrachtung in analoger Weise projiziert. Der Kinematographie
wiederum
gingen die in der ersten Hälfte des 19. Jh. konstruierten
Vorrichtungen
voraus, mit deren Hilfe auf einer Trommel, Scheibe o.ä.
aufgezeichnete
oder gemalte (noch nicht photographisch festgehaltene) Bilder so
dargeboten
werden konnten, daß eine Art Bewegungsablauf vorgetäuscht
wurde.
Eine erste solche Vorrichtung war das von dem belgischen Anatomen und
Physiker
Joseph Antoine Ferdinand Plateau (* 1801, 1883)
1832 gebaute "Phenakistiskop" oder
"Phantaskop". (Ihm folgten ebenfalls als Vorläufer des heutigen
Filmprojektors fast zur gleichen Zeit der von dem österreichischen
Mathematiker Simon Ritter von Stampfer[* 1792, 1864] erfundene
ähnliche Apparat ["Stroboskop" oder "Kreisdreher"] und von dem
britischen
Mathematiker William George Horner [* 1786, 1837 ] das "Zoetrop"
["Lebensdreher", "Lebensrad" oder Wundertrommel"]; schließlich
brachte
der Franzose Emile Reynaud [* 1844, 1918] 1877 ein verbessertes
Zoetrop
["Praxinoskop"] heraus.)
Die Entwicklung der Telegrafie führte im 19. Jh. in Europa und in
den
USA zur Gründung von Nachrichtenagenturen
(publizistischen Unternehmen, die aktuelle Nachrichten und Berichte in
Wort,
Bild oder Film sammeln, bearbeiten und gegen Entgelt vornehmlich an
Medieneinrichtungen weitergeben.
Die erste Nachrichtenagentur der Welt gründete der Kaufmann
Charles-Louis
Havas (* Rouen 1783, Bouvigal [bei Paris] 1858)
1832 in Paris als "Bureau Havas"
(seit
1835: Agence Havas, seit 1944: Agence France-Presse [AFP]).
Havas beschaffte der französischen Presse zunächst vor allem
Auslands-
und Wirtschaftsnachrichten und benutzte bis zur Freigabe des elektrischen
Telegrafen in Frankreich (1850) das neue Verkehrsmittel Eisenbahn und
Brieftauben
für den Nachrichtentransport. Die Agentur war für damalige
Verhältnisse schon sehr leistungsfähig: Die Nachricht vom
Attentat
auf den "Bürgerkönig" Louis Philippe 1835 gelangte in drei
Tagen
von Paris nach Berlin. (Dagegen hatte die Meldung von der Schlacht bei
Waterloo
1815 bis zum Eintreffen in London vier Tage gebraucht; der Tod Napoleons
1821 war sogar erst nach zwei Monaten in London bekannt geworden.)
Der Holzschnitt, insbesondere der Holzstich, fand als
Illustrationstechnik
nicht nur in Büchern, sondern auch in Zeitschriften Eingang.
Der englische Verleger und Publizist Charles Knight (* Windsor 1791,
Addlestone 1873) war der erste, der eine mit Holzstichen illustrierte
Wochenzeitschrift, das "Penny Magazine",
London
1832 - 1842, herausgab. Das Penny
Magazine
als Typ der volksbildenden illustrierten Zeitschrift wurde Vorbild
für
ähnliche Unternehmen (sowie für die spätere Illustrierte),
die einen großen Teil ihrer Beliebtheit der Holzschnittillustration
verdankten.
Am 1. August 1832 wurde die erste kontinentale Pferdeeisenbahn Linz - Budweis (131 km) dem öffentlichen Verkehr übergeben.
Die ersten Straßenbahnen (heute:
elektrisch
betriebene Schienenbahnen für den öffentlichen Personenverkehr
in Städten) waren Pferdebahnen.
Die erste Pferdestraßenbahn der Welt verkehrte ab 26. November
1832 in New York. In Europa war in
der
zweiten Hälfte des 19. Jh. das Großstadtbild durch die
Pferdestraßenbahn geprägt: Paris seit 1855, London 1861,
Berlin
1865, Hamburg 1866, Stuttgart 1868, Leipzig, Frankfurt/M., Dresden,
Hannover
seit 1872 u.a.
Der erste, der die Prinzipien von Automat und Rechenmaschine zusamenführte, war der britische Mathematiker Charles Babbage (* Teignmouth [Devonshire] 1792, London 1871), der ab 1833 den ersten programmgesteuerten Rechenautomaten konstruierte. Mit seiner lochkartengesteuerten "Analytical Engine" (Analytischen Maschine) entwickelte er das Konzept zum ersten digitalen Rechenautomaten der Geschichte, zu einer problemlösenden Rechenmaschine, die bereits alle Funktionsteile eines modernen Computers (Speicher, Rechenwerk, Steuerung, Datenein- und -ausgabe) enthielt. Dieses Rechnerkonzept, das zu Babbage's Zeiten technisch nicht realisiert werden konnte, setzte sich ab 1890 mit dem Siegeszug der Lochkarte (Hermann Hollerith) durch.
Die Kaufzeitung
(Straßenverkaufszeitung,
Boulevardzeitung) ist eine sensationell aufgemachte und in hohen Auflagen
gedruckte und daher billige Tageszeitung, die, im Gegensatz zur
Abonnementzeitung, hauptsächlich an Kiosken (früher auch von
Straßenverkäufern) vertrieben wird.
Die erste Kaufzeitung gründete der amerikanische Verleger Benjamin
Henry
Day (* West Springfield [Mass.] 1810, New York 1899) am 3.
September
1833 in New York mit dem Blatt "The
Sun",
das für 2 Cents verkauft wurde. Day gilt als "Vater der
Sensationspresse".
(Die Kaufzeitung "The Sun", die im Januar 1950 mit dem "World-Telegram"
u.d.T.
"World-Telegram and Sun" vereinigt wurde, lebte nach einer weiteren
Verschmelzung
mit mehreren Blättern im Jahre 1966 bis Mai 1967 in der
"World-Journal-Tribune" fort.)
Die 1820 von dem dänischen Chemiker und Physiker Hans Christian
Orsted
(* Rudkobing [auf Langeland ] 1777, Kopenhagen 1851) entdeckte
Ablenkung
einer Magnetnadel durch das Feld eines stromdurchflossenen Leiters
(Elektromagnetismus) bildete die Grundlage der elektromagnetischen
Telegrafen.
So konstruierte der russische Baron Pawel Lwowitsch Schilling von
Cannstadt
deutscher Herkunft (* 1786, 1837), seit 1803 Diplomat bei der
russischen
Gesandtschaft in München, 1832
(1833?) einen mit fünf (sechs?)
Magnetnadeln ausgerüsteten Telegrafen (Nadeltelegrafen), bei dem die
Zeichengebung durch Auslenkung der Magnetnadeln nach einem vereinbarten
Code
erfolgte. (Hinsichtlich der Jahresdaten und der Zahl der Nadeln variieren
die literarischen Quellen.)
Im gleichen Jahr (1833) baute der Mathematiker Carl Friedrich Gauß
(* Braunschweig 1777, Göttingen 1855) in Zusammenarbeit mit
dem
Physiker Wilhelm Eduard Weber (* Wittenberg 1804, Göttingen
1891)
einen noch einfacheren elektromagnetischen Telegrafen, der mit einer je
nach
Stromrichtung nach verschiedenen Seiten ausgelenkten Magnetnadel auskam.
Der Telegraf arbeitete über eine Entfernung von 2 km und wurde zur
Übermittlung von astronomischen Daten zwischen der Sternwarte und
dem
Physikalischen Kabinett der Universität Göttingen benutzt. Er
war
der erste regelmäßig betriebene elektrische Telegraf. (Durch
ein
Wintergewitter am 16. Dezember 1845 wurde die Telegrafenleitung
zerstört.)
Die ersten Worte, die 1833 über die Leitung des elektromagnetischen
Telegrafen von Gauß und Weber übermittelt wurden, waren, so
die
Überlieferung, "Michelmann kommt". Michelmann war Kurier an der
Universität Göttingen und hielt während des Aufbaus der
Sende-
und Empfangsstationen die Verbindung zwischen beiden Wissenschaftlern
aufrecht.
Als nun einmal wieder der Bote von der Sternwarte zum physikalischen
Institut
hinüberging, soll Gauß seinem Kollegen das Kommen des
Faktotums
mit einem Telegramm des o.g. Wortlautes angekündigt haben.
(Daß
diese vielzitierte Episode wohl nur eine Anekdote ist, mag daraus
erhellen,
daß laut den Personalakten des Universitätsarchivs der
Drechslermeister Wilhelm Michelmann erst am 20. April 1847 als
Wärter
im Physikalischen Kabinett eingestellt wurde.)
Erst 1832, 38 Jahre nach der Einführung des Chappe-Telegrafen in Frankreich (1794) entschloß man sich in Preußen zu seiner Übernhme, obwohl jetzt schon die ersten Erfolge mit der elektrischen Telegrafie erzielt worden waren. Initiator der preußischen optischen Telegrafie war der Geheime Postrat Karl Philipp Heinrich Pistor (* 1778, 1847). 1833 war die erste preußische optische Telegrafenlinie von Berlin nach Koblenz mit den Stationen Potsdam, Brandenburg, Magdeburg, Braunschweig, Hildesheim, Paderborn, Köln und Bonn einsatzbereit. (Die erste offizielle Nachricht aus Frankreich, die über Koblenz nach Berlin weitergeleitet wurde, berichtete von dem Attentat auf den "Bürgerkönig" Louis-Philippe am 28. Juli 1835. 1853 wurde der nur staatlichen Zwecken dienende preußische Telegraf eingestellt.)
Die erste Tageszeitung Kanadas ("Daily Advertiser") wurde 1833 in Montreal gegründet.
Am 3. Januar 1834 erschien die erste
Nummer des "Börsenblatts für den Deutschen
Buchhandel", das von den Deputierten des
1833
gegründeten Vereins der Buchhändler zu Leipzig herausgegeben
wurde
und 1835 in den Besitz des 1825 in Leipzig gegründeten
Börsenvereins
der Deutschen Buchhändler überging, dessen Fach-, Nachrichten-
und Anzeigenblatt sowie Organ es wurde. Sein erster Redakteur war Otto
August
Schulz (* 1803, 1860).
Infolge der Trennung Deutschlands sind 1945/1946 bis 1990 eine Ausgabe in
Leipzig und eine in Frankfurt/M. erschienen. Nach Vereinigung der beiden
Börsenvereine Leipzig und Frankfurt/M. am 1. 1. 1991 erschien am 4.
Januar 1991 das Börsenblatt als Verbandsorgan erstmals wieder in
ganz
Deutschland, mit dem neuen Zusatz "Frankfurt/M. und Leipzig";
Hauptredaktion
bleibt Frankfurt.
Zur Vereinfachung der Portoberechnung druckte im August 1834 James Chalmers, Verleger und Druckereibesitzer im schottischen Dundee, probeweise selbstgezeichnete, auf Briefen aufklebbare Zettel. Diese ersten gedruckten aufklebbaren "Briefmarken" stießen aber im britischen Parlament auf kein Interesse, und erst 1840 kamen Postwertzeichen nach einer Reform der britischen Post durch Sir Rowland Hill in Gebrauch.
Das vermutlich erste ausschließlich für Frauen bestimmte (deutsche) Konversationslexikon ist das "Damen-Conversations-Lexikon", herausgegeben im Verein mit Gelehrten und Schriftstellerinnen von dem Schriftsteller Georg Karl Reginald Herloßsohn (* Prag 1804, Leipzig 1849), 10 Bde., Leipzig 1834 - 1838.
Franz Xaver Gabelsberger, Stenograph und Kanzleibeamter, (* München 1789, ebd. 1849) schuf mit seiner "Anleitung zur deutschen Redezeichenkunst oder Stenographie", München 1834, als erster eine kursive Kurzschrift (in Anlehnung an die deutsche Schreibschrift). Sein System mit "fließenden Schriftzügen" bildete eine der Voraussetzungen für die Entwicklung der "Deutschen Einheitskurzschrift" (1924).
Die erste deutsche Buchdruckerfachzeitschrift war das "Journal für Buchdruckerkunst, Schriftgießerei und die verwandten Fächer", Braunschweig 1834 - 1919. (Herausgeber und Verleger war zunächst Heinrich Meyer [* 1812, 1863].)